Mit dem Konzertzyklus VOCE rückt das KLANGFORUM WIEN im Wiener Konzerthaus die menschliche Stimme als kraftvollstes Ausdrucksmittel Neuer Musik in den Mittelpunkt. Das Programm spannt einen Bogen von intimen Vokalwerken bis zu groß besetzten Kompositionen, die Vertrautes neu hörbar machen. mica – music austria verlost für das Konzert „Stimmen“ am 12. Jänner 2027 1×2 Karten und lädt dazu ein, diesen außergewöhnlichen Konzertabend live zu erleben.Bei Interesse bitte eine Mail an office@musicaustria.at; Betreff: Konzertzyklus Voce.
Hans Werner Henze strebt mit seinen „Voices“ weit hinaus in die Welt und fängt dabei einen Weltklang ein. György Kurtág wiederum verleiht dem verstorbenen Fräulein R. V. Trussowa eine Stimme, die in ihrer Intimität weit über das Gesungene hinausweist, und Salvatore Sciarrino erkundet die Grenzen des beinahe Stimmlosen. „Voce“ meint einen Konzertzyklus, der in seiner Vielstimmigkeit einen enormen Fächer aufspannt: von soliden Fundamenten ausgehend erkundet das Klangforum Wien viele neue Positionen für das eigene Repertoire.
Peter Paul Kainrath, Intendant des Klangforum Wien, über den Konzertzyklus 26/27:
The Park Avenue Armory presents “11,000 Strings” in the Wade Thompson Drill Hall (c) Stephanie Berger
„Die menschliche Stimme ist wohl das unmittelbarste Emotionsorgan, das uns zur Verfügung steht. Mit dem neuen Konzertzyklus VOCE am Wiener Konzerthaus begibt sich das Klangforum Wien auf die Suche nach den gegensätzlichsten, extremsten und radikal aufrichtigsten Positionen Neuer Musik, welche die Stimme in deren Zentrum stellen. Hier sprechen, singen, deklamieren, skandieren, klagen und jauchzen Seelen.“
Der Konzertzyklus 26/27 umfasst 7 Konzerte, davon zwei im Großen Saal und fünf im Mozart-Saal des Wiener Konzerthauses, und zum Auftakt am 20. September ein optionales Zusatzkonzert: 11,000 Saiten von Georg Friedrich Haas kehrt nach drei Jahren in den Großen Saal des Wiener Konzerthauses zurück.
Dirigiert wird der Konzertzyklus VOCE von Friederike Scheunchen, Susanne Blumenthal, Vimbayi Kaziboni (Conductor in Residence), Sylvain Cambreling, Jack Sheen, Bas Wiegers und Ingo Metzmacher. Als Solistinnen und Solisten konnten Otto Katzameier (Bariton), Viktoriia Vitrenko (Sopran), Julia Bullock (Mezzosopran), Peter Tantsits (Tenor), und Sebastiaan Kemner (Posaune)gewonnen werden.
Konzert I – Schwankende Zeit
17. Oktober 2026, Samstag | 19:00 Uhr Wiener Konzerthaus (Mozart-Saal)
Klangforum Wien Otto Katzameier, Bariton
Dirigent: Sylvain Cambreling
Salvatore Sciarrino: Gesualdo senza parole (2013) Isabel Mundry: Non mesuré mit Louis Couperin II und Je est un autre (Schwankende Zeit, Teile IV und V (2006/09) Salvatore Sciarrino: Quaderno di strada (2003)
13 Jahre liegen zwischen dem Tod des Komponisten-Fürsten Don Carlo Gesualdo di Venosa und der Geburt des Violinisten-Organisten-Komponisten Louis Couperin. Aus 400 Jahren Distanz blicken einerseits Salvatore Sciarrino und andererseits Isabel Mundry auf diese Klangwelten versunkener Zeiten, aus denen so viel zeitlos Neues hervorblitzt und im „Quaderno di strada“ eine Vielschichtigkeit erreicht, die der Zeit ihren chronologischen Vektorzahn zieht.
Konzert II – Anima Mundi
7. November 2026, Samstag | 19:00 Uhr, Wiener Konzerthaus (Großer Saal)
Klangforum Wien Florian Bogner, Klangregie
Dirigent: Jack Sheen
Michael Finnissy: Pathways of Sun and Stars (1976) Unsuk Chin: Fanfare chimérique (2010/11/2019) Liza Lim: Anima Mundi ~ the sentient world ~ (2025/26, UA)*
Einer Weltseele auf der Spur, ihr nachhörend weit draußen auf den Bahnen zwischen Sonne und Sternen, ihr nachspürend im tiefsten Inneren einer Stimme, die nichts als Stimme ist, ihr zuhörend wie sie Mensch und Natur in einem ritualisierten Dialog ineinander verschränkt.
*Kompositionsauftrag des Klangforum Wien mit Unterstützung der Ernst von Siemens Musikstiftung
Produktion Klangforum Wien und Wien Modern
Konzert III – Kurtág 100
10. Dezember 2026, Donnerstag | 19:00 Uhr Wiener Konzerthaus (Mozart-Saal)
Klangforum Wien Viktoria Viitrenko, Sopran Florian Bogner, Klangregie
Dirigent: Bas Wiegers
György Ligeti: Glissandi (1957) Mark Andre: Zwischenraum (2011/12, ÖEA) György Kurtág: Die Botschaften des verstorbenen Fräulein R. V. Trussowa, op. 17 (1976-80)
Befreiungsgesten, extreme Stille, äußerste Fragilität. Diese Werke vermessen ein hochverdichtetes Gelände an Beziehungen und Bezügen. Ligeti inszeniert einen elektronischen Klangbeschleuniger, Kurtág erkundet die Abgründe einer verlöschenden Selbstachtung, Andre schafft Räume für Klänge, die kein Klingen mehr benötigen. Alle drei Komponisten sind und waren sich durch Wertschätzung verbunden.
Klangforum Wien Julia Bullock, Mezzosopran Peter Tantsits, Tenor
Dirigent: Ingo Metzmacher
Hans Werner Henze: Voices (1973)
Ohne Wenn und Aber geht es in 11 und 11 Liedern um Stimmen Unterdrückter, Ausgegrenzter, Versklavter. Emotional aufgeladen, ungeschönt, aus allen Teilen der Welt, von rauer und flimmernder Klanglichkeit, die aus über 70 Instrumenten in den Saal tönt, geht es hier auch um eine musikalische Wut, die nicht aktueller sein könnte.
Konzert V – Graffiti
16. Februar 2027, Dienstag | 19:00 Uhr Wiener Konzerthaus (Mozart-Saal)
Klangforum Wien Florian Bogner, Klangregie
Dirigentin: Friederike Scheunchen
Magnus Lindberg: Corrente (1992) Pierre Jodlowski: Barbarismes (2000/01) Sarah Nemtsov: MALCHUT [shir hama‘alot] (2024) Unsuk Chin: Graffiti (2012/13)
Das Unangepasste, nicht Vereinnahmte der Graffiti-Kunst, das barock Tänzerische über das Rasende bis hin zum elektrischen Strom, das brutal Ungebändigte, die archaisch strahlende Göttlichkeit – hier schlagen vier Komponist:innen Koordinaten in einen magmatischen Boden, hier geht es um schiere Energie.
Konzert VI – Wow and Flutter
17. März 2027, Mittwoch | 19:00 Uhr Wiener Konzerthaus (Mozart-Saal)
Klangforum Wien Sebastiaan Kemner, Posaune Mikael Rudolfsson, Posaune
Dirigentin: Susanne Blumenthal
Egemen Kurt: Zäsuren II (UA) Sofia Avramidou: A hug to die (2023) Arnau Gran i Romero: La Biomécanique du Vol (2024) Mikel Urquiza: Opus Vermiculatum (2017) Oxana Omelchuk: Wow and Flutter (2016)
Es sollte alles im Gleichlauf sein, aber der Schein trügt: Gleichlaufschwankungen öffnen Spalten, führen zu Rissen, bringen die ganze Bewegung ins Stocken, um die aufgestaute Energie wieder in einem Schwung zu entladen. Es gibt erstaunliche Zusammenhänge zwischen diesen fünf Werken und ein Hören jenseits etablierter Muster.
Konzert VII – Beethoven
19. April 2027, Montag | 19.00 Uhr Wiener Konzerthaus (Mozart-Saal)
Klangforum Wien
Dirigent: Vimbayi Kaziboni
Hans Zender: 33 Veränderungen über 33 Veränderungen (2010/11/2019)* Georg Friedrich Haas: weiter und weiter und weiter… (2022)
Um Neues zu erfahren, sollten wir uns beizeiten über einen Abgrund beugen. Mit Hans Zenders „furchtlosem Schweben“ finden wir zum vermeintlich Bekannten neue Zugänge. Im Beethoven-Jahr braucht es Frische auf Augenhöhe des Meisters. Zender dekonstruiert und schafft Neues, G. F. Haas hingegen nimmt uns mit in ein zentrifugales Accelerando, das uns hinausschleudert, weiter und weiter.
*Mit Unterstützung der Hans und Gertrud Zender-Stiftung