Mit „Split Split“ (Noise Appeal Records) legt das Wiener Rock-Duo le_mol sein sechstes Album vor und greift darin ein Thema auf, das weit über den musikalischen Bereich hinausreicht: das Auseinanderdriften von Dingen und gesellschaftlichen Zusammenhängen. Die beiden Musiker nähern sich diesem Gedanken auf ihre eigene Weise und verbinden melancholischen Post-Rock mit Shoegaze, Post-Punk, Ambient und Industrial. Mithilfe mehrerer Loop-Stationen entwickeln Raimund Schlager und Sebastian Götzendorfer aus ihren Instrumenten ein vielschichtiges Klanggefüge, das immer wieder neue Richtungen einschlägt. Auch eine Gaststimme findet auf dem Album ihren Platz. Im Interview mit Michael Ternai sprechen Raimund Schlager und Sebastian Götzendorfer, die beiden Köpfe hinter le_mol, über ihre neu entdeckte Liebe zu Dur-Akkorden, unterschiedliche musikalische Vorlieben und darüber, warum instrumentale Musik sehr wohl Inhalte vermitteln kann.
Meinem ersten Eindruck nach spielt ihr auf dem neuen Album mit ähnlichen Ingredienzen wie auf den Vorgängern. Dennoch habe ich das Gefühl, dass diesmal alles etwas reduzierter ausfällt. Es ist nicht mehr alles mit Sounds überladen, sondern bewegt sich in einem engeren Rahmen. Liege ich damit völlig falsch?
Sebastian Götzendorfer: Ich würde sagen, dass das neue Album im Vergleich zu den beiden Vorgängern „White Noise Everywhere“ und „J_LLY G__D _iME_“ wieder etwas geradliniger ist. So geradlinig, wie eine experimentelle Post-Rock-Band eben sein kann. Wir haben den Progressive-Rock-Anteil wieder etwas zurückgeschraubt und ist es wieder ein bisschen melodiebetonter. Durch diese Geradlinigkeit ergibt sich dann vielleicht auch eine gewisse Reduziertheit.
Raimund Schlager: Wir haben uns auf die wesentlichen Spuren und Melodien konzentriert, anstatt alles noch weiter zu verdichten und bombastischer zu gestalten. Das passiert nach wie vor, aber diesmal wollten wir die für uns wichtigsten Elemente und Melodien in den Vordergrund stellen. Deshalb haben wir an manchen Stellen weniger Loops übereinander verwendet als auf früheren Alben.
Wenn ich die ersten beiden Stücke hernehme, beginnen sie im Grunde nur mit einer Gitarrenmelodie und Schlagzeug beziehungsweise mit Klavier und Schlagzeug. Letzteres bleibt über längere Zeit so reduziert, bevor sich die Musik zu einer Gitarren-Soundfläche steigert. In dieser Form habe ich euch bisher nicht in Erinnerung.
Sebastian Götzendorfer: Das war keine bewusste Entscheidung im Songwriting, nach dem Motto, dass wir diesmal reduzierter auftreten wollen. Vielmehr geht es uns darum, uns selbst nicht zu langweilen. Wir versuchen immer, etwas zu machen, das wir bisher in der Art noch nicht umgesetzt haben. Für dieses Album hatten wir verhältnismäßig lange Zeit und am Ende auch ziemlich viele Songs in petto. Es war quasi ein Survival of the Fittest aus unserem Demo-Pool und eher zufällig haben die reduzierteren Stücke überlebt. Ein unabsichtlicher „occam’s razor“ wenn man so will (lacht).
Raimund Schlager: Unser Sound ist im Großen und Ganzen nach wie vor der gleiche. Im Songwriting hat sich allerdings ein bisschen etwas verändert. Etwas öfter als früher verwenden wir nun auch Dur-Akkorde, wodurch gelegentlich eine fröhlichere Stimmung entsteht. Außerdem liegt der Fokus wieder stärker auf Melodien, die auch für sich alleinstehen können.
Sebastian Götzendorfer: Ich glaube, dass das zum Teil auch damit zusammenhängt, dass wir diesmal wieder aus unserem eigenen Studio weg gegangen sind und dadurch andere Möglichkeiten hatten, schwerere Geschütze in Sachen Equipment – wie etwa eine Mannigfaltigkeit an Gitarrenverstärkerwänden – aufzufahren. Paradoxerweise hat vielleicht gerade das zur Reduktion beigetragen. Wir haben uns in der ersten, verschneiten Woche des neuen Jahres im S.T.R.E.S.S.-Studio von Tom Zwanzger in Graz eingesperrt. Je besser Sound und Mixing generell sind, weil man in einem tollen Studio arbeitet, desto weniger muss man im Nachhinein weitere Overdubs hinzufügen. Wenn das Klavier wunderbar organisch klingt, kann man es auch einmal alleinstehen lassen. Dasselbe gilt für das Schlagzeug. Gerade in Zeiten des Home-Recordings ist der Raumklang des Schlagzeugs einer der größten Vorteile eines Studios, für das man auch entsprechend Geld in die Hand nimmt. Die Katakomben des S.T.R.E.S.S.-Studios haben jedenfalls das Beste aus meinen Kesseln herausgeholt.
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Das ist mir auch stark aufgefallen: Es ist keine melancholische Oper, die durchgehend von Schwere geprägt ist, sondern es gibt auch diese lichten Momente. Neben der Reduziertheit ist mir aufgefallen, dass ihr diesmal sehr stark mit Dynamik gearbeitet habt. Dieses Wechselspiel zwischen leisen und lauten, energetischen und intimen Momenten habt ihr noch stärker auf die Spitze getrieben.
Sebastian Götzendorfer: Es ist mittlerweile unser sechstes Album. Beim ersten Album 2013 stand noch die Frage im Mittelpunkt, welches Genre zwei Menschen mit einer Loopstation überhaupt gut umsetzen können. Post-Rock mit seinem typischen Aufbau von leisen zu lauten Passagen lässt sich mit Loopstations relativ schnell realisieren. Daraus allerdings einen interessanten Song zu machen, ist dann schon die fortgeschrittene Stufe des Songwritings mit einer Loopstation. Ich glaube, dass wir über die Jahre, mittlerweile ist es ja schon mehr als ein Jahrzehnt, an einen Punkt gelangt sind, an dem wir die Möglichkeiten und Grenzen ausreichend ausgelotet haben. Dadurch können wir heute auch dynamische Sprünge umsetzen, die wir uns vor sieben Jahren in unseren eigenen Köpfen technisch noch gar nicht vorstellen konnten. Und das Coole daran ist, dass die technischen Einschränkungen, die man mit Loopstations im Vergleich zu einer fünfköpfigen Band hat, immer wieder erfinderisch machen. Ich glaube tatsächlich, dass wir über die Jahre hinweg oft interessantere Songs geschrieben haben, als wir es sonst hätten, gerade weil wir uns diesen Herausforderungen stellen mussten. „Not“ macht erfinderisch.
Raimund Schlager: Durch das Loopen laufen wir natürlich immer wieder Mal Gefahr, dass sich Dinge wiederholen, dass man immer weiter aufschichtet, aufschichtet, aufschichtet. Von Leise zu Laut.
Die Herausforderung, der wir uns immer wieder stellen, besteht darin, Passagen zu schreiben, die etwas anderes sind: Wie kann man mit der Dynamik spielen, also von laut zu leise gehen? Und wie lassen sich Harmoniewechsel einbauen, obwohl der Looping-Prozess, dass einem eher erschwert? Mittlerweile wissen wir eben ganz gut, wie wir so etwas erreichen können, weil wir die Loop Stations sehr ausreizen können – auch technisch. Ich sage manchmal, mein eigentliches Instrument ist nicht die Gitarre oder das Klavier, sondern die Loop Stations.
Interessant ist, dass du vorhin gemeint hast, dass sich der Sound im Vergleich zu den früheren Alben nicht grundlegend verändert hat. Oder habe ich dich da falsch verstanden?
Raimund Schlager: Ja, ich würde sagen, dass wir mittlerweile ziemlich genau wissen, wie wir klingen wollen. Unser Sound hat sich bereits über die letzten Alben herausgebildet. Was die Klangästhetik und die Harmonik betrifft, haben wir unseren Stil immer weiter verfeinert.
Genau darauf wollte ich hinaus, denn ich kenne nur wenige Bands, die sich derart konsequent einen eigenen Sound erarbeitet haben. Ich höre sehr viel Musik, und da frage ich mich schon, wie es dazu gekommen ist. Ihr habt im Post-Rock begonnen und hattet damals eure Einflüsse, die ihr nach wie vor nennt. Aber das waren ja jene Bands, an denen ihr euch zu Beginn orientiert habt. Mittlerweile klingt eure Musik so eigenständig, dass diese Einflüsse kaum noch eine Rolle zu spielen scheinen.
Sebastian Götzendorfer: Das ist ja eine gute österreichische Tradition. Hermann Nitsch oder Christian Ludwig Attersee haben ihr jeweiliges Sujet oder auch Schmäh, den sie konsequent bis zum Ende durchgezogen haben. Nicht, dass das, was wir machen, ähnlich gut wäre, aber es freut mich, so etwas zu hören. Wenn man es schafft, eine eigene Trademark zu entwickeln, die einen hohen Wiedererkennungswert hat, ist das eigentlich das Beste, was einem passieren kann. Es ist eines der schönsten Komplimente, die man bekommen kann.
Was die Einflüsse betrifft, die du angesprochen hast, geht es dabei auch immer um die Frage, wie man jenes Publikum erreicht, dem die eigene Musik gefallen könnte – daher nennen wir nach wie vor auch viele Einflüsse von früher. Interessanterweise steht vieles von dem, was wir aktuell privat hören, in völligem Gegensatz zu dem, wie unsere Musik klingt.
Raimund Schlager: Ja, und man entdeckt für sich selbst auch immer wieder neue Dinge. Ich merke bei mir schon, dass ich mittlerweile nicht mehr nur das höre, was mich vor zehn, 15 oder 20 Jahren interessiert hat. Dadurch verändern sich natürlich auch die Einflüsse, die in die Musik einfließen, und die Dinge, die man einmal ausprobieren möchte.

Sebastian Götzendorfer: Natürlich hören wir Mogwai, Godspeed You! Black Emperor und Radiohead, wie es auch immer im Pressetext steht. Diese Einflüsse hört man unserer Musik durchaus an. Gleichzeitig höre ich privat aber auch viel Bombay Bicycle Club, Portugal. The Man oder in letzter Zeit Death Cab for Cutie – wonach wir uns wohl kaum anhören.
Das ist nicht unbedingt das, womit man in unserem Fall als Post-Rock-Band im Pressetext hausieren geht. Generell gibt es auch eine interessante Dynamik, die sich bei uns über die Jahre entwickelt hat. Mundl kommt ursprünglich aus dem Grunge-Indie-Eck, ich selbst eigentlich aus dem Bereich Metal. Mittlerweile hört Mundl Post-Metal, also Bands wie Cult of Luna und Amenra, die ich früher gehört habe. Ich wiederum höre eher Indie-Sachen, die früher mehr sein Ding waren. Ich glaube, wir beide haben uns an den Genres, die wir früher bis zur Unkenntlichkeit gehört haben, irgendwann sattgehört und uns dann in entgegengesetzte Richtungen weiterentwickelt. So treffen wir uns gewissermaßen wieder in der Mitte.
Raimund Schlager: Bei unserem Sound.
Sebastian Götzendorfer: Der bekanntlich eine typische Mischung aus Cult of Luna und Portugal. The Man ist. (Beide lachen.)
Eure Musik kommt ohne Worte aus. Sound und Melodien erzeugen Stimmungen, an manchen Stellen hat sie beinahe etwas von einem Soundtrack. Wie entsteht bei euch ein Stück? Entwickelt es sich aus dem gemeinsamen Jammen heraus, oder tüftelt ihr lange an den einzelnen Ideen?
Raimund Schlager: Wenn wir uns im Proberaum treffen und gemeinsam an Melodien arbeiten, gibt es manchmal diesen einen Moment, in dem wir uns anschauen und merken: Da steckt mehr drin als nur eine schöne Melodie. Da entsteht plötzlich eine Emotion, ein Klangbild, das etwas in uns auslöst. Danach reden wir darüber, woran uns das erinnert hat, welche Bilder oder Stimmungen dabei entstanden sind. Es geht dabei weniger um bestimmte Bands als um die Gefühle und Assoziationen, die die Musik hervorruft. Oft beginnt das eigentliche Songwriting genau an diesem Punkt.
Sebastian Götzendorfer: Manchmal wird man selbst von einer Emotion ergriffen und wundert sich darüber, was man da gerade gemacht hat. Das ist oft die Magie, die im Proberaum entsteht. Eigentlich sind diese schöpferischen Momente mit das Allerschönste am Dasein als Musiker. Und was die Filmmusik betrifft, die du angesprochen hast: Das war bei uns schon immer ein Thema. Wir haben unsere instrumentale Musik häufig als eine Art Kopfkino beschrieben.
Wenn man auf dem Album einen „soundtracky“ Track hervorheben möchte, wäre das zum Beispiel der Opener „split it“. Ich kann mich noch erinnern, dass ich nach der Fertigstellung des Stücks gesagt habe, es klinge wie die Musik zu einem dystopischen Science-Fiction-Film, so in Richtung „Blade Runner“. Auch „split tongue“, das Stück mit den Vocals der Wiener Künstlerin The Zew, die dankenswerterweise einen großartigen Text und ihre sehr eigenständige Stimme beigesteuert hat, könnte gut zu einem solchen dystopischen Szenario passen.
Wir setzen uns allerdings nicht bewusst hin und beschließen, einen Filmsoundtrack zu schreiben. In der Vergangenheit haben wir aber tatsächlich schon Kurzfilme vertont und auch Tanzaufführungen live begleitet. Unsere Art von Musik eignet sich dafür oft sehr gut, weil sie viel Raum für unterschiedliche Interpretationen lässt und die Bilder letztlich im Kopf der Zuhörer:innen entstehen.
Wie ist es zur Zusammenarbeit mit The Zew gekommen? Auf den vorangegangenen Alben hattet ihr ja jeweils einen Track mit Hans Platzgumer, wobei man dabei nicht unbedingt von Gesang sprechen kann. Man muss schon sehr genau hinhören, um den Text zu verstehen.
Sebastian Götzendorfer: Bei uns funktionieren Stimmen oft eher wie ein zusätzliches Instrument, das wir an bestimmten Stellen einsetzen. The Zew kennen wir schon länger, und wir haben auch bereits mehrmals gemeinsam Konzerte gespielt. Tatsächlich war sie schon bei der Veröffentlichung unseres zweiten Albums im Club MOOZAK Teil des Veranstaltungsteams. Wir kennen uns also schon ewig. Damals hat sie selbst noch gar keine Musik gemacht, inzwischen ist sie eine wirklich tolle und interessante Künstlerin!
Raimund Schlager: Mittlerweile suchen wir beim Songwriting gezielt nach einem Stück, in dem Gesang Platz finden könnte. Diese Möglichkeit haben wir inzwischen im Hinterkopf – zumindest ich. In diesem Fall haben wir The Zew angeschrieben und gefragt, ob sie Lust auf eine Zusammenarbeit hätte. Sie hat uns ihre Vocals geschickt, und wir haben ihre Stimme, wie wir es auch sonst machen, im Grunde wie meine Gitarrenspuren behandelt und durch den Effekt-Fleischwolf gedreht. Wobei sie selbst schon sehr viel mit Effekten gearbeitet hat, weil das ohnehin Teil ihrer Arbeitsweise ist.
Sebastian Götzendorfer: Zur Frage, wie es zu solchen Kollaborationen kommt: Ich habe erst kürzlich mit ihr darüber gesprochen, als ich sie zufällig bei einem Konzert getroffen habe. Ich finde, dass sie den Community-Gedanken sehr stark in ihrer eigenen Musik verarbeitet. Es geht dabei auch um das Außenseitertum, um Künstler:innen aus der Subkultur und kleine Independent-Bands, die eher künstlerische oder subversive Musik machen und von großen Major-Labels weitgehend ignoriert werden. Umso wichtiger ist es, dass man innerhalb dieser Szene zusammenhält, sich gegenseitig unterstützt und – wie man bei uns sagt – miteinander packelt, um gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.

Was hat es eigentlich mit dem Begriff „Split“ auf sich? Ihr habt ja immer wieder sehr interessante Song- und Albentitel.
Sebastian Götzendorfer: Das ist für mich Fluch und Segen instrumentaler Rockmusik zugleich: Die Musik kann alles und nichts bedeuten. Das ist einerseits toll, andererseits aber auch schwierig, weil man sich als Band oder veröffentlichender Künstler irgendwann bewusst machen muss, dass man auch etwas nach außen vermittelt. Ob man will oder nicht. Die Idee zum Albumtitel ist mir tatsächlich auf Reisen in Neuseeland beim Umkurven des schönen Lake Taupo gekommen. Ohne jetzt zu hochtrabend klingen zu wollen: Wir sind politisch denkende Menschen und beobachten die zunehmende gesellschaftliche Spaltung, das Lagerdenken und die Tendenz, alles nur noch in richtig oder falsch, schwarz oder weiß einzuteilen. Die Grautöne werden dabei immer weniger. Social Media und andere Entwicklungen beschleunigen das Ganze zusätzlich. Es scheint, als müsste man sich ständig von der Couch aus für eine Seite entscheiden.
Was wäre, wenn man diese Lager – oder „splits“ – immer wiederaufspaltet? Also die gespaltene Hälfte noch mal spaltet und noch mal – rekursiv, wenn man so will. Wo wir dann beim Albumtitel „split split“ waren. Um bei Farb-Analogie zu bleiben: Vielleicht würde dadurch irgendwann wieder eine vielfältige Farbpalette entstehen, in der es wieder gelebte Meinungspluralität abseits von „ja“ oder „nein“ gibt.
Das passt für mich auch zu dem Gemeinschaftsgedanken, über den wir vorher gesprochen haben. Als instrumentale Band ist es maximal ein stiller Appell, dieser aber doch, miteinander im Gespräch zu bleiben. Ich verstehe das durchaus als einen kleinen Anstoß zur Gegenradikalisierung, als Plädoyer dafür, Meinungen wieder stärker zu differenzieren.
Natürlich ist das bei einer instrumentalen Band, die keine Texte hat, ein seltsam anmutendes Unterfangen. Man entwickelt ein Konzept, schreibt es in den Pressetext und spricht dann bestenfalls in Interviews darüber. Gleichzeitig überlegen wir uns dann, wie wir daraus möglichst ironische Songtitel machen können, um die oft ernste Musik und in dem Fall auch das trübe Thema zu konterkarieren.
Raimund Schlager: Bei aller Ernsthaftigkeit haben wir nämlich großen Spaß an schrägen Wortspielen. Da bietet es sich natürlich an, einen Titel wie „Splitter!“ mit einem Rufzeichen zu versehen.
Sebastian Götzendorfer: Ein Titel wie „Split the Rich“ war zum Beispiel ein Elfmeter, den man einfach verwandeln musste. Das verbindet beides: Es ist witzig, und gleichzeitig stimmt die Botschaft.
Das Album ist vor wenigen Tagen erschienen. Ich kann mich noch an Gespräche mit euch vor zehn, vielleicht 13 Jahren erinnern. Was würdet ihr euren damaligen Ichs heute sagen, wenn ihr ihm erzählen könntet, dass es euch immer noch gibt und ihr euch in der Szene einen Namen gemacht habt? Innerhalb der Band scheint es jedenfalls keine „Splits“ und keine Spaltungstendenzen zu geben.
Raimund Schlager: Was würden wir uns sagen? Ich würde sagen: Dranbleiben und die Erwartungen nicht zu hochschrauben. Es ist einfach Nischenmusik. Ich glaube, wir beide neigen als Menschen dazu, unsere eigenen Leistungen ein bisschen herunterzuspielen. Aber sechs Alben sind schon etwas. Und es macht uns nach wie vor extrem viel Spaß. Sonst würden wir es ja nicht machen.
Sebastian Götzendorfer: Wenn ich meinem damaligen Ich von 2013, als wir unser erstes Album veröffentlicht haben, erzählt hätte, dass es irgendwann ein sechstes Album geben würde, mehrere unserer Platten auf Vinyl gepresst und in die ganze Welt verschickt würden, wir auf Festivals in Belgien spielen und uns in ganz Mitteleuropa bei Konzerten die Bühnen mit Szenegrößen wie Mono oder God Is An Astronaut teilen würden, hätte ich mir das wohl selbst nicht geglaubt.
Wir bekommen in unserem Genre mit „split split“ gerade eine erfreuliche Welle an positiver Rückmeldung und Bestätigung. Post-Rock war einmal etwas sehr Innovatives, aber dieser innovative Charakter ist mit der Zeit ein Stück weit verloren gegangen. Wie sehr man es uns auf den Alben anhört, müssen andere beurteilen. Aber zumindest, wenn man uns live erlebt und sieht, wie wir unsere Musik auf die Bühne bringen, traue ich mich sagen, dass wir einen gewissen experimentellen und innovativen Charakter besitzen: zwei Musiker, die sich wie fünf anhören? Von Fans bekommen wir dahingehend immer wieder schönes Feedback, dass wir damit tatsächlich etwas Eigenständiges und Neues schaffen.
Vielen Dank für das Interview.
Michael Ternai
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le_mol live
06.11. B72, Wien – SPLIT SPLIT album release show
23.01.27 Alter Schl8hof, Wels
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Noise Appeal Records
