
So ist es nicht verwunderlich, dass Österreich in Sachen Rap, Beatboxing, Writing und Djing nicht gerade den Inbegriff einer authentischen Hip Hop-Landschaft darstellt. Es sollte aber gesagt werden, dass wir hier dennoch ein ebensolches subkulturelles Auftreten besitzen, welches zugegebener Weise von der Öffentlichkeit bislang weitgehend ignoriert wurde, jedoch mehr und mehr in den Vordergrund rückt. So ist dieser Tage in den heimischen Kinos der Dokumentarfilm Schwarzkopf von Arman T. Riahi angelaufen, der das Leben migrantischer Jugendlicher in Wien schildert. Im Mittelpunkt des Geschehens steht die Rap-Kultur, allen voran Interpret Nazar, der in seinen Kreisen als Rap-Gott verehrt wird und nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft an seinem neuen Album bastelt. Da gibt es den sogenannten Wiener Moneyboy, dessen Youtube-Video mehr als 10 Millionen mal geklickt wurde und der nun seinem Namen dank Werbeverträge und Auftrittsgagen alle Ehre macht. Eine gewissen Form der Hip Hop Kultur hat in Österreich tatsächlich Existenz und eines steht fest: Auch wenn dieser weltweiten Subkultur schon lange der Weg über den Jordan vorhergesagt wurde, ist Hip Hop nicht totzukriegen.

Da gibt es einerseits die Einheimischenszene, dessen Vorreiterrolle kein geringerer als Falco eingenommen hat: Sein eigens entwickelter Sprechgesang, macht ihn zum Pionier des „Austro-Raps“. Mundartkünstler wie Texta, Schönheitsfehler oder Fünfhaus-Posse haben sich dieses speziellen Genres in den 90er Jahren angenommen und die neue Hörerschaft musste sich nicht mehr in den dicken Englischwörterbüchern wälzen, um in Ansätzen zu verstehen was Tupac und Public Enemy für eine wichtige „Message“ zu verbreiten hatten. Sprechgesang im Dialekt wird außerdem zum Aushängeschild von „A Geh Wirklich“, „Die Vamummtn“, „Hörspielcrew“ oder den „Markanten Handlungen“ und Skero hat mit „Kabinenpary“ eine österreichische Sommerhymne kreiert, die man auch in einem halben Jahrhundert noch lauthals mitsingen können wird. Als Hip Hop-Hauptquartier etablierte sich von Anfang an die Industriestadt Linz, Wien muss sich jeher trotz größter urbaner Charakteristik mit Platz 2 zufrieden geben. Ab vom transdanubischen Ballungsraum hat sich auch Salzburg in Sachen Hip Hop einen Namen gemacht, wo das Kollektiv Slangsta typische Gangsta-Attitüden mit österreichischem Wortschatz jongliert, oder die SBG Hot boys doch tatsächlich in ihren Raps ihre Heimatstadt so präsentieren, als würde sich die Getreidegasse inmitten der düstersten Bronx befinden.
Hip Hop spielt vor allem bei der Zuwanderergeneration eine bedeutende Rolle. Jugendliche mit osteuropäischen Wurzeln, haben mit einer gewissen Akkulturationsproblematik zu kämpfen: Sie stehen in Konfrontation mit der österreichischen Kultur, sehen sich aber auch in den Traditionen ihrer Vorfahren gefangen. Ein wichtigen Beitrag zur Identitätsfindung liefert die anglo-amerikanisch geprägte Medien-und Massenkultur. Dieses Beispiel an Immigrationskultur fand auf kommerziellen Wege im deutschsprachigen Raum mit „Aggro-Berlin“ seinen Höhepunkt. In Österreich sorgte 2007 die Ottakringer Formation Sua Kaan mit dem Video „Balkanaken“ für Aufregung. Einige Politiker fürchteten einen blutigen Straßenkampf, ausgelöst von Immigrantenkids, stattdessen zeigen Sua Kaan soziales Engagement indem sie sich für Flüchtlinge in Österreich einsetzen und unter anderem den Verein Ute Bock unterstützen.

Am 3. Juni 2011 wir der Wiener Prater zum Hip Hop Battlefield. Im Salon der Pratergalerien geht der Beats & Rhymes- Event über die Bühne, bei dem 5 Crews gegeneinander antreten. Untermalt wird das Wortgefecht außerdem von FM4 Tribe Vibes-Plattendreher DJ Phekt. (bw)
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