
Clemens Wenger zählt ohne Zweifel zu den aktivsten Vertretern der heimischen Musikszene. Blickt man nur alleine auf die Zahl der Alben, die in den vergangenen Jahren veröffentlicht worden sind und seinen Namen im Booklet tragen, kann man getrost zu dem Schluss kommen, der Pianist und Komponist sei wirklich unermüdlich am Werken. Es gibt wohl nur wenige, die mit einer solch hohen Frequenz ein Projekt nach dem anderen auf den Weg und auch tatsächlich zum Abschluss bringen.
Gründung der JAZZWERKSTATT WIEN
Seine Studienzeit begonnen hat der Niederösterreicher einmal im Jazz. Er studierte bei Paul Urbanek am Gustav Mahler Konservatorium Jazzklavier, anschließend Jazztheorie und Komposition am Konservatorium Wien Privatuniversität. Im Laufe seiner Ausbildungszeit lernte Clemens Wenger zudem auch mit Clemens Salesny, Wolfgang Schiftner, Daniel Riegler, Bernd Satzinger und Peter Rom jene Leute kennen, die fortan seine musikalischen Wegbegleiter werden sollten. Die sechs Musiker teilten die Meinung, dass in Wien für die junge heimische Jazzszene einfach zu wenig passiere und es notwendig sei, die eigenen Kräfte zu bündeln, um an dieser Situation irgendetwas ändern zu können. Gesagt, getan gründeten sie gemeinsam 2004 den Verein Jazzwerkstatt Wien mit einem dazugehörenden gleichnamigen Label. Was die sechs Jazzer damals im Sinn hatten, war die Schaffung einer Plattform, die als Anlaufstelle für die junge Szene dienen und ihr die Möglichkeit bieten sollte, sich zu präsentieren und zu vernetzen. Aus der einstigen kleinen Gruppe von sechs ist mittlerweile eine bedeutende musikalische Institution geworden, die aus dem Wiener Musikleben nicht mehr wegzudenken ist.
Ein musikalisches Chamäleon

Stilistische Offenheit
Egal ob es ihn nun in den Jazz, die Elektronik, die Weltmusik, in die Klangkunst oder Elektroakustik, in die Computermusik, Neue Musik oder in das Wienerlied treibt, er versteht es, in welchem Kontext auch immer, eigene Akzente zu setzen. Mit seinem Trio nee. etwa widmete er sich in fast schon wissenschaftlicher Manier der Mikrotonalität in der Musik („The Truth is on Fire“, 2012), dem Jazzorchester Vorarlberg komponierte er mit „Morphing“ ein Werk, das fernab jeglicher stilistischer Klassifizierung existiert (2014). Dass für ihn auch der Pop beziehungsweise der Soul mit Wiener Note kein rotes Tuch ist, zeigt der umtriebige Freigeist als Mitglied der Band 5 Achterl in Ehr‘n, die mittlerweile weit über die heimischen Grenzen hinaus zu Bekanntheit gelangt ist. Die Aufzählung seiner verschiedenen Projekte ließe sich noch seitenweise fortführen.
Die Liste der Namen von MusikerInnen und Bands, mit denen Clemens Wenger in den letzten Jahren zusammengearbeitet hat, liest sich ebenfalls imposant: Steven Bernstein, James George Thirlwell, Max Nagl, Maja Osojnik, Wolfgang Reisinger, Valérie Sajdik, Andy Manndorff, Clemens Salesny, Gerald Preinfalk, Willi Resetarits, Georg Breinschmid, Ausseer Hardbradler, Die Strottern, Kelomat und Studio Dan, um nur einige wenige zu nennen.
Wo der Weg den Niederösterreicher noch überall hinführen wird? Man muss sich schon überraschen lassen. Auf jeden Fall darf angenommen werden, dass Clemens Wenger mit seiner Fähigkeit, sein Spiel und seinen Stil immer wieder neu zu definieren, das Ende der Fahnenstange seines kreativen Schaffens noch lange nicht erreicht hat
Michael Ternai
Fotos: Rania Moslam