Bild (c) fragments of an empire

FRAGMENTS OF AN EMPIRE – „exil“

Das Post-Rock-Kollektiv FRAGMENTS OF AN EMPIRE kennt man in Österreich schon länger: Seit über zehn Jahren mischt das Sextett die Szene auf, das neue Album „exil“ (Pumpkin Records) erschien am 1. Juli 2017.

Obwohl das generelle Genre von fragments of an empire Post-Rock ist, kann man die sechs nicht definitiv daran festmachen: Die ständige Beschäftigung mit Neuer Musik, Jazz, Drone und Folklore prägt den musikalischen Output des Kollektivs in jedem Album. So entwickelte es in den letzten Jahren seinen ganz eigenen Sound, der den Post-Rock weiterentwickelte und prägte. Armin Poglitsch (Schlagzeug, Klavier, Harmonium), Daniel Gutmann (Gitarre), Lisa Kaufmann (Violine, Percussion), Klaus Wohlgemuth (Gitarre), Renate Walter (Querflöte, Percussion) und Werner Wohlgemuth (E-Bass, Kontrabass, Percussion) sind instrumental breit aufgestellt – die Frage nach dem Gesang stellt sich wegen der zahlreichen Instrumente gar nicht.

Kontrastreich gegen den Kommerz

Cover “Exil”

Obwohl das Album „nur“ vier Titel hat, kommt das Publikum doch auf seine Kosten: Anstatt der normalen 5-Minuten-Länge sind die Tracks auf dem Album zwischen fünf und 15 Minuten lang. Der erste Titel – „aphelious“ – hat starke improvisatorische Elemente, wirkt wie eine gute Mischung aus Jazz und Post-Rock. Der Kontrabass ist eines der wichtigsten Elemente im Lied, er ist subtil und doch richtungsweisend. Die zeitweise auftretenden Klanggewitter bringen eine spannende Abwechslung in die Grundstruktur, auch wenn der Track sieben Minuten dauert. Es kommen immer neue, unerwartete Elemente hinzu, die die Richtung und Stimmung ändern. Danach hört man „solaris“, einen der längeren Songs auf dem Album: Auch hier setzt sich das Kollektiv kunstvoll mit verschiedenen Stilrichtungen auseinander. Der Anfang ist noch sehr ruhig, er endet in einem E-Gitarren-Gewitter, das sich wie eine Wolke über die Zuhörenden legt. Der Track ist am ehesten mit dem Genre Post-Rock zu betiteln, die E-Gitarren und Drums verschwimmen zu einem einzigen windgepeitschten Meer aus Klängen.

„ma“, der dritte Titel, ist der kürzeste des Albums und der einzige, bei dem man Vocals hört. Stilistisch mischen sich hier eindeutige experimentelle Elemente in Form von Disharmonien ein, immer wieder unterbrochen von spannenden Gitarrenmelodien. Fast gefährlich hebt und senkt sich das Tempo in dem Track, als würde er atmen, leben. „exil“ schließt mit „locked doors/drawn curtains“, einem fast 16-minütigen Track, der die dunkle, kontrastreiche Linie des Werks fortführt. Das gesamte Album wirkt wie die Filmmusik zu einem finsteren Drama – etwa einer experimentelleren Version von „Das finstere Tal“. Die schwerfälligen Beats, die atmosphärische Violine, das Harmonium – alles fügt sich in den Tracks zusammen und verzweigt sich, als wären die Melodien lebendig.

Ein wirklich bemerkenswertes Werk von fragments of an empire – wer sich von ihrem Können live überzeugen möchte, sollte auf jeden Fall bei der Albumpräsentation am 28. Juli im Grazer Augarten dabei sein.

Antonia Seierl

Links:
fragments of an empire (bandcamp)
Pumpkin Records