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MIBLU (c) Christopher Koller

„ICH WÜRDE GERNE MAL EINEN BOND-SONG SINGEN” – MIBLU IM MICA-INTERVIEW

Hypnotisierende Beats in feingeistigen Trip-Hop-Arrangements, gepaart mit einer eindringlichen Stimme und schonungslos ehrlichen Lyrics – das ist das Erfolgsrezept der Wiener Electronic-Künstlerin MIBLU. Clemens Engert sprach mit der Musikerin, Songwriterin und Produzentin über die Arbeit an ihrem Debüt-Album, die Feinheiten des kreativen Prozesses und die Parallelen zwischen Juwelierkunst und Musik. 

Deine neue Single „Footprints“ ist eine gelungene Fusion aus einem treibenden Beat, einer sehr eingängigen Melodie und einem etwas kryptischen Text. Worum geht es in dem Song?

MIBLU: Es geht um unser aller Lebenswege und die Fußspuren, die wir hinterlassen. Jede Person hinterlässt einen Fußabdruck. Oft ist einem gar nicht so bewusst, welche Auswirkungen unsere Handlungen haben, und wieviel man als Individuum bewirken kann.

,,Ich würde sagen, dass musikalisch für jeden etwas dabei ist.”

Dein Debüt-Album wird im Frühjahr 2022 erscheinen. Was erwartet den Zuhörer? Wird das Album so vielseitig wie deine bisherigen Veröffentlichungen?

MIBLU: Ich freue mich tatsächlich schon sehr auf die Veröffentlichung. Das Album wird auf jeden Fall 12 Songs beinhalten, aber vielleicht werden es auch 13 oder 14 neue Titel. Momentan überlege ich mir die Anordnung der Songs und dabei hat sich mir ein ganz neues und facettenreiches Spektrum eröffnet. Ich würde sagen, dass musikalisch für jeden etwas dabei ist.

Wo siehst du die Hauptunterschiede zu deiner 2019 erschienenen EP „Too Close“? Inwiefern hast du dich selbst als Künstlerin und als Mensch verändert und weiterentwickelt?

MIBLU: Ein Unterschied ist sicher, dass auf meinem Album auch treibendere Beats und Songs dabei sein werden – allerdings knüpft es in manchen musikalischen Punkten auch an die EP an. Ich habe die Zeit seit ,,Too Close’’ dafür genutzt, mich selbst noch mehr musikalisch zu entdecken und meine Vielseitigkeit auszuleben. Ich hoffe, dass sowohl die persönliche als auch die musikalische Entwicklung auf dem Album zu spüren sein werden.

Was beschäftigt dich derzeit? Welche Einflüsse schlagen sich speziell in den neuen Songs nieder?

MIBLU: Was mich beschäftigt sind sowohl emotionale als auch gesellschaftliche Themen und Beobachtungen. Alle diese Gedanken teile ich dann in meinen Songs. Ich schätze es sehr, dass ich meine Leidenschaft zum Beruf machen durfte und dass ich Menschen mit meiner Musik berühren und erreichen darf.

Wie entsteht ein typischer MIBLU-Song? Ist zuerst ein Beat da, eine Melodie oder eine Textidee?

MIBLU: Es gibt viele unterschiedliche Herangehensweisen, wie meine Songs entstehen. Oftmals gibt es bereits fertige Beats von einem meiner zwei Beatproduzenten. Zu diesen Beats singe ich dann und schreibe einen Text. Manchmal singe ich aber auch einfach vor mich hin und so ergibt sich der Text und die Melodie dann eigentlich wie von allein. Oft kommen mir die Ideen auch in sehr unerwarteten Momenten – zum Beispiel, wenn ich komplett zur Ruhe komme. „Still Me“, einen meiner ersten Songs, habe ich mitten in der Nacht geschrieben, eigentlich schon im Halbschlaf. Ich würde sagen, der kreative Prozess hängt bei mir von vielen Inputs ab, jedoch lässt sich dieser nie beschleunigen. Ich bin viel kreativer, wenn ich mir Zeit gebe und geduldig bin – dann passiert vieles wie von alleine.

Deine Videos sind allesamt äußerst professionell produziert. Wie wichtig ist dir der visuelle Aspekt deiner Kunst?

MIBLU: Meine Videos sind in der Tat sehr wichtig für mich. Das visuelle Produkt rundet die Musik und die Gesamtkreation ab und ich liebe es, in den Videos zu tanzen. Dadurch kann man die Aussagekraft von Songs immens verstärken, finde ich. Ich habe auch in Zukunft vor, die Tanzperformances noch mehr auszubauen – auch für meine Live-Shows.

Ein sehr charakteristisches Merkmal deiner Musik ist deine eindringliche Stimme. Welche Sängerinnen haben dich am stärksten beeinflusst?

MIBLU: Ich denke, ich habe immer schon quer durch den Gemüsegarten Musik gehört. Ich liebe die Abwechslung. Ich würde jedoch sagen, dass mich Künstlerinnen wie Ella Fitzgerald, Billie Holiday, Erykah Badu bis hin zu Madonna und Beyoncé beindrucken und somit auch beeinflusst haben.

Wenn du dir einen beliebigen Film der Filmgeschichte aussuchen dürftest, zu dem du den Soundtrack beisteuern kannst: Welcher Film wäre das und warum?

MIBLU: Vor kurzem habe ich genau diesen Punkt mit einem engen Freund besprochen. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass es weltweit nur eine Filmreihe gibt, die einen Soundtrack auf alle Bühnen und in alle Länder dieser Welt trägt und deshalb würde ich am liebsten zukünftig einen Bond-Song singen. Na, schau ma mal. [lacht]

„Ich fühle mich schon sehr wohl in der elektronischen Musik […]

Du hast vor deiner Solokarriere in einer Wiener Funk-/ Soul-/Jazz-Band gesungen. Planst du, irgendwann auch wieder mehr in diese Richtung zu gehen oder siehst du deine musikalische Heimat auch in Zukunft eher im elektronischen Bereich?

MIBLU: Alles in meiner Kunst ist jederzeit in Bewegung und es ist ein stetiger Prozess. Diese Dynamik erlaubt es mir, nicht stehen zu bleiben und mir keine Grenzen im künstlerischen Schaffen zu setzen. Ich fühle mich schon sehr wohl in der elektronischen Musik, aber ich blicke immer gerne über den Tellerrand hinaus und lasse mich kreativ fallen. Im freien Fall meiner künstlerischen Tätigkeit ergeben sich oft neue Ideen, die mich antreiben und begeistern. Wie Justin Bieber schon sagte: „Never say never“. [lacht]

Du bist auch durch dein eigenes Juwelier-Label Meshugge bekannt geworden. Welche Parallelen siehst du zwischen dem Musik machen und der Juwelierkunst?

MIBLU: Das Designen von Schmuckstücken unter meinem Schmuck-Label Meshugge ist eine kreative Ader, die ich gerne anzapfe, um mich zusätzlich schöpferisch zu verwirklichen. Sehr häufig sprudeln Ideen nur so aus mir heraus. Manchmal passiert dies in Form von Gesang aus meinem Mund und manchmal in einer anderen physischen Form – damit meine ich das Tanzen oder das Entwerfen eines neuen Schmuckstückes. Das Tolle ist, dass sich Meshugge und MIBLU nicht im Weg stehen, sondern sich die Kreativität und Produktivität der beiden Bereiche ergänzt und potenziert.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Clemens Engert

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