Die Salzburger Rock- und Pop-Szene lässt aufhorchen – Wolfgang Descho im mica-Interview

Mit der Veröffentlichung des aktuellen “Xtra Ordinary”-Samplers liegt nun schon die 14. Ausgabe dieses ambitionierten Projekts vor und bietet einen vielseitigen Überblick über die mannigfaltigen Aktivitäten der junge Musikszene in und um Salzburg. Für mica hörte sich Didi Neidhart die aktuelle “Xtra Ordinary”-CD an und sprach mit Rockhouse-Geschäftsführer Wolfgang Descho über den “konsequentesten, am längsten existierenden Sampler (einer eigenen Szene) im deutschen Sprachraum”.

Nicht leicht hatte es diesmal die aus Fachleuten, Journalisten, Musikern, Produzenten, Agenturen und Szenekennern von Folk bis Metal zusammengesetzte 15-köpfige Jury bestehend u.a. aus Wolfgang Descho, Wolf Arrer (beide Rockhouse), Wolfgang Schrammel (Sonic Flow Studio), Stefan Kalser (Yeah!Club), Stootsie (The See Saw), Arno Wagenhofer (Plastotype, Scream Records), Klaus Kircher (Musiker), Markus Melms (Musiker, Initiator des Heimo Erbse Förderpreis), Tobias Pötzelsberger (Musiker, Journalist).

Die Qual der Wahl betraf diesmal vor allem “das hohen Niveau” der über 50 Einsendungen, so “Xtra Ordinary”-Initiator und Rockhouse-Geschäftsführer Wolfgang Descho. Gerne wäre eine Doppel-CD gemacht worden, was jedoch schließlich an finanziellen Gründen scheiterte. leider nicht realisiert werden konnte. So schafften es schließlich 22 Songs auf den Sampler.

Die Bandbreite reicht dabei von Pop, Rock, Indie, Alternative (Olympique, Trailerpark, Purple Souls, Mike Schmiderer), HipHop/Soul-Reggae (Son Griot feat. The More or The Less) über geshuffelten Electro Blues (Kings and Slaves), Funk (X-Pack), Blueska (Hot Can Luck), brit-poppigen Indie-Retro-Rock (Leeds Club), American Roots Music (Jalapeno Compadres), Nu Reggae (Skaverells) bis hin zu deutschsprachigem zwischen Pop/Punk, Rock, Folk und Singer/Songwritertum (Zufallstreffer, Rotz, Follow Them To The Edge Of The Desert).

Hervorzuheben sind dabei vor allem Tomtation feat. Ankathie mit feinem Electro-Pop für die Neo-Disco sowie die Salzburger Szene-Hoffnungen The Sooks (hyperaktiver Indie-Wave-Pop) und The Helmut Bergers, die ihrem Bandnamen mit glamourös-dreckigem Electro Rock’n’Roll alle Ehre machen. Aber auch der elegische Breitwand-Pop von Jakob Hörl sowie der fein ziselierte Neo-Folk von Tian machen Lust auf mehr. Speziell in der härtere Gangart gibt es keine Ausfälle. Stattdessen wird zwischen schnörkellosem 1970er Proto-Punk-Heavy-Rock (Pirate Radio Station), exzellentem Stoner Rock (Black Nova) und grindigem Death’n’Roll (Ghouls Come Knockin’) auf der Höhe der Zeit gerockt.

Auch Wolfgang Descho sieht die aktuellen Entwicklungen der Salzburger Rock- und Pop-Szene im mica-Interview als positive Signale für die Zukunft.

Der aktuelle Sampler hat eine ungeheure stilistische Bandbreite. Werden aktuelle Trends mittlerweile schneller in der Salzburger Musikszene aufgenommen?

Wolfgang Descho: Das begann schon beim letzten Sampler und setzte sich heuer fort. Es ist da ein gewisser ‘Schnitt’ erfolgt. Viele jüngere/neue Musiker und Musikerinnen haben sich gefunden und liefern ordentliche Qualität ab. Auch Stilmässig war voriges Jahr wie auch heuer wieder alles dabei und das in einer sehr ausgewogenen Art. Überhaupt zeichnen sich viele der hiesigen Musiker und Musikerinnen durch eine gute Vielfalt aus. Es stellt keinen Widerspruch mehr dar ein Electro-Pop-Projekt zu haben und gleichzeitig in einer Stoner-Rock-Band zu spielen, oder sich neben Psychedelic-Rock dem Singer/Songwriter-Genre zu widmen. Überhaupt “saugen” die Salzburger Bands mittlerweile auch wesentlich früher neue Trends auf und verarbeiten sie.

Hängt das auch mit dem avancierteren Konzertangebot der letzten Jahre zusammen?

Wolfgang Descho: Ja, das hängt sicher auch mit den vielen Supportmöglichkeiten im Rockhouse zusammen. Allein im letzten Jahr waren das über 40. Andererseits sind auch der “Yeah!Club” und das “Stuck!Festival” mit ihren avancierten Programmierungen immens wichtig.

Diesmal soll die Auswahl ja extrem schwierig gewesen sein.

Wolfgang Descho: Die Auswahl war naturgemäss sehr schwierig und auch sauknapp. Es hätten noch etliche weitere Songs verdient auf die CD zu kommen. So entschied sicher einige Male die Produktion bzw. der bessere Sound an sich den Zuschlag für eine Nummer. Zudem hat die Jury ja auch die jeweilige Nummer und nicht die Band an sich zu bewerten. Um wirklich alle ausgewählten Bands auf den Sampler packen zu können, gab es dann auch einige Radio-Edits, die gemeinsam mit den Bands im Studio gemacht haben. So wurde noch etwas Platz gewonnen, um alle 22 Songs auf die CD zu bekommen.

Hat sich bei den Genres etwas verschoben?

Wolfgang Descho: Nicht wirklich. Elektronik und Rock schließen sich ja schon lange nicht mehr aus. Genres werden nicht weniger, sie werden vielleicht manchmal von weniger Bands interpretiert. In den letzten Jahren ist zum Beispiel Metal quantitativ zurückgegangen aber immer noch sehr “lautstark” vorhanden.

Interessanterweise beschränkt sich der aktuelle “Xtra Ordinary”-Sampler” nicht nur auf Acts aus Salzburg, sondern präsentiert auch Bands aus dem angrenzenden Bayern.

Wolfgang Descho: Im Prinzip kommen 2,5 Songs aus Bayern. Leeds Club sowie Tomtation und Black Nova, bei denen es ja auch personelle Überschneidungen gibt. Die sind aber alle in der Salzburger Szene verankert und studieren teilweise hier. Wir machen da keinen so großen Unterschied. Immerhin hatten wir ja auch schon Bands aus Oberösterreich auf vorherigen Samplern. Ebenso spielen in der Reihe “Local Heroes” immer wieder mal Bands aus dem angrenzenden Bayern. Genauso haben wir seit Gründung des Rockhouse einen grossen Publikumsstamm aus diesem Raum.

Wie läuft eigentlich das Procedere ab? Wie kommen die einzelnen Acts auf den Sampler?

Wolfgang Descho: Die Einreichungen müssen jeweils bis Ende August einlangen. Dann bekommt die Jury die Songs auf durchschnittlich drei CDs und hat bis Anfang Oktober Zeit ihre Wertungen abzugeben. Es gibt also genügend Zeit, sich die Songs in aller Ruhe zu Hause anzuhören. Die Wertung erfolgt dabei einfach mittels Punkten. Das reicht von 1 (sauschlecht) bis 10 (saugut). Es gibt aber auch die Möglichkeit schriftliche Kommentare abzugeben.

Was muss jetzt ein Act machen, um auf dem kommenden Sampler vertreten zu sein?

Wolfgang Descho: Für den kommenden, 15. Sampler, wird es wieder ein Anmeldeformular geben, dass man sich auf der Rockhouse-Homepage herunter laden kann. Einsendeschluss ist der 31.8.2011. Was bis dahin nicht im Rockhouse eingelangt ist, kann leider nicht berücksichtigt werden. Stilistisch geht alles, aber der Song muss eine fertig produzierte Eigenkomposition sein, darf noch nirgendwo verlegt sein und soll eine Gesamtspielzeit von 4:30 Minuten nicht überschreiten.

Danke für das Interview.

Die CD “Xtra Ordinary, Volume 14” ist im Rockhouse Service Center, an der Abendkassa (nur bei Rockhouse-Veranstaltungen) und im Rockhouse Online-Shop auf http://www.rockhouse.at/shop.htm erhältlich.