„Der ‚eigene Stil‘ ist natürlich eine Definitionsfrage.“ – Robert Herbe und Edith Zehentmayer (Löffelzart) im mica-Interview

Eigentlich gehört Robert Herbe zu den bekanntesten Gesichtern der Salzburger Musikszene. Seit Jahrzehnten als Lichtechniker tätig, war er bei so gut wie allen grösseren Institutionen für die Lightshows zuständig. Seit knapp 10 Jahren kennt man ihn aber auch als aussergewöhnlichen Musiker, der mit Gitarre und Stimme Lieder über skurrile Alltagsbegebenheiten intoniert. 2020 entstand dann zusammen mit seiner Partnerin und Mitmusikerin Edith Zehentmayer das Duo Löffelzart. Heuer im Frühjahr kam unter dem Titel „Endlich“ das langersehnte Album-Debüt heraus. Eingespielt auch mit tatkräftiger Unterstützung vieler Helping Hands (Und diverser Familienmitglieder) servieren Löffelzart hier 15 Songs u.a. zum Leib und Magenthema der beiden („Cake of the Day“), aber auch über die Probleme mit klebrigen Finger Gitarre spielen zu wollen, und natürlich auch über die Wichtigkeit von Lichttechniker:innen bei Konzerten. Für mica hat sich Didi Neidhart mit Robert Herbe und Edith Zehetmayer zum Interview getroffen.

Robert, du bist seit Jahrzehnten in der Salzburger Musikszene als Lichttechniker bekannt. Wie kam es, dass du dann plötzlich selber zur Gitarre gegriffen hast?

Robert Herbe: Ich wurde vor ungefähr 10 Jahren auf die Bühne „genötigt“: die Choreographin und Tänzerin Nayana Bhat, mit der ich als Lichtdesigner zusammengearbeitet hatte, fragte mich, ob ich Lust zu einer gemeinsamen Produktion hätte. Ohne nachzufragen habe ich zugesagt und plötzlich stand ich als Performer und Musiker auf der Bühne.

Hattest du vorher schon Erfahrungen als Musiker, oder war das ein (spätes) erstes Mal?

Robert Herbe: Erfahrungen hatte ich nur im privaten Umfeld.

Waren die ersten Songs eher „schwere Geburten“ oder gingen die eh leicht von der Hand?

Robert Herbe: Der erste Song „Don’t Robert me“ entstand unter Zwang, Druck und Drohungen. Only joking, ich wurde dazu genötigt, gedrängt und überredet.

Soweit ich mich erinnere war dein erster offiziell veröffentlichter Song 2016 „They Always Just Say Thank You To The Soundguys“ auf der zwanzigsten Ausgabe des vom Salzburger Rockhouse jährlich herausgegebenen und zusammengestellten „Xtra-Ordinary“-Samplers. Da gehts ja um deine Berufserfahrungen als Lichttechniker bzw. wie wenig denen bei Konzerten von der Bühne herab gedankt wird. Wie prägend waren bzw. sind jetzt generell Begebenheiten aus deinem Berufleben für deine Songs?

Robert Herbe: Der „Soundguy“-Song hat wirklich dazu geführt, daß manche Musiker:innen mit uns Techniker:innen bewußter umgehen. Generell sind Themen aus meiner beruflichen Tätigkeit immer wieder in Songs vertreten. Bei „The Interview“ beschreibe ich die nervösen letzten Minuten vor einem Telefoninterview für Radio Rockhouse z.B. mit Martin Jacque von den Tiger Lillies oder im „Music Talk“ einen, zusammen mit dem mica abgehaltenen Workshop der Rockhouse Academy. Während der Corona-Phase entstand „Das Festival ist abgesagt“, in dem die Situation der selbstständigen Kunstschaffenden thematisiert wird. „Kulturdienstleister“ reflektiert meine Zeit bei den Salzburger Festspielen, und das „Fegefeuer der unvollendeten Lieder“ beschreibt das Gefühl, das mich bei manchem Soundcheck beschleicht.

„Der ‚Soundguy’-Song hat wirklich dazu geführt, daß manche Musiker:innen mit uns TechnikerInnen bewußter umgehen.“ 

Was würdest du als langjähriger Lichttechniker über die Funktion des Lichts bei Live-Konzerten sagen bzw. Musiker:innen gerne mal ins Stammbuch schreiben?

Robert Herbe: Das Licht soll einen Rahmen schaffen für das, was auf der Bühne passiert, Stimmung wiedergeben Atmosphäre mitgestalten, darf aber nie Selbstzweck werden. Im Idealfall spiele ich als Lichtler mit der Band mit. Das funktioniert umso besser, je mehr Informationen ich von der Band bekomme, was sie haben möchten und – noch wichtiger – was sie nicht wollen: Nebel, Stroboskop, Blackouts. Im Idealfall gehen wir eine Setlist vor dem Auftritt gemeinsam durch, besprechen Farbwünsche, Soli, Auftritte von Special Guests etc. Und ganz wichtig: Die beim Einleuchten fixierten Positionen auch beim Auftritt einhalten, sonst stehen drei perfekt im Licht und einer im Halbdunkel – gerne auch, wenn gefilmt wird.

Ab wann hast du bemerkt, dass dein Tun als Singer-Songwriter doch mehr sein könnte als nur so eine Art Privathobby?

Robert Herbe: Ich habe sehr schnell Gefallen daran gefunden, auf der Bühne zu stehen, habe gespürt, dass das Publikum mit meinen Texten und der Musik, die ich schreibe, etwas anfangen kann und habe viele positive Rückmeldungen bekommen. Dass das Live-Musikmachen auch beinharte Arbeit bedeutet – Songwriting, Proben, Repertoire erweitern, sich ums Equipment kümmern – habe ich durch meine berufliche Tätigkeit ja gewußt und habe mich sehr schnell in dieser Rolle wohlgefühlt.

Löffelzart (c) Pressefoto

Auf der Homepage ist bei der Selbstbeschreibung von „vielen Vorbildern und Einflüssen, aber (einem) eigenen Stil“ die Rede. Jetzt warst du ja in deinem Leben sicher schon bei weit mehr als 1000 Konzerten und bist daneben ja auch bei der Salzburger Radiofabrik für das „Radio Rockhouse“ zuständig. Wird einem nicht auch mal zuviel? Bzw. wie kann sich bei all der Fülle und Menge an Genres und Musiker:innen und Epochen überhaupt ein „eigener Stil“ herauskristallisieren?

Robert Herbe: Ich denke, es waren eher 2000 Konzerte, ich habe irgendwann nicht mehr Buch geführt. Der „eigene Stil“ ist natürlich eine Definitionsfrage, rückblickend erkenne ich bei manchen Songs, woher dieser eine Satz kommen könnte oder eine Formulierung oder eine Akkordfolge. Mein Songwriting ist sehr intuitiv, mir fällt eine Situation ein oder auf, dazu eine Melodie-Idee und nach vier Stunden ist der Song fertig. Oder nach sechs Monaten. Oder einem Jahr. Oder nie. Und wegen des Zu-Viel-Werdens kann ich nur sagen: Bisher nicht.

„Die anderen Musiker:innen haben zu uns und unseren Liedern gefunden und unsere musikalisch Bandbreite sehr erweitert.“

Schaut man auf deiner Homepage nach, hast du von Anfang an relativ viel Live-Konzerte gespielt, woran sich auch bis heute nichts geändert hat. Wie kommst du zu deinen Gigs und was würdest du anderen Musiker:innen raten, die sich dabei eher schwer tun?

Robert Herbe: Leider kann ich kein Patentrezept geben, ich habe viele meiner beruflichen Kontakte genutzt, um nach Auftrittsmöglichkeiten zu suchen und habe dabei oft Glück gehabt. Wichtig ist aber auch offen sein, kommunikativ, einschlägige Veranstaltungen besuchen (zum Beispiel die Workshops der Rockhouse Academy), sich mit anderen Musiker:innen austauschen. Oder du machst die aufwendige Variante: Ich habe jetzt drei Jahre hintereinander Roberts Musik – & Literaturkabinett veranstaltet. Jeweils eine Woche im Salzburger Kunstverein in einem Raum mit ca. 35 Personen Fassungsvermögen. Da spielte Löffelzart jeden Abend als Hausband, dazu täglich Musiker:innen, Schriftsteller:innen und Performer:innen, alles bei freiem Eintritt. Dazu habe ich gelernt, wie man eine Projektförderung beim Magistrat Salzburg beantragt, damit ich Gagen zahlen konnte. Also eigene Initiative und ausprobieren.

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2020 kam es dann zur Gründung des Duos Löffelzart, bei dem du von deiner Partnerin Edith Zehentmayer tatkräftig an Gitarre, Bass und Gesang unterstützt wirst. Auch die CD „Endlich“ erscheint unter diesem Namen. Ab wann war für dich klar, dass du doch kein Solo-Act (mehr) sein willst und wie kam es zum Namen „Löffelzart“?

Robert Herbe: Die durch Corona erzwungene berufliche Untätigkeit hat dazu geführt, dass wir „meine“ Songs gemeinsam erarbeitet, geprobt und  – als es wieder möglich war – auch öffentlich gespielt haben. Solo spiele ich nur mehr in Ausnahmefällen. Der Name ist uns von einer Plakatwand entgegengesprungen und hat uns beiden gleich gut gefallen.

Edith, wie war das, plötzlich Musikerin zu sein? Hattest du vorher schon entsprechende Erfahrungen?

Edith Zehentmayer: Die aktive Verbundenheit mit Musik ist für mich seit meiner Kindheit gegeben: Flötenspiel und Kinderchor im damaligen Salzburger Musikschulwerk (jetzt Musikum). Mit 10 Jahren begann ich Klavier zu lernen, was mit dem Maturaabschluss endete. Gitarre lernte ich vor allem im Selbststudium. Das Singen, besonders im Chor, hat mich einige Zeit in meinen jungen Jahren intensiv begleitet, Rhythmik und tiefe Töne haben mich schon immer besonders interessiert. So war der Einstieg in das Spiel mit der akustischen Bassgitarre eine gute Fortsetzung meiner bisherigen musikalischen Reise. 

„Die Ideen kommen zu mir, ich kann sie nicht immer greifen und festhalten, aber sehr oft gelingt es.“

Ihr vermittelt Live ja einen durchaus ungekünstelten und spontanen Eindruck, mit auch viel Platz für – ich sag mal – Situationskomik, wo dann auch Fehler nicht schlimm, sondern eher sympathisch sind. Aber wie war das dann bei den Studio-Aufnahmen? Gings da ebenso locker zu, oder doch etwas anders?

Edith Zehentmayer: Ich hatte bis dahin noch kaum Erfahrungen mit Studioaufnahmen gemacht. Anfangs war ich sehr nervös und unsicher. Durch die Zusammenarbeit mit Wolfgang Schramml wich meine Nervosität allmählich. Die Freude am Spielen und das Feilen an den Stücken macht mir jetzt große Freude. Ich denke, ich wäre jetzt in manchen Situationen auch etwas mutiger im Ausdruck.  

Robert Herbe: Die Arbeit im Studio war für mich sehr herausfordernd und anstrengend, weil ich live einen Song nicht immer im gleichen Tempo spiele, manchmal zwei oder vier Wiederholungen von bestimmten Passagen oder eine andere Akkordfolge, je nach Tagesverfassung – das geht im Studio gar nicht. Ich habe bei den Aufnahmen sehr viel gelernt, auch Dank Wolfgang Schramml, der nicht nur als Soundingenieur sensationell ist, sondern auch als Ideengeber und Korrektiv einen entscheidenden Beitrag zum Gelingen der CD beigetragen hat.

An der der CD sind neben dem Producer Wolfgang Schramml mit Markus Marageter, Julia Lehnert, Sarah June Herbe, Florian Zehentmayer und Johanna Stütz ja auch jede Menge anderer Musiker:innen (und Familienmitglieder) mit vertreten, die teilweise auch zuvor schon Live mit euch aufgetreten sind. Wie hat sich diese nochmalige Erweiterung eures Duos ergeben?

Edith Zehentmayer: Wolfgang hat sich dankenswerterweise während der Aufnahmen schon mit Ideen und verschiedenen Klängen eingebracht, die dann in Absprache mit uns angewendet wurden. Markus beschenkte uns mit seinen Sounds, nachdem er zufällig im Studio bei Wolfgang unsere in Arbeit befindlichen Aufnahmen gehört hatte. Julia kam durch einen glücklichen Zufall dazu. Sie studiert am Mozarteum und spielt die Geige so wunderschön. Sarah ist bereits seit ihrer Jugend musikalisch tätig, früher mit ihrer Band Kalliopi, und jetzt sehr gerne mit uns. Für Florian und Johanna haben sich die Lieder, die sich auf sie beziehen, zum Mitmachen angeboten und sie waren bereit es zu tun. 

Robert Herbe: Die anderen MusikerInnen haben zu uns und unseren Liedern gefunden und unsere musikalisch Bandbreite sehr erweitert.

Löffelzart live (c) Pressefoto

Wie schon zuvor erwähnt, gab es im Februar dieses Jahres im AppendiX Art Hub des Salzburger Kunstvereins das Festival Roberts Musik & Literaturkabinett wo ihr auch schon mit Gästen aufgetreten seid. Ist das ein grundlegendes Konzept von euch? Also nicht nur als Duo aufzutreten sondern möglichst zusammen mit anderen Gleichgesinnten?

Edith Zehentmayer: Ich spiele sehr gerne im Duo. Ich mag es aber auch sehr, wenn andere Musiker:innen dazukommen. Es ist für mich immer eine Bereicherung, sehr interessant, bringt Freude und macht Spaß.

Robert Herbe: Wie bereits oben erwähnt hat dieses kleine Festival bereits drei mal stattgefunden, die Planung für 2027 läuft. Das Musikmachen mit anderen Musiker:innen ist immer spannend, und es besteht die Chance, etwas Neues auszuprobieren, etwas zu lernen oder weitere gemeinsame Projekte zu planen.

„Der ‚Cake‘ ist Sinnbild für den täglichen Genußmoment, das kurze Durchatmen und Innehalten, egal, wievielt gerade los ist.“

Jetzt haben die einzelnen Songs ja durchaus nicht alltägliche Titel. Ich denke da an „Am Samstag hat die Katze frei“, „The guy with the lyra“, „You can´t play guitar with melon sticky fingers“, „Mein Obst ist die Kirsche im Mon Cheri“. Zwar steht diesbezüglich auf der Homepage etwas von „Geschichten – aus dem Leben gegriffen, Momente – eingefangen, Situationen – erspürt“, aber das kann ja viel bedeuten. Ab wann wird aus Alltagssituationen und Beobachtungen dann wirklich ein Song an dem ihr dann auch arbeitet? 

Edith Zehentmayer: Robert ist von uns beiden der Songschreiber.  Manche Situationen bekomme ich mit, weil sie auf gemeinsam erlebten Situationen gründen. Dann sagt Robert so nebenbei einen Satz, wie z.B „Am Samstag hat die Katze frei.“, weil die Katze in einem Hotel am Weg zum Frühstücksraum am Samstag plötzlich nicht, wie an den Vortagen, auf dem Sofa liegt. Da denke ich dann, ah – möglicherweise wird das ein Lied. Beim Lied mit der Lyra nahm ich die spontane Situation, die zwischen Robert und Ilias in einem griechischen Musikgeschäft entstanden ist, mit dem Handy auf und so konnten wir im Studio die Originaltöne von Ilias Dimitriadis im Lied verwenden. 

Robert Herbe: Die Ideen kommen zu mir, ich kann sie nicht immer greifen und festhalten, aber sehr oft gelingt es.

Wer euch im Internet folgt, weiß um eure Leidenschaft für Kuchen.  „Songs about Lights, Love & Cakes“ steht dann auch ganz groß auf der Homepage. Auch die Covergestaltung greift auf dieses Thema zurück. Mögt ihr einfach Süßes oder hat es mehr damit auf sich? Oder anders gefragt: Was verbindet eure Musik mit Kuchen?

Edith Zehentmayer: „The cake of the day“ ist Roberts Erfindung. Gerne genieße ich diese Auszeit auch gemeinsam mit ihm und manchmal ergeben sich dabei auch Gespräche oder Ideen, die mit unserer Musik im Zusammenhang stehen. 

Robert Herbe: Der „Cake“ ist Sinnbild für den täglichen Genußmoment, das kurze Durchatmen und Innehalten, egal, wieviel gerade los ist.

Wie wird es jetzt nach der Veröffentlichung von „Endlich“ weitergehen?

Edith Zehentmayer: Ich freue mich über die Möglichkeit mit unserer Musik tätig zu sein und hoffe, dass es so weitergeht – mit Live-Auftritten und manchmal auch einer Aufnahme im Studio. 

Robert Herbe: Wir versuchen, möglichst viel live zu spielen und unsere Musik „unter die Leute“ zu bringen und weiterhin ein aktiver Teil der Salzburger Musikszene zu sein.

Danke für das Interview.

Didi Neidhart

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