Im eigenen Wohnzimmer elektronische Musik zu produzieren, ist inzwischen wahrlich keine Kunst mehr, schließlich ist das notwendige Equipment erschwinglich und die Bedienung kommerzieller Programme einfach gestaltet. Nichts desto trotz will das Komponieren elektronischer Musik, der reflektierte Umgang mit ausgewählten Mitteln und das Entwickeln neuer Arbeitsmethoden von Grund auf gelernt sein, um zu neuen Zugangsweisen und einer eigenen musikalischen Sprache zu finden. Speziell auch bereits bestehende elektroakustische Komposition, eventuell auch in Kombination mit akustischen Instrumenten, zum Erklingen zu bringen, verlangt den InterpretInnen beträchtliches Know-How ab. Beste Voraussetzungen, um dies zu erlernen, bietet das Institut für Elektronische Musik und Akustik (IEM) in Graz, das durch die Kooperation der Kunst- und der Technischen Universität die Verbindung von technischer und künstlerischer Ebene bestens umsetzt. Zudem ist mit dem Cube ein Aufführungsort gegeben, der mit seiner einmaligen 3D-Ausstattung und deren flexiblen Einsatz jegliche Experimente erlaubt. Was man alles damit anstellen kann, darüber kann man sich in nächster Zeit gleich mehrmals einen akustischen Eindruck verschaffen.
Bei Alpha Activity bringen Studierende Rahmen des Master-Studiums „Aufführungspraxis in zeitgenössischer Musik (PPCM)“ am Montag, 25. Juni etwa Luigi Nonos späte Komposition „La Lontananza Nostalgica Utopica Futura“ zur Aufführung, bei der Geige und 8-Kanal-Elektronik einander beeinflussen; für Alvin Luciers „Music for Solo Performer“ wird nichts Geringeres als die Gehirnwellen des Interpreten abgenommen und verstärkt wiedergegeben. Gleich am nächsten Tag werden die Rollen umgedreht: Neue Werke der Studierenden des Komponisten und elektronischen Musikers Marko Ciciliani werden von renommierten MusikerInnen wie Manon Liu Winter interpretiert; zudem wird auch eine Komposition von Elisabeth Schimana zu hören sein. Live dabei sein kann man hier also, wenn neue Wege der Interpretation und der Komposition beschritten werden.
Einen besonderen Schwerpunkt legt das IEM auch auf die Verbindung von Tanz und Musik, wobei die beiden Kunstformen nicht als nebeneinander ablaufende Ereignisse gestaltet sind, sondern sich gegenseitig bedingen. Welche Formen des Miteinanders sich zusätzlich noch mit Visuals finden lassen, dem gehen am Dienstag, 3. Juli Veronika Mayerböck, Simon Laburda, David Pirrò nach. Und auch hier darf man sich auf Ungewöhnliches freuen und mitverfolgen, wie die unterschiedlichen Künste ineinanderfließen. (dw)
Foto: Alexandre Castonguay
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