„Ein guter Vibe im Studio ist extrem wichtig, wenn du live miteinander aufnimmst“ – JÜRGEN SCHALLAUER und LUCA MAYR (FRANZ FUEXE) im mica-Interview

Ja, es ist wohl wieder so weit! Die vier unliebsamsten Mostviertler holen zu einem erneuten Streich aus. Egal ob Punk, Hardcore, Funk oder Jazz, alles wird gleichermaßen symbiotisch vereint, als auch persifliert. Der unverkennbare Sound brettert auch 2018 noch genauso ungezügelt, dass die demütige Hörerschaft über alle Genre- und Ortsgrenzen hinaus in Mundart verkündet: „FRANZ FUEXE is back, du deppade Sau!“ Zwei Studioalben in knapp sechs Jahren als Quartett stehen bereits auf der Habenseite, von Verschleißerscheinungen jedoch keine Spur. Grund genug für LUCA MAYR, JÜRGEN SCHALLAUER, CHRIS PRUCKNER und MATTHIAS LEICHTFRIED sich erneut im Studio einzunisten, um ihre neue EP „FUEXE > MUSIK“ aufzunehmen. Wie schon beim letzten Album „Die neue Unordnung“ sitzt ZEBO ADAM hinter den Reglern. Im Gespräch mit Maximilian Weissensteiner plaudern JÜRGEN SCHALLAUER und LUCA MAYR über ihr momentanes Projekt, die Zusammenarbeit mit Zebo und den aktuellen Status harter Rockmusik. 

Wie laufen gerade die Aufnahmen zu „FUEXE > MUSIK“?

Luca Mayr: Überraschend gut [lacht]! Wir haben uns auch gut vorbereitet auf das Ganze, besser wie bei den anderen Alben davor. Man merkt halt, dass es einen anderen Push kriegt. Dadurch, dass wir jetzt die Zusammenarbeit mit Zebo noch verstärkt haben, obwohl die eh schon immer da war. Es werden sich da einfach längst mehr Gedanken gemacht. Wir sind alle ganz schön into it und nachdem wir heute ja die ersten Gesangsspuren aufgenommen haben bzw. die ersten beiden Lieder mit Gesang merkt man, dass es richtig gut fährt und richtig gut geht. Und einfach der Sound. Wir sind dort, wo wir hinwollen.

Jürgen Schallauer:  Das war auch die Bedingung, dass man sich einfach mehr Mühe gibt und vor allem auch Zeit nimmt. Beim letzten Album haben wir 14 Lieder in 3 Tagen im Endeffekt aufgenommen und jetzt nehmen wir 6 Lieder in 5 Tagen auf. Das ist schon eine ganz andere Relation. Das Arbeiten mit Zebo ist auch ganz anders. Wir haben eh schon ein paar Mal mit ihm aufgenommen, aber jetzt haben wir das gescheit gemacht und uns Zeit genommen. Jetzt ist es einfach mehr darum gegangen, wie man den Sound sucht. Verstärker und Amps ausprobieren, so dass man das richtige Environment schafft, damit man leiwand spielen kann [lacht]. Wir haben anderthalb Tage geschaut, wie was klingt und wie man sich fühlt. Dann gar nicht 100 Takes gemacht, sondern 3-4 und so haben wir das eigentlich dann aufgenommen. Ich bin sehr zufrieden, wie das geworden ist, vor allem der Gitarrensound ist ein anderes Level auf jeden Fall.

Luca Mayr: Killer!

„Ganze Alben hört man mittlerweile fast nimmer, sondern eher einzelne Nummern oft davon raus.“

Insgesamt befinden sich ja sechs neue Nummern darauf. Was genau gibt es dabei an inhaltlichen Überschneidungen bzw. was war die Idee dahinter, sie gebündelt zu veröffentlichen?

Jürgen Schallauer: Wir haben eh immer gebündelt veröffentlicht, außer jetzt dazwischen so etwas wie „50 KUBIK“. Aber eigentlich ist das jetzt der Schritt mehr weg von einem Album, hin zu einer EP, weil ich die Songs fertig gehabt habe und ich es jetzt auch gerade zeitgemäß finde. Man muss sich jetzt nicht 2 Jahre lang Zeit nehmen und 14 Lieder raushauen, sondern einfach auch mal 6 Lieder. Ich finde eine EP total ausreichend, wenn man das dann intensiver macht und schaut, dass da kein Füller drauf ist.

Luca Mayr: Gerade auch weil ich glaube, dass man der Erfahrung von Musikhörenden entgegenkommt. Ganze Alben hört man mittlerweile eh fast nimmer, sondern eher einzelne Nummern oft davon raus. Wenn du eine kürzere Veröffentlichung machst wie eine EP, ist es genauso viel wert. Wie Jürgen gesagt hat, kann man erstens schneller einmal veröffentlichen, man hat schneller einen Output. Zudem kann man sich dann auch mehr Zeit für die Nummern nehmen.

Jürgen Schallauer: Das wäre schon irgendwie gegangen 14 Lieder rauszuhauen. Aber wahrscheinlich hätten wir nicht 14 Tage Zeit zum Aufnehmen gehabt. Ich bin kein Fan davon, dass man sich das so raus presst. Da sind jetzt wirklich nur Nummern drauf, die ich machen wollte. Nichts, wo ich sage, das ist okay. Das war bei den anderen Alben schon so, dass da jetzt Lieder waren, die mich nicht umhauen, aber auch drauf sind.

Luca Mayr: Weil man es halt hat und veröffentlichen will. Das ist ja das, was wir eh auch davor immer gemacht haben. Wir haben ganz wenige Lieder gehabt, die wir dann nie aufgenommen haben.

Jürgen Schallauer: Da fallen mir mindestens 3 Nummern ein, die wir nie weitergemacht haben. Da fängt man an und merkt, dass das nicht wirklich voll etwas ist, was man machen will. Aber ich würde nie eine Nummer komplett fertig machen, Live spielen und dann nicht aufs Album tun. Da wird schon vorher aussortiert.

FRANZ FUEXE sind dafür bekannt, auf provokante und pointierte Weise ihrem Unmut über die derzeitige globale Situation Ausdruck zu verleihen. Welche aktuellen gesellschaftspolitischen Geschehnisse haben diesmal die Stimmung oder die Thematik auf „FUEXE >MUSIK“ beeinflusst?

Luca Mayr: Das ist ja ein wesentlicher Punkt von diesem Fuexe-Spirit. Wir sind jetzt nicht immer hochaktuell, aber alles ist immer beeinflusst von dem politischen Scheißdreck, der uns passiert. Natürlich hängt man sich an den negativen Sachen auf. Das ist das Spannende, das auf was man sich aggressiv aufhängen kann.

Jürgen Schallauer: Sowas wie „Scheiß Nazis“ das muss sein und gehört auch gesagt. Ich finde thematisch ist es jetzt bei den Texten alles noch ein bisschen destillierter und weniger Scheiß dabei. Also schon, aber es wird nicht viel herum geschwafelt. Auch bei den Themen ist es recht ausgewogen. Eigentlich scheint bei jedem Lied etwas von dem durch, was es insgesamt ist. Auch wenn eine Nummer lustiger ist, merkt man trotzdem, da ist noch ein bisserl was dahinter ist, eine andere Ebene noch dabei. Bei denen, die voll drauf gehaut sind und total auf „Fuck you“, ist es schon ein bisserl lustig auch noch. Bei der EP schwingt einfach alles bei jedem Lied ein wenig mit. Dass jetzt alles politisch noch schlimmer ist, ist für uns eh leiwand und man so viel Stoff kriegt.

„Es ist halt extrem leiwand, wenn man jemanden hat, der in einer anderen Liga spielt, dem das taugt und der das machen will.“

Die Zusammenarbeit mit Zebo Adam hat sich in jüngerer Vergangenheit schon als durchaus fruchtbar erwiesen. Was waren für Sie ausschlaggebende Gründe weiterhin zusammen zu arbeiten?

Luca Mayr: Wir nehmen, was wir kriegen und Zebo ist halt da gewesen [lacht].

Jürgen Schallauer: Es ist halt extrem leiwand, wenn man jemanden hat, der in einer anderen Liga spielt, dem das taugt und der das machen will. Ich bin mit Zebo schon lange befreundet. Wenn er es machen will, ist er auf jeden Fall meine erste Wahl. Beim letzten Album hat er nur aufgenommen. Diesmal hat er auch wirklich mit produziert und wird auch mischen wahrscheinlich.

Also noch weiter involviert eigentlich als bisher? 

Jürgen Schallauer: Ja, das war für mich klar! Wir sind eben auch Freunde und es harmoniert extrem gut im Studio. Mit uns kann ich auch nicht einfach überall hingehen. Da ist es schon leiwand, wenn man so auch auf einer Wellenlänge ist und eine Gaudi hat. Ein guter Vibe im Studio ist extrem wichtig, wenn du live miteinander aufnimmst. Das war diesmal auch ein besonderer Faktor und dass wir uns nicht gestresst haben.

Luca Mar: Bei Zebo ist es einfach auch so, dass es momentan in Österreich wahrscheinlich keinen gibt, der auf dem Level das macht, was er macht. Mit Bilderbuch und ZEAL & ARDOR, das ist absolut top of it’s game. Dass das so daherkommt und auch ihm taugt, ist natürlich optimal. Er kommt ja aus einer harten Musik, der hat natürlich einen persönlichen Bezugspunkt dazu.

Jürgen Schallauer: Er ist aber auch so aufgeschlossen. Für harte Musik gäbe es viele, aber wir sind ja eben nicht nur hart. Dass Zebo auch auf Hip-Hop steht und mit den ganzen Sachen, die wir da drinnen haben was anfangen kann ist natürlich perfekt.

Luca Mayr: Wäre blöd das nicht zu nutzen, wenn man die Möglichkeit hat.

Bild Franz Fuexe
Franz Fuexe (c) Andreas Kronsteiner

Was haben Sie sich denn noch so an Zielen für 2018 gesetzt bzw. was wäre aus Ihrer Sicht der nächste logische Entwicklungsschritt?

Luca Mayr: Ich will so schnell wie möglich mein Studium fertig machen.

Jürgen Schallauer: Das ist mein Ziel [lacht]. Wir wären schon auf der Suche nach einer Agentur. Aber wir sudern jetzt niemanden an, sondern wir wollen, dass das irgendwie passt. Deswegen ist das echt nicht so einfach. Weil die meisten Agenturen lieber irgendeine Drecksscheiß-Band nehmen, die viele Euros zahlt dafür, dass sie dann als Vorband spielen. Leider merkt man halt stark, dass es ziemlich scheißegal ist, wie gut du etwas machst. Leute waren schon interessiert, aber für eine fixe Zusammenarbeit muss man genau in ein Genre hineinpassen. Damit man auf Festen spielen kann, wo alle Bands gleich klingen. Das haben wir leider nicht. Dafür ziehen wir von überall Leute an. Namhafte Leute aus der Elektro-Szene haben uns Props gegeben, mit dem rechnet man nicht. Das wäre noch was, was wir brauchen: Irgendein gescheites Booking oder eine Agentur.

Luca Mayr: Im Endeffekt kann man es darauf runter brechen, dass wir viel spielen wollen. Wir merken, dass wir nicht mehr als 10-15 Mal im Jahr spielen können. Obwohl wir das Bedürfnis haben viel mehr zu spielen.

Jürgen Schallauer: Wir könnten schon viel öfters spielen als 15 Mal im Jahr, aber nur mehr unter gewissen Konditionen. Einfach einen menschlich fairen Gig, bei dem man sich nicht vorkommt wie der letzte Volltrottel. Das muss schon drinnen sein, dass man ein bisschen Geld kriegt und so rundherum alles halbwegs passt. Kein kompletter Vollscheiß, alles andere spielen wir eh. Leider eben noch nicht so viel, wie wir gerne hätten.

Luca Mayr: Es gibt eh hunderttausende Bands, die die Hälfte vom Jahr auf Tour sind, aber trotzdem kein Schwein kennt. Du musst schon Sachen spielen, die etwas bringen und da sind wir eben gerade auf der Suche. Alles ist halt da: Die Musik ist super, die Show ist super. Kann sich jeder alle 10 Finger nach uns ablecken.

Jürgen Schallauer: Wir sehen uns selber ganz oben, wo man schon mindestens Sauerstoffmasken braucht. Wo andere Bands Kilometer weiter unten ein Basislager errichtet haben. Aber die Anderen sehen uns nicht da. Die dumme Masse ist noch zu blind.

Luca Mayr: Gerade in Wien merkt man extrem, wie es super zieht. Wie wir quasi immer vor vollem Haus spielen, ob das jetzt im Chelsea, Weberknecht oder Fluc ist. Das merkt man, dass es in Wien schon voll gut geht. Aber irgendwie scheint das doch nicht für den Rest von Österreich zu zählen. Da kommt eben wieder diese Booking-Sache. Man wird halt nicht gebucht zu irgendwelchen Festen und selber hinschreiben bringt dir einen Scheiß.

Jürgen Schallauer: Uns fragen natürlich oft Leute wegen Shows, aber für 200€ fahre ich nicht nach Kärnten.

„Ich versuche es immer quasi modern zu machen, auch wenn es jetzt nicht gerade modern ist, Rockmusik mit einer Band zu spielen.“

Harter und schneller Rock ist ja mittlerweile ein etwas eingestaubtes Terrain. Wie geht Ihnen, angesichts der aktuellen Dominanz anderer Stilrichtungen, mit dieser Entwicklung um bzw. wie viel kritisches Potential bietet so etwas wie Ihre Musik nach so vielen Jahrzehnten noch?

Luca Mayr: Das kritische Potential gibt es zur Genüge. Die Erkenntnis ist schon ganz richtig, dass so harte alternative Rockmusik nicht gerade in ist.

Jürgen Schallauer: Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das überhaupt so ist. Es ist halt nicht mehr cool bei den ganz Jungen vielleicht oder im Radio, aber nirgends sind so viele Leute, wie auf Rockfestivals. Wo seit 30 Jahren dieselben Bands spielen und trotzdem sind da 200.000 Leute. Das muss man schon auch bedenken. Ich bin mir nicht sicher, ob das so out ist. Oldschool finde ich eigentlich scheiße, wenn man es jetzt so betrachtet. Ich finde es einfach deppert, von wegen früher war alles so leiwand. Das stimmt schon, dass es viele geile Sachen gegeben hat. Man nimmt halt Sachen von überall und hat dann eine andere Mischung, als die Meisten. Das ist ja jetzt nicht nur bei Rock so. Wie jetzt auch bei der neuen EP, da ist eine Trap-Persiflage drauf. Nicht das ich das jetzt verarsche, aber das ist etwas, das jetzt gerade passiert. Deshalb wird das zum Beispiel halt auch verarbeitet. Ich versuche es immer quasi modern zu machen, auch wenn es jetzt nicht gerade modern ist, Rockmusik mit einer Band zu spielen. Ich versuche schon immer das was jetzt passiert auch ein bisschen einzubinden. Das soll eigentlich nicht Oldschool sein in dem Sinn. Nur die gewissen Aspekte, die man davon nimmt.

Luca Mayr: Es gibt nichts Langweiligeres als die 50. Band, die versucht wie Slayer zu klingen. Alles wandelt sich und es ist gut, dass eine Entwicklung geschieht. Auch wenn das jetzt in Richtung elektronischer Hip-Hop orientierter Musik ist. Das ist das ja voll okay. Es ist wichtig, dass man einfach die leiwanden Sachen aufsaugt und für sein eigenes Projekt nutzt. Wie heißt die Rap-Partie, die wir letztens gehört haben?

Ho99o9 haben wir gehört! 

Luca Mayr: Megafett, extrem steil!

Jürgen Schallauer: Oder Slaves! Eine Fuexe Nummer ist eigentlich von Seeed inspiriert [lacht]. Da habe ich „Molotov“ gehört. Man hört da jetzt nicht, dass das von der Nummer etwas hat, aber das Tempo hat mir einfach getaugt. Irgendwie so ein Hardcore-Groove, aber langsamer, da kann man dann drüberrappen. Solche Sachen nimmt man halt dann.

Luca Mayr: Was ich eben sagen wollte ist: So eine Band wie Ho99o9 ist mehr hardcore, wie viele andere Sachen halt, die wirklich Hardcore-Punk sind. Überhaupt nicht angestaubt und frisch. Solche Bands gibt es noch und man stolpert eh immer wieder drüber. Also harte, alternative Rock- oder Gitarrenmusik ist noch immer cool. Du musst es halt nur cool machen!

Jürgen Schallauer: Es gibt nach wie vor Bands, die das machen und ganz schön fesseln: Slaves! Du musst es in einem modernen Gewand und nicht immer alles so geschissen konservativ machen. Mich nervt einfach, wenn die nächste Band genau wie Led Zeppelin klingt. Ja, Led Zeppelin ist eh geil, aber da brauch‘ ich nicht eine Band, die genau wie Led Zeppelin und vielleicht 2% was Eigenes ist. Das finde ich halt schade, weil da nichts mehr passieren kann. Wenn das alle so machen wird’s dann immer fader werden.

Luca Mayr: Ist ja auch so in diesem Metal-Bereich. Die haben alle drei Bands, die sie leiwand finden und klingen halt wie zwei davon. Dann kommt sowas raus, wie dieser Metalcore-Scheiß.

Jürgen Schallauer: Die Musik in dem Bereich ist selber schon so verkommen. Da war vor 20 Jahren noch irgendwas Cooles dabei. Jetzt ist einfach alles immer ähnlicher geworden, dass man es irgendwie verkaufen kann.

Luca Mayr: Aber natürlich gibt es auch da noch immer leiwanden und frischen Scheiß!

Herzlichen Dank für die Mitarbeit!

Maximilian Weissensteiner

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Franz Fuexe (Facebook)