ensemble reconsil wien feiert 10-jähriges Jubiläum

Wie alle anderen Kompositionen bedürfen auch Werke aus der jüngsten Zeit der Aufführung, um zu ihrer tatsächlichen Bestimmung – dem Erklingen – zu finden. Doch hier liegt vielfach ein Flaschenhals der Realisierung, denn nicht wenige Werke verschwinden nach ihrer schriftlichen Fixierung wieder in der Schublade, ohne jemals aufgeführt worden zu sein. Seit den späten 1950er Jahren entstehen hierzulande nach und nach Ensembles, die sich ebendiesen jüngeren Werken annehmen und sich um die Verbreitung Neuer Musik kümmern. Doch das Angebot an neuen Kompositionen wird noch nicht annähernd in die Realität umgesetzt. Diese Erfahrungen mussten auch die Komponisten und Instrumentalisten Roland Freisitzer, Thomas Heinisch und Alexander Wagendristel machen und gründeten vor einer Dekade das ensemble reconsil wien. Seither sorgt die Formation für ein stilistisch breites Angebot auf künstlerisch hohem Niveau. Davon zeugt auch das abwechslungsreiche Programm, das der Klangkörper zu ihrem 10-jährigen Bestehen in einer Konzertreihe im Arnold Schönberg Center präsentiert. Die nächsten Aufführungen von Doppelkonzerten gehen am 4. Oktober vonstatten, für die 3×2 Konzertkarten verlost werden – einfach ein Mail mit dem Betreff “ensemble reconsil” an office@musicaustria.at schicken!

Das ensemble reconsil ist wie die meisten Ensembles für Neue Musik solistisch besetzt, und dennoch bedeutet das Spiel im Ensemble das Zurücktreten des Einzelnen hinter dem Konglomerat des gemeinschaftlichen Musizierens. Um auch die solistischen Fähigkeiten der einzelnen Mitglieder ins rechte Licht zu rücken, bringt das Ensemble heuer 20 Doppelkonzerte zur Uraufführung. Im Arnold Schönberg Center, wo das ensemble reconsil bereits erfolgreich mehrere Konzertreihen gestaltet hat, spielt es diesmal Schönbergs “Ode to Napoleon Buonaparte” sowie Uraufführungen von Doppelkonzerte von Mirela Ivičević, Manuela Kerer, Diego Collatti und Roland Freisitzer.

Deutlich wird bei dieser Zusammenstellung, dass das Ensemble ein ausgewogenes Verhältnis zwischen bereits dem Kanon angehörigen Stücken und ganz Neuem wahrt. Denn neben Werken des Gründers der Zweiten Wiener Schule scheuen die engagierten MusikerInnen auch vor noch Unbekanntem nicht zurück – eine schiere Notwendigkeit für jene KomponistInnen, die noch nicht durch einen großen Namen in die Konzertprogramme großer Veranstalter eingegangen sind, denn für sie bedeutet diese Möglichkeit einen notwendigen Schritt an die Öffentlichkeit, will man mit dem Schaffen von ebenso Vergänglichem wie Beständigem reussieren. Und für das Publikum birgt dieser Umstand den Vorteil, Geheimtipps auskundschaften zu können, die möglicherweise auch einmal zu größerem Ruhm gelangen. (dw)
 

ensemble reconsil wien