Festival-Highlights der zweiten Woche von Wien Modern 38

Am Montag startet die zweite Festivalwoche mit Auftragskompositionen zu Francis Alÿs’ Videoserie Children’s Games mit dem norwegischen Ensemble Cikada live im MAK, u.a. mit einem neuen Werk von Angélica Castelló. Chaya Czernowin ist als Komponistin im Fokus im Wiener Musikverein mit einer großen Personale zu erleben. Pierluigi Billone erhält im Wiener Konzerthaus den Erste Bank Kompositionspreis 2025 im Festkonzert mit dem Klangforum Wien. Dazu kommen die österreichische Erstaufführung von Pierre Jodlowskis Insulæ mit Video, Licht und Elektronik im MuTh, die raumgreifende Performance WAS__ des Kollektivs MMM im Ve.Sch Kunstverein sowie ein Double Bill mit Hübsch Martel Zoubek + Bertoncini und Endless Breakfast – ein improvisatorisches Treffen zwischen zwei Generationen mit viel Energie, Witz und Spielfreude im echoraum. Insgesamt gibt es bis Ende November 44 Uraufführungen und 30 österreichische Erstaufführungen an 29 Spielstätten in 11 Bezirken zu hören und zu entdecken.

Wien Modern – Woche 2 im Detail 
Am Montag, 3. November beginnt der Tag um 10:00 Uhr im Dschungel Wien mit Klingende Dinge: Das Ensemble NAMES verwandelt Teekannen, Ballons und Ping-Pong-Bälle in klingende Abenteuer, ein poetisches Musiklabor für Kinder ab drei Jahren und Erwachsene. Am Nachmittag um 17:30 Uhr ist im MAK das norwegische Ensemble Cikada mit einem Konzert zu Francis Alÿs’ Children’s Games zu erleben. Neue Werke von Angélica CastellóAleksandra GrykaPierre Slinckx und Kim Myhr erkunden das Staunen, die Freiheit und die Widerstandskraft des kindlichen Spiels in ganz unterschiedlichen Klangsprachen. Danach lädt die Bar Modern im MAK zum Nachklang bei Gesprächen und Getränken ein. Am Abend um 19:30 Uhr rückt im Musikverein das Ensemble Kontrapunkte Chaya Czernowin in den Mittelpunkt. Zwei ihrer frühesten Werke – Afatsim und Sheva – zeigen den haptischen, bildreichen Zugang der Komponistin: Fragile Linien treffen auf massive Klangformationen, Zeit und Struktur geraten in Bewegung. Ergänzt wird das Programm durch ein neues Werk von David Kosviner, inspiriert von Georg Eislers Gemälde Taos, sowie eine virtuose Hommage an den Avantgarde-Pionier Pierre Boulez zu dessen 100. Geburtstag.

Am Dienstag, 4. November stehen mehrere Festivalstationen offen: Im Dschungel ist erneut Klingende Dinge zu erleben, im MAK ist die Videoserie Children’s Games zu sehen und im Wiener Konzerthaus lädt die Klanginstallation Einander zärtlich zugewandt zum Hinhören und Verweilen ein. Am Abend geht es im Musikverein weiter: Das Arditti Quartet führt seine vierteilige Konzertserie im Brahms-Saal ins Finale – mit Arnold Schönberg, Luigi Nonos Fragmente – Stille. An Diotima und der Uraufführung von Hilda Paredes’ Diálogos apócrifos für Sopran und Streichquartett, interpretiert von Christina Daletska. 

Am Mittwoch, 5. November zeigt PHACE im MuTh die österreichische Erstaufführung des Komponisten Performers und Multimediakünstler Pierre Jodlowskis Insulæ. Inspiriert von Adolfo Bioy Casares’ Novelle Morels Erfindung führt das Stück auf eine Insel außerhalb der Zeit, wo sich Realität und Projektion zunehmend überlagern. Drei Figuren versuchen, in einer instabilen Welt Bedeutung zu finden, während sich ihre Gedanken, Klänge und Abbilder zu einer schwebenden, hypnotischen Struktur verweben. Jodlowski verbindet akustischen und elektronischen Klang, Video und Bewegung zu einer dichten Reflexion über Wahrnehmung und virtuelle Existenz – eine Reise durch die porösen Grenzen von Realität, Erinnerung und Bild. Im Anschluss lädt die Bar Modern im MuTh ein. 

Am Donnerstag, 6. November um 17:30 Uhr sowie um 19:30 Uhr arbeitet das Kollektiv MMM, das sind Maja OsojnikMathia*s Lenz und Matija Schellander, gemeinsam mit der Schlagwerkerin Špela Mastnak im Ve.Sch Kunstverein an der Komposition WAS__, einem auf zehn Jahre angelegten Work in Progress. Geplant ist eine 660 Meter lange grafische Partitur, deren erste 66 Meter im Rahmen von Wien Modern (6.11. bis 13.11.) entstehen – ein sich ständig erweiterndes Geflecht aus Klang, Bild und Zeit. Linoldruck, Cyanotypie, Aceton und andere Drucktechniken bilden eine wachsende, raumgreifende Struktur, in der Musik jenseits traditioneller Notation gedacht wird. Um 19:30 Uhr spielt im Wiener Konzerthaus das Klangforum Wien im Rahmen einer prominenten Preisverleihung: Der in Pisa geborene Komponist und Wahlwiener Pierluigi Billone erhält den Erste Bank Kompositionspreis 2025. Drei Generationen von Komponist:innen treffen an diesem Abend aufeinander: Anna Arkushyna mit ihrem Werk MurmurationHelmut Lachenmann, der kurz vor seinem 90. Geburtstag nach Wien gereist ist, um an der Seite des Klangforum und von Emilio Pomárico den Sprechpart in seinem Werk … zwei Gefühle … zu interpretieren, und auch um seinem ehemaligen Kompositionsschüler Pierluigi Billone an Ort und Stelle zum Preis zu gratulieren der für diesen Anlass ein neues großes Ensemblewerk komponiert hat. Der 36. Erste Bank Kompositionspreis wird Pierluigi Billone in Anerkennung seines höchst eigenständigen Werks und seiner unverwechselbaren kompositorischen Handschrift verliehen. Im Anschluss wird beim Empfang im Schubert-Saal ab 21:15 Uhr gefeiert.

Es gilt schon fast als Tradition, dass Wien Modern und der echoraum gemeinsam ein prominentes Doppelprogramm aus dem weiten Feld der improvisierten Musik präsentieren. Am Freitag, 7. November ist das Trio Hübsch Martel Zoubek, verstärkt durch Tiziana Bertoncini zu hören. Eine Generation jünger und mit dem Spirit eines immerwährenden Frühstücks gesegnet, badet das Trio Endless Breakfast von Mariá Portugal, gabby fluke-mogul und Paula Sanchez «in einer explosiven Flut roher Energie».

Wien Modern 38
Heuer findet Wien Modern zum 38. Mal statt – einen Monat lang mit insgesamt 115 Veranstaltungen an 29 Spielstätten in 11 Wiener Bezirken. Das 1988 von Claudio Abbado gegründete Festival ist mit heuer 44 Uraufführungen und 30 österreichischen Erstaufführungen die größte Plattform zur inspirierenden Begegnung von Künstler:innen und Hörer:innen Neuer Musik aller Spielarten. Mit dem Festivalpass (135 € / 108 € / 54 €), dem Mengenrabatt (30 % Ersparnis ab vier Veranstaltungen) sowie zahlreichen kostenlosen Angeboten bietet das Festival Gelegenheit, die Gegenwart der Musik in all ihrer Vielfalt zu erleben. Ermöglicht wird Wien Modern von Stadt Wien Kultur und dem Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (BMKMS), Festivalsponsor Kapsch, Sponsor Erste Bank, Projektsponsor Ernst von Siemens Musikstiftung, der SKE der austro mechana, LSG, AKM sowie zahlreichen Koproduktions- und Kooperationspartnern.

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