„Das, wofür wir brennen“ – das Label Panta R&E im mica-Porträt

Das Wiener Independent-Label „Panta R&E“ hat mit MOTHER’S CAKE, LAUSCH und PARASOL CARAVAN einige der heißesten Eisen der alternativen österreichischen Subkultur im Feuer. Der Schritt aus der Subkultur in eine breitere Öffentlichkeit soll 2016 mit weiteren ansprechenden Veröffentlichungen und mehr Veranstaltungen gelingen. Definitiv ein Label, das man als Rockfan auf dem Radar haben sollte!

Laut Internet-Eigendefinition steht „Panta R&E“ für „Alternative, Progressive, Psychedelic und Stoner Rock“. Sieht man sich die weiteren Bands und KünstlerInnen des Labels wie etwa MILK+, She and the Junkies, Palindrome und Solar Blaze an, fällt es schwer, dem nicht zuzustimmen. Es ist eine Ansammlung an jungen österreichischen Bands, die durchaus auch als „Hoffnungen“ bezeichnet werden können. So ähnlich sieht das auch Jonathan Gabler, zuständig für Artists und Marketing im Hause „Panta R&E“: „Wir freuen uns, dass es hierzulande eine Szene gibt, die meiner Meinung nach sehr stark ist, die sehr viel Potenzial und auch Zuhörerinnen und Zuhörer hat. Ich denke, dass wir eine gute Aufbauarbeit mit einigen Newcomer-Acts leisten.“ Es lässt sich festhalten, dass „Panta R&E“ durchaus einen wichtigen Beitrag für die österreichische Rockszene leistet.

Das Plus des Labels

Was aber genau macht „Panta R&E“ für seine MusikerInnen, was ist das Plus für die Bands?
Die Kernkompetenz sieht Gabler darin, die Musik unters Volk zu bringen. „Ich kümmere mich darum, dass die Musik, die auf unsere Tonträger kommt, eine Exposition in den Medien erfährt. Das heißt, wir machen die Promotion, unterstützen beim Marketing und beraten bei der Positionierung.“ Die Sache mit der Exposition in den Medien funktioniert ja schon mal ganz gut, wie man auch anhand dieses mica-Porträts sehen kann. Damit sogenannte „Rock-Jünger“, das Volk quasi, die Tonträger auch erwerben können, gibt es eine Partnerschaft mit dem deutschen Vertrieb „Rough Trade Distribution“. So können die Veröffentlichungen des Labels auf der ganzen Welt erstanden werden, wobei anfangs Schwerpunkte auf Österreich, Deutschland und die Schweiz gelegt werden sollen. Bei der Beratung und Unterstützung der Schützlinge verfolgt das Label laut Gabler eine besondere Herangehensweise: „Also bei der Identitätsfindung und der kreativen Selbstfindung von Newcomerinnen und Newcomern sowie von etablierten Bands helfen wir, den nächsten Schritt zu machen. Wir setzen genau dort an, wo es vorher noch gehapert hat.“

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Team Panta R&E (c) Panta R&E

Es geht sozusagen also darum, den Finger auf die Wunde zu legen, um einer Band jenen neuen Input oder letzten Schub zu geben, den sich diese in Eigenregie oft nicht mehr geben kann. Nicht selten laufen sich KünstlerInnen in ihren eigenen Vorstellungen fest und beginnen zu stagnieren. Da ist ein Fingerzeig von außen oft genau das Richtige, definitiv ein Plus von „Panta R&E“ als Label also. Gabler zählt zu den Leistungen des Labels darüber hinaus das Booking, das Management, die Finanzierung und die Projektleitung. Dazu gehören bei „Panta R&E“ auch kreative Wege, um die Bands zu unterstützen. Bei Mother’s Cake, Lausch, Parasol Caravan und She and the Junkies haben etwa Crowdfunding-Projekte zu erfolgreichen Releases beigetragen.

Im Duo mit der GAB Music Factory

Ein rascher und von wenigen Hindernissen geprägter Start des 2015 gegründeten Labels wurde auch durch einen weiteren Faktor begünstigt: „Wichtig ist, dass wir eine Homebase haben, nämlich die GAB Music Factory“, erzählt Jonathan Gabler. In Zusammenarbeit mit dem Produzenten Georg Gabler werde auch viel Kreativarbeit in diesem Studio in Wien geleistet, wodurch die Produkte des Labels im besten Fall hausgemacht seien. Vom Aufnahmeprozess einer Band in der GAB Music Factory bis zur Veröffentlichung auf „Panta R&E“ bleiben im Optimalfall also alle Schritte in eigener Hand. Dies heißt im Falle dieses Labels auch: innerhalb der Familie. Im Studio hat der Vater die Fäden in der Hand, das Label selbst läuft unter der Leitung des Sohnes. Studio und Label, Vater und Sohn: ein doppelter Old-school-Ansatz, wenn man so will. All dies bedeute wiederum aber auch keine Exklusion von Bands, die an anderen Orten aufnehmen: „Wir versuchen, eine gesunde Mischung zu finden.“ Dass Bands aber gerade durch ebendiese Vernetzung fruchtbare Bedingungen auf allen Ebenen vorfinden, um ihre Musik in die Welt hinauszutragen, lässt sich kaum bestreiten.

Der nächste Schritt

Der nächste Schritt für das junge Label ist, neben weiteren qualitativen Veröffentlichungen auch mehr Publikum zu erreichen und Fans nicht nur an die Bands, sondern auch an „Panta R&E“ zu binden. „Langfristiges Ziel ist es, eine Community hinter dem Label zu schaffen, also die Fans, aber auch eine Infrastruktur“, so Gabler. Er verweist auf Pläne für eine Veranstaltungsreihe in Wien, Linz und Innsbruck, bei der auch internationale Bands gebucht werden sollen, die dann von ÖsterreicherInnen eingerahmt werden. Bei solchen Überlegungen von Veranstaltern handelt es sich freilich um die Idee einer klassischen Win-win-Situation: Die namhafte internationale Band bringt das generelle Interesse an der Veranstaltung bei der Zielgruppe und die lokalen Bands bringen das tatsächlich erscheinende Publikum. All diese Pläne und Überlegungen sollen laut Jonathan Gabler letzten Endes dazu führen, „dass es uns möglich ist, die Musik, die wir wirklich geil finden, das, wofür wir brennen, unabhängig von den wirtschaftlichen Gegebenheiten dieser Band zu veröffentlichen. Wir wollen natürlich ein Hauptaugenmerk auf die Musik legen können.“ Ehrliche Labelarbeit also. Nicht zuletzt deshalb: unterstützenswert!
Die angesprochene Veranstaltungsreihe gibt es übrigens bereits in Wien: die Panta R&E Labelnight, die regelmäßig in der Szene Wien stattfindet.

Sebastian J. Götzendorfer

 

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Panta R&E
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