Bild Sharktank
Sharktank (c) Aaron Hader

“ES IST EIN BISSCHEN WIE EIN GRUPPENREFERAT IN DER SCHULE.” ‒ SHARKTANK (KATRIN PAUCZ UND MICHAEL LECHNER) IM MICA-INTERVIEW

SHARKTANK sind KATRIN PAUCZ, MICHAEL LECHNER und MARCO KLEEBAUER, eine Formation, die in Zeiten des 6. Massenartensterbens der Erdgeschichte auf einer gemeinsamen Sound-Expedition dieses Jahr vier langlebige Ohrwürmer entdeckt hat, und diese Exemplare nun auf der EP „Bad Energy“ (Ink Music) stolz präsentiert. Michael Franz Woels traf KATRIN PAUCZ und MICHAEL LECHNER (aka MILE) zum Freiluft-Gespräch im WUK-Innenhof, um über die Lyriktauglichkeit von Notiz-Apps, die Lebensform Hiphop und den Beginn mit einer Hook-Line zu sprechen. 

Ich finde das Pressefoto, wo links und rechts auf Katrins Schulter Marco und Michael ruhen, sehr schön. Wie seht ihr die Konstellation Sharktank generell aufgebaut, wie habt ihr zusammengefunden?

Katrin Paucz: Mile und Marco haben gemeinsam die „Dirty Leaks” EP gemacht. Dann haben die beiden gemeint, sie bräuchten noch etwas Melodisches.

Michael Lechner: Marco und ich haben uns schon vor Oktober 2019 sporadisch getroffen.

Katrin Paucz: Ich wurde dann heuer gefragt, ob ich einmal eine Hook-Line einsingen möchte. Und dann war es quasi eh schon geschehen und ich wurde gefragt, ob ich nicht Teil des Projektes sein möchte.

Jeder von euch bringt einen anderen musikalischen Stil, unterschiedliche Vibes in das Projekt Sharktank ein…

Michael Lechner: Genau, jeder von uns kommt aus einer anderen Stilrichtung. Ich glaube, dass Katrin und Marco sich näher sind, was die musikalische Richtung betrifft. Bei mir ist es, wie man sich denken kann, der Hiphop-Rap Bereich. Ich sehe Hiphop jetzt auch nicht nur als Musikrichtung, sondern auch als eine Lebensform, bei der es um Gemeinschaft geht. Wir fanden genau das spannend, diese verschiedenen Stile zusammenzubringen: Die Einflüsse, die die einzelnen Bandmitglieder mitbringen, auch mit in die Tracks miteinzubeziehen. Das gibt uns die Möglichkeit zu experimentieren oder auf Dinge draufzukommen, die wir als einzelne gar nicht bedenken würden.

Katrin Paucz: Für mich ist Musik Alltag, ich studiere ja auch zurzeit Musikwissenschaften. Ich hörte und höre sehr viele klassische Indie-Artists wie King Krule, Clairo, Cosmo Pyke oder Mac DeMarco. Dann habe ich selber begonnen, Songs zu schreiben und auf Soundcloud hochzuladen. Soweit mein musikalischer Werdegang. Sharktank ist ein Geben und Nehmen. Es ist ein bisschen wie ein Gruppenreferat in der Schule. (lacht) Es ist immer irgendwie seltsam, wenn man über die eigene Musik reden muss…

Bild Sharktank
Sharktank (c) Rea Von Der Liszt

Michael, du hast vor fünf Jahren unter dem Namen Mile das Album „Apple Juice & Lemon Trees” herausgebracht. Was hat sich in der Zwischenzeit bei dir getan? Hattest du nun den Wunsch, mehr in Richtung Pop zu gehen?

Michael Lechner: Um ehrlich zu sein, hatte ich gar keinen Wunsch mehr, überhaupt Musik zu machen. Die letzten Jahre habe ich nichts mehr released und hatte auch gar kein Bedürfnis danach. Als mich Marco gefragt hat, habe ich mich eigentlich dazu überreden lassen. Ich bin jetzt doch recht froh, wie es gelaufen ist und habe mich gefreut, dass er an mich gedacht hat. Wir waren länger nicht in Kontakt. Vor Jahren hatten wir ja schon einmal darüber gesprochen, gemeinsam etwas zu machen. Würde es Sharktank nicht geben, hätte ich keine Pläne Musik zu machen. Mein Leben läuft so auch ganz gut, und es war der Head Space dafür in den letzten Jahren auch nicht da. Aber so wie wir das jetzt machen, funktioniert es gut.

“Dieses Bunte spiegelt sich auch in unserer Musik wider.”

Albumcover bad Energy
Albumcover “Bad Energy” (c) Egor Urakov

Sehr poppig, um nicht zu sagen kindlich bunt ist auch das Cover der kommenden EP. Gibt zu diesem Artwork eine Geschichte?

Katrin Paucz: Die Geschichte zu diesem Artwork ist, dass wir ganz schnell ein Cover gebraucht haben. Ich habe ein paar Artists auf Instagram abonniert und die haben alle diesen kindlich, naiven Stil, den ich sehr gern habe. Ich habe dann den Artist Egor Urakov vorgeschlagen und seine Bilder haben uns allen sehr gut gefallen. Und ich finde dieses Bunte spiegelt sich in unserer Musik wider. Es ist eine bunte Collage von unseren Teilaspekten. Das passt schon sehr gut.

In welchem Zeitraum sind denn die vier Tracks der EP „Bad Energy” entstanden. Man könnte vermuten, dass das ein eher schneller Prozess war? 

Michael Lechner: Die Songs sind seit Juli entstanden. Der Entstehungsprozess im Studio ging immer leicht von der Hand, und wir haben danach die Live-Session im WUK aufgenommen. Das war vom Feeling her die richtige Entscheidung, weil wir keine Konzerte spielen konnten und uns selbst eine Aufgabe gegeben haben. Und so konnte man auch sehen, dass die Musik mit einer Band funktioniert.

“Die Musik hat einfach eine Energie, die man auf die Bühne bringen will.”

Man merkt auf dieser dokumentierten Session im WUK auch die Lust, die ihr habt, dieses Projekt live vor umzusetzen … 

Katrin Paucz: Die Musik hat einfach eine Energie, die man auf die Bühne bringen will. Das ist das Schöne daran. Wir haben auch Nastasja Ronck und Marlene Lacherstorfer vorher schon gefragt, ob sie nicht für zukünftige Auftritte dabei sein wollen. Und auch die Live-Session hat sich ja eher spontan ergeben.

Michael Lechner: Sie hören die Songs und wissen sofort, was sie dazu spielen können. Das finde ich faszinierend.

Katrin Paucz: Auch wie Nastasja immer sofort eine Harmonie-Stimme zu meinem Gesang findet.

Welche künstlerischen Strategien habt ihr entwickelt, um mit dieser gesellschaftlichen Ausnahmesituation bestmöglich umzugehen? 

Bild Sharktank
Sharktank (c) Rea Von Der Liszt

Michael Lechner: Für uns vom Kreationsprozess her: je mehr Zeit wir haben, desto mehr neue Musik können wir erschaffen. Aber wir können leider weniger Konzerte spielen, was uns auch Spaß machen würde. Wenn das Verlangen da ist, neue Musik zu machen, dann hat man jetzt einfach auch die Zeit dafür.

Wie kann man sich den Kreationsprozess beim Texten vorstellen. Wer bringt die Themen ein, entstehen die Texte gemeinsam?

Katrin Paucz: Wenn das Instrumental fertig ist, habe entweder ich eine Idee für eine Melodie oder Mile eine Idee für einen Flow. Die erste Idee singe ich so “La-la-la”-mäßig ein, dann wird am Handy in der Notiz-App geschrieben. Wir schicken uns dann gegenseitig die Textnotizen und schauen, was wir dazutun können. So entstehen die Lyrics.

Die Lyrics behandeln großteils tragische Beziehungsthemen, auf der anderen Seite ist der Sound sehr mitreißend. Ist das eine bewusste Überlegung, damit die doch eher schwereren Inhalte vom Zuhörenden leichter aufgenommen werden können?

Michael Lechner. Ja, das ist irgendwie witzig. Auf der einen Seite catched dich der Sound. Und wenn du dich nach oftmaligem Hören mit den Texten beschäftigst, dann entdeckst du noch einen Layer. Es ist jetzt nicht unsere Intention, dass die Tracks unbedingt traurig sein müssen. Beim Track „Bushmeat“ auf der „Dirty Leak” EP hat mich „World´s End” von T.C. Boyle inspiriert. In dem Buch geht es unter anderem um den Amerikanischen Kolonialismus und Leibeigentum. Oft sind es auch Tage, an denen privat etwas passiert ist, wie bei „Washed Up”: Dieses Überarbeitet-Sein hat auf den Track eingewirkt. Es entsteht dann am Ende diese lustige Mischung, dass du fröhlich bist, obwohl du traurige Texte hörst.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Michael Franz Woels

 

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