Bild Atmo Donaufestival
Donaufestival (c) David Visnjic / donaufestival

DONAUFESTIVAL 2016

Das DONAUFESTIVAL 2016 bietet auch dieses Jahr wieder eine fundamentale Aufhebung der normativen Festivalpraxis. Vom 29. April bis zum 7. Mai eröffnen sich in Krems erneut utopische Möglichkeitsfelder. Mit dabei sind Darbietungen von OMAR SOULEYMAN, FATIMA AL QUADIRI, KODE9, MOGWAI, CUT HANDS, ANGEL-HO, MIKU HATSUNE, ONE MAN NATION, GOD‘S ENTERTAINMENT, SAINT GENET u. v. a. m.

In seiner inzwischen zwölften und finalen Auflage unter der Kuration des künftigen Leiters der Wiener Festwochen Thomas Zierhofer-Kien wird im Verlauf von zwei Wochen aufs Neue das inhaltliche Credo der Nichtnormierung stattfinden. Mit knapp 50 unterschiedlichen Musik-Acts, Performances, Installationen und Filmscreenings bietet das donaufestival 2016 einen divergenten Überblick über die wichtigsten Tendenzen in der aktuellen Musik-, Kunst- und Kulturszene. Auftritte bestreiten werden der Dubstep-Übervater Kode9, die in Somalia geborene und in Kuwait aufgewachsene Künstlerin Fatima Al Quadiri, die animierte Miku Hatsune, der Österreicher Manuel Knapp, der exzentrische Ausnahmekünstler Ghédalia Tarzartès, der Syrer Omar Souleyman mit seinen zeitgenössischen Dabke-Interpretationen, um nur einige zu nennen. Des Weiteren bietet das Programm am Donnerstag, dem 5. Mai, einen Auftritt des Klangkünstlers Rashad Becker, der gemeinsam mit Mitgliedern des Ensembles Alarm Will Sound, das vor allem für ungewöhnliche Interpretationen aktueller Musik bekannt ist, performen wird. Ein weiteres Highlight ist William Bennet aka Cut Hands, der mit seinem neuen Release Power-Afro-Noise-Attacken auf das Trommelfell loslassen wird.

Das Programm am Freitag, dem 6. Mai, bietet alles zum Thema „Queer“ in musikalischer Verarbeitung. Es beginnt der New Yorker Le1f, der mit seiner ungewöhnlichen Inszenierung im normativen Hip-Hop-Business eine echte Ausnahme bildet. Der Südamerikaner Angel-Ho, der unter anderem auch als Mitbetreiber des Labels „NON-Records“ bekannt ist, verfolgt mit seinen Sounds eine klare politische Agenda, ein Statement gegen politische Rückstände von veralteten Weltansichten. Die Musikerin und Konzeptkünstlerin Tara Transistory aka One Man Nation, eine der zentralen Figuren in der südostasiatischen Transgender-Community, bietet auditive Séancen dar. Darüber hinaus sind Lotic mit seiner persönlichen Dekonstruktion der Clubmusik, Total Freedom, Easter und Juliana Huxtable zu hören.

An beiden Wochenenden zeigt das donaufestival aktuelle Arbeiten der Kollektive Saint Genet und God‘s Entertainment, die schon in den vergangenen Jahren wichtige Wegbegleiter des Festivals waren, wie etwa mit dem kontroversen „Menschenzoo“ aus dem Jahr 2014. Mit dem Stück „Niemand hat euch eingeladen“ versuchen God‘s Entertainment erneut, performativ auf gesellschaftliche Problematiken im Kontext von Europa und Flucht zu reagieren und die Klischees von Zuschauenden und Agierenden aufzubrechen. Saint Genet werden mit „Frail Affinities“ eine radikale Auseinandersetzung mit der historischen Migrationstragödie der Donner Party präsentieren. Darüber hinaus performt die brasilianische Körper- und Konzeptkünstlerin Roberta Lima ihre „Queer Way“, die Berliner Gruppe Monster Truck & Theater Thikwa zeigt mit „Dschingis Khan“ eine Umwertung von Norm und Nichtnorm.

Inhaltlich eröffnet sich im Verlauf der zwei Wochen ein weites und vor allem innovatives audiovisuelles Feld von Afro- zu virtuellem Meta-Pop, von Nah-Ost-Funk, kollektiver Trance, performativer Bearbeitung der aktuellen Politik und natürlich von verschiedenen Ausprägungen des transgressiven Rauschens.

Ada Karlbauer

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