Die Serie “Human x AI” beleuchtet Künstliche Intelligenz und wie Musikschaffende damit umgehen aus unterschiedlichen Perspektiven. In kurzen schriftlichen Interviews geben acht Musikschaffende Einblicke in ihre Erfahrungen, und zeigen, wie sie den Einfluss von KI auf ihre Arbeit und die Zukunft der Musikbranche beurteilen. Im ersten Teil spricht Sophie Lindinger über Risiken, Kreativität und Ästhetik.
KI in der Musik: Nutzt du KI bereits in deinem kreativen oder technischen Workflow? Wenn ja, wofür konkret?
Ich benutze KI so gut wie nie. Ein einziges Mal habe ich es verwendet um eine rauschende Vocal-Aufnahme zu säubern und somit zu schauen ob sie dadurch zu retten ist. Es es hat erstaunlich gut funktioniert und wenn man es nicht gewusst hat wäre es wahrscheinlich auch nicht aufgefallen. Letztendlich habe ich mich aber dazu entschieden alles neu aufzunehmen, weil die Bearbeitungsmöglichkeit dadurch trotzdem begrenzt war. Mit Compression und dergleichen hat es dann doch einfach ein bisschen unnatürlich geklungen.
Chancen & Risiken: Siehst du KI eher als Bedrohung für musikalische Berufe oder als Chance – und warum?
Mit all diesen KI Artists die Millionen an Streams vor allem auf Spotify generieren und es somit echten Musiker:innen noch schwerer machen mit den eh schon geringen Auszahlungsbeträgen etwas zu verdienen, sehe ich momentan nicht großartig viele positive Seiten. Natürlich kann es als unterstützender Faktor hin und wieder praktisch sein (wie zB in oben genannter Situation), aber in einer Profit-orientierten Gesellschaft wo das Ziel von großen Firmen wie Spotify und co. ist das maximum an Einnahmen für eigene Zwecke zu generieren, hält sich die die Existenz-Bedrohung und die Praktizität leider absolut nicht die Waage.

Kreativität & Autorschaft: Verändert KI deiner Meinung nach den Begriff von Kreativität oder musikalischer Urheberschaft? Wo ziehst du persönlich die Grenze?
Da KI nach meinem Wissen mit bereits bestehender Kunst gefüttert und trainiert wird und bei Verwendung Kombinationen und Collagen von Werken anderer Künstler:innen generiert, wird der Begriff “Urheberrecht” quasi obsolet. Hier wird die Grenze bereits zum Beginn überschritten, denn es wird auf Kosten tatsächlicher Künstler:innen Einkommen für Dritte generiert und die tatsächlichen Urheber:innen gehen leer. Eine Diskussion darüber zu führen wie man auf größerer, vl. sogar staatlicher Ebene damit umgehen soll wäre wesentlich angebrachter. So etwas wie die “Speichermedienvergütung” wäre hier zum Beispielt sinnvoll.
Ich denke hier utopisch und natürlich ist die Umsetzung eine fast unmögliche Angelegenheit – aber wenn man zum Beispiel für jedes KI generierte Werk eine Kleinigkeit zahlen müsste könnte man diese Einnahmen in einem Topf sammeln und als Förderungen für Kunstschaffende verwenden.
KI als Inspiration zu verwenden als Erweiterung der eigenen Vorstellungs- und Schaffenskraft kann natürlich auch die eigene Kreativität anregen und kann ich zu einem gewissen Grad auch nachvollziehen. Aber Es ist immer die Dosis. Wo Inspiration aufhört und Urheberrechtsverletzung beginnt ist genau der Punkt wo dieses ganze Thema undurchsitig und ungreifbar wird.
“(…)es wird auf Kosten tatsächlicher Künstler:innen Einkommen für Dritte generiert und die tatsächlichen Urheber:innen gehen leer aus.”
Ästhetik & Sound: Glaubst du, dass KI den Sound von Musik prägen könnte – oder führt sie eher zu Vereinheitlichung und Austauschbarkeit?
Ich würde vielleicht nicht so weit gehen und sagen dass sie einen Sound prägen könnte, aber würde durchaus behaupten, dass er “kreativer” sein könnte wenn man die KI auch dementsprechend so benutzt. Es kommt halt immer drauf an was man sucht und wie man sie füttert.
Wenn ich mir allerdings ansehe wo die Chart Musik die letzten 10 Jahre hingegangen ist und auch ohne KI alles immer ähnlicher und glatter klingt und es mit Hilfe einer KI möglicherweise einfacher ist diesem Sound sehr nahe zu kommen, kann ich mir vorstellen, dass es eher in eine austauschbarere Richtung gehen könnte. Aber als jemand der KI überhaupt nicht für diese Zwecke benutzt, kann ich mich dazu auch nicht fundamentiert äußern.
Wie sollten Labels, Verwertungsgesellschaften oder die Politik im Umgang mit KI agieren (Stichwort Transparenz, Rechteverwertung etc.)?
Transparenz ist ein absolutes MUSS meiner Meinung nach. Eine klare Kennzeichnung auf sozialen Medien und Streaming Plattformen. So etwas wie eine “Speichermedienvergütung” wie in Antwort Nr. 3 wäre eigentlich ebenso angebracht, aber wahrscheinlich schwer umzusetzen.
Es ist so unglaublich wichtig Kunst und Kultur zu schützen, nicht nur auf digitaler Ebene. Sie wird auf politischer Ebene immer hinten angereiht und ist die erste die bei der Verteilung von Förderungen und bei der Budgetierung durch die Hände schaut. Wenn man zumindest der Bedrohung durch KI etwas entgegenwirken könnte oder zumindest überhaupt Mal die Diskussion über Streaming Einnahmen und Abgaben eröffnen könnte, wäre schon ein wichtiger Schritt getan.
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