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„Ich möchte, dass die Veri, die man auf der Straße kennenlernt dieselbe Veri wie im YouTube-Video ist“ – VERIFIZIERT im mica-Interview

2019 erschien die erste Single von VERIFIZIERT mit dem Titel „Golf 4“. Ein Jahr später kam die Wiener Musikerin ins Gespräch mit ihren Managern und releast seitdem regelmäßig großartige Songs, die das Internet zu Recht begeistern. Gemeinsam mit Produzenten wie FLORIDA JUICY, FOOD FOR THOUGHT und SEPFL entstehen Werke, die den Alltag feiern und so zu etwas Besonderem machen. Itta Francesca Ivellio-Vellin hat mit VERIFIZIERT über Coolness, Mainstream und Leistungsdruck gesprochen.

mica – music austria ist das erste Mainstream-Medium, das dich interviewt, soweit ich das gesehen habe. Was sagst du dazu?

Verifiziert: Ja, mica hat mir Anfang des Jahres schon mit meinem Vertrag geholfen, deshalb hat mich die Interview-Anfrage gefreut.

Was hast du für eine Beziehung zu Mainstream-Kultur? Möchtest du da überhaupt dazugehören?

Verifiziert: Nein, eigentlich nicht, und ich glaube auch nicht, dass das passieren wird. Ich denke, ich mach meine Musik, und das, was ich da mache, da richte ich mich nach nichts. Es ist nicht so, dass ich mir eine Richtung aussuche oder eine Person als Vorbild nehme, oder einen Radiosender, von dem ich unbedingt gespielt werden möchte. Ich mache einfach das, was ich leiwand finde. Ich hätte auch nie gedacht, dass FM4 meine Musik spielen würde, das ist alles ein wenig unerwartet. Wenn ich mal einen Song mache, der Mainstream ist, dann ist das auch nichts Schlechtes. Aber ich finde es auch immer cool, wenn es Leute gibt, denen es nicht gefällt.

Es gibt allerdings auch immer Leute, die Mainstream-Musik furchtbar finden.

Verifiziert [lacht]: Ja, das stimmt auch! Ich will mich in erster Linie nirgends reinstecken lassen.

Du hast auf jeden Fall nicht vor, Musik zu produzieren, die einer breiteren Öffentlichkeit taugt.

Verifiziert: Ich mach’s ja auch nicht für Streams oder Geld, sondern hauptsächlich weil’s mir taugt. Irgendwann bin ich halt draufgekommen, dass es auch anderen gefällt, was ich da mach. Das ist etwas, was mich sehr bereichert, dass ich Leuten mit meiner Musik, die mir gefällt, Freude bereiten kann.

„Bis vor einem Jahr hätte ich nicht gedacht, dass ich damit etwas verdienen könnte, oder Musik zu meinem Beruf machen könnte.”

Du meintest eben, dass dich dein Erfolg eher überrascht hat.

Verifiziert: Ja, auf jeden Fall. Viele schreiben über mich als „ein Geheimtipp“ und ich nehme an, dass deshalb so viele Anfragen kommen. Aber es freut mich natürlich sehr, auch wenn ich mir das alles niemals gedacht hätte. Bis vor einem Jahr hätte ich nicht gedacht, dass ich damit etwas verdienen könnte, oder Musik zu meinem Beruf machen könnte. Das war immer ein Hobby nebenbei.

Apropos „Geheimtipp“: Ich lese ja irre gern YouTube-Kommentare und fall dann auch schon mal in ein Rabbit Hole. Auf jeden Fall sind die Kommentare unter deinem Video zu „Schlaflos“ sensationell. Das geht von „Sie sehen: Kunst ohne Preisschild. Good stuff. Danke.“ über „Wird noch ganz groß!“ bis zu „Ladies and Gentlemen, wir erleben hier die Geburt von einem großen Star.“ Das Feedback ist der Wahnsinn.

Verifiziert: Ja, voll. Als ich am Tag nach dem Videorelease meine Kommentare gecheckt habe, war ich echt sprachlos. Ich hatte echt Tränen in den Augen. Es ist einfach so schön, dass das so vielen Leuten gefällt. Auch die Streamingzahlen – hätte ich mir nie gedacht. Ich bekomme auch jeden Tag so liebe Nachrichten von Leuten aus ganz Österreich und Deutschland – echt voll schön.

Also bist du schon super busy mit Fan-Mail?

Verifiziert: Ja, schon ein bisschen! Es wird immer mehr. Aber derweil mag ich’s noch sehr gern, ich beantworte jede Nachricht. Komplimente und Feedback zu bekommen ist immer schön.

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Wie wurde dein Hobby, das Musik machen, zu deinem Beruf? Was war der Schritt, der alles professionell machte?

Verifiziert: Zirka vor einem Jahr haben mich meine jetzigen Manager angeschrieben – da hatte ich vielleicht 3 000 Streams oder so. Da war ich sehr verwundert, wieso mich da jetzt jemand managen will und wollte es eigentlich auch nicht zum Beruf machen. Dann haben wir lange freundschaftlich miteinander gearbeitet, und ich konnte durch die beiden und deren Verbindung zu anderen Künstlerinnen und Künstlern ein bisschen in dieses Leben hineinschnuppern. Da konnte ich viel aufschnappen, wie das abläuft, wenn man bekanntere Musikerin oder Musiker ist und habe das immer geiler gefunden, dieses Leben. Dann dachte ich mir, okay, let’s make it professional! Dann war ich auch mehr in Tonstudios und habe mir auch mehr Gedanken über das Texteschreiben gemacht.

Der erste Song war ja „Golf 4“. Wie stehst du jetzt zu dieser Anfangsphase von dir?

Verifiziert: Ich find’s echt lustig! Damals hat es so viel Spaß gemacht, und es gibt immer noch Leute die es cool finden – eben, weil es so trashy ist. [lacht] Einerseits find ich’s deshalb auch geil, andererseits find ich’s auch toll, weil man da die Entwicklung beobachten kann. Von ganz Anfang bis jetzt ist schon ein großer Sprung, finde ich. Ich bereue auf jeden Fall nichts. Das ist etwas, was wir kreiert haben und das darf ruhig draußen sein.

Es gibt ein paar Elemente, die sich allerdings immer noch durchziehen, zum Beispiel dein Talent zum Storytelling ist im ersten Song genauso zu spüren wie jetzt. Du erzählst super banale Alltagsgeschichten, die sehr zugänglich sind und machst daraus etwas Besonderes. Wie schreibst du deine Texte?

Verifiziert: Das ist von Text zu Text unterschiedlich. Viel kommt schon daher, dass mir etwas passiert, oder dass ich etwas sehe und dann fällt mir eine coole Zeile dazu ein, und dann entwickle ich eine Geschichte in meinem Kopf dazu. Oder Break-up-Stories von Freundinnen und Freunden, die ich dann umschreibe, oder eigenen Schmarrn, den ich erlebt habe. Aber es ist echt immer zusammengebastelt, Erfindungen und Sachen, die ich erlebt habe.

Kommt zuerst die Melodie oder der Text?

Verifiziert: Kann ich so nicht sagen. Ich habe ja meine drei Hauptproduzenten, Sepfl, food for thought und Florida Juicy. Und bei Sepfl ist es so, dass er mir einen Beat schickt und ich schau dann, ob ich einen Text habe, der drauf passt. Bei food for thought machen wir gemeinsam bei ihm den Beat und währenddessen schreibe ich den Text und bei Florida Juicy ist es so, dass wir auch gemeinsam schreiben. Melodie fällt mir aber immer sofort beim Beat ein.

Das Producing wird bei dir aber immer outgesourct, oder?

Verifiziert: Ja, ich hab’s auch selber mal probiert. Ich glaube, ich könnte das auch ganz gut, aber ich habe einfach keine Geduld. Den Workflow mit food for thought liebe ich aber, da komm ich zu ihm, spiele ein paar Akkorde und dann machen wir alles gemeinsam. Das ist super.

„Ich würde nicht sagen, dass es die Texte sind, die mich „heilen“, sondern eher das Musikmachen generell.”

Ist es eine Methode für dich, Sachen zu verarbeiten?

Verifiziert: Ein bissl. Ich würde nicht sagen, dass es die Texte sind, die mich „heilen“, sondern eher das Musikmachen generell. Das Schreiben und das Singen, aber nicht auf die Texte bezogen, sondern der ganze Prozess wirkt auf mich therapeutisch. Generell, Sachen kreieren.

Ist es dir wichtig, dass du am Ende des Tages etwas geleistet hast?

Verifiziert: Mittlerweile schon, weil es eben mein Beruf ist. Aber es gibt auch Phasen, da fällt mir überhaupt kein Text ein. Und wenn es soweit ist, nehme ich mir auch eine Auszeit. Kreatives Schaffen ist für mich etwas, was ich nicht erzwingen kann. Das geht nicht auf Knopfdruck. Das passiert am ehesten, wenn ich in der Bim sitze. Im ersten Lockdown war es aber schon etwas hart. Alle Künstlerinnen und Künstler, die ich auf Instagram abonniere, haben so viel Content geliefert, das war so ein Druck! Aber genau in dieser Zeit ist mir gar nichts eingefallen, vermutlich eben wegen dieses Drucks.

Klar, über Social Media hat sich während der Lockdowns ein unfassbarer Leistungs- und Schaffensdruck ausgebreitet. Auf der einen Seite ging es da um kreativen Output, der von vielen Künstlerinnen und Künstlern vorgelebt wurde, aber auch um DIY-Projekte, Brot backen, Wohnung ausmalen, etc. Alles im Sinne von „man hat ja jetzt so viel Zeit, man muss die unbedingt nutzen“. Die psychische Gesundheit leidet da natürlich darunter.

Verifiziert: Ja, voll. Man hat mit Social Media eben diesen konstanten Leistungsdruck, nicht nur mit Arbeit, sondern auch im Sinne von Selbstverwirklichung. Überall musst du mehr machen. Du musst Sport machen, gesund essen, gleichzeitig auch den ganzen Tag arbeiten und du musst dir aber auch Freizeit nehmen…

Und dabei musst du vor allem auch die ganze Zeit Spaß dabei haben! Alles muss toll sein.

Verifiziert: Genau, und das ist nicht gesund. Und es geht auch überhaupt nicht.

Du bist ja aus Wien, wieso hast du dich für eine Management aus Deutschland entschieden?

Verifiziert: Das war ziemlich zufällig. Denen wurde ich auch von irgendjemandem, den ich nicht kenne, empfohlen. Uns es hat ihnen gefallen, auch der Wiener Charme. Jetzt bin ich schon ein paar Mal gependelt und sie waren in Wien und das passt einfach super. Und ich fühle mich mittlerweile auch sehr wohl in Berlin. In Berlin geht auch alles irgendwie schneller. Österreich ist immer ein paar Schritte weiter hinten. In Berlin gibt’s auch Leute, die produzieren Beats wie am Laufband – das ist zwar nicht so meins, aber da kommt eben fast ein Song täglich raus. Man findet auch leichter Connections. In Wien ist diese Szene nicht ganz so groß. Coole Musikformate gibt bei uns auch so wenig, praktisch nur das AUX-Magazin. In Deutschland gibt’s da extrem viel. Deshalb zieht es auch viele Künstlerinnen und Künstler auch nach Berlin, denke ich.

Wien ist trotzdem ein wichtiger Bezugspunkt für dich.

Verifiziert: Ja, klar. Ich habe schon immer gesagt, dass ich für immer in Wien leben will. Mich zieht’s nirgends hin. Ich will in Wien alt werden. Für ein, zwei Jahre vielleicht mal weg, aber ich fühl mich hier am wohlsten. Ich habe hier meine Familie, meinen Freundeskreis, alles was ich brauche. Es gab auch noch keine Stadt, die ich schöner finde als Wien. Berlin ist vielleicht cooler und hipper, aber nicht schöner.

Apropos cool und Coolness: In deinem Pressetext spielt Coolness eine große Rolle. Wie wichtig ist es für dich, cool zu sein? Gibst du dir extra Mühe

Verifiziert: Ja, ich habe das studiert! [lacht] Nein, ich möchte wirklich ich selber sein und das finden halt viele cool. Ich möchte nicht auf Zwang beliebt sein und mich in der Musik anders stylen als ich im Real Life machen würde. Ich möchte, dass die Veri, die man auf der Straße kennenlernt dieselbe Veri wie im YouTube-Video ist. Das ist mir wichtig. Und ich denke, dass es das ist, was viele cool finden.

Gerade im Video zu „Schlaflos“ repräsentierst du aber verschiedene Personas. Sind das die unterschiedlichen Seiten deiner Persönlichkeit?

Verifiziert: Ja, könnte man sagen. Oder eben, dass es meine verschiedenen Heimwege sind.

Ah, verschiedene Heimwege! Ich habe an verschiedene Bezirke gedacht.

Verifiziert: Auch cool! Da habe ich mir eben gedacht, dass da jede und jeder selber hineininterpretieren kann, was man will.

Die unterschiedlichen Styles im Video – das bist aber trotzdem alles du.

Verifiziert: Ja genau. Ich hatte auch keine Stylistin, die Outfits sind alle von mir und die trage ich auch tatsächlich. Haare und Make-Up sind auch von mir, so schaue ich eben ganz normal auch aus. Bei Heimwegen um 4 Uhr in der Früh passieren in Wien aber einfach immer merkwürdige Sachen. Und die Begegnungen, die im Video im Hintergrund passieren, reflektieren das eben.

In welchem Bezirk bist du aufgewachsen?

Verifiziert: Im 18., und jetzt wohne ich im 19. Bezirk. Aber weiter unten, Richtung 20. Bezirk. Ich war immer nah am Grünen, das war und ist mir sehr wichtig. Ich fahr auch oft auf den Berg oder nach Klosterneuburg raus. Wichtig ist da auch mein Auto-

-ein Golf?

Verifiziert: Jap, einen Golf 4! [lacht]

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Itta Francesca Ivellio-Vellin

 

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