Bild David Stellner
Bild David Stellner (c) Magdalena Blode

DAVID STELLNER DUO – „Mein lieber Freund und Zwetschkenröster”

Wenn einer musikalisch in Wien nichts anbrennen lässt, dann ist das Singersongwriter DAVID STELLNER. Im Duo mit RAPHAEL WIDMANN kommt nun sein neuestes Album auf den Markt. Beide sichern sich mit frech vertontem Schmäh den verdienten Platz unter denen, die neues Wienerlied schaffen.

Die Zutaten: Zwei am Gesang, der eine davon mit Gitarre, der andere mit Geige, eine Prise Dreivierteltakt, Wechselbass, auch mal Reggae, frische, alltagsbezogene Inhalte in Mundart, ein Schuss Tanzbarkeit und Rock ’n‘ Roll im Herzen. Das kleine, feine (quasi) „Packl“ mit niederösterreichischen Wurzeln feiert nach ausgiebigem Bühnenspiel endlich die Veröffentlichung eines schönen Livealbums.

David Stellner gelingt es immer wieder, auch mal bissig beim Namen zu nennen, was sich viele denken. Er macht dabei der Wiener Musik alle Ehre – auch dem Austropop im Übrigen – und hat ein Gespür für die Anliegen der kleinen Frau und des kleinen Mannes. Die Songs gehen von New York über Bibione bis in die Hauptstadt der Musik.

Am Punschstand, wo si olle de Zechn o’gfrean…

Cover Zwetschkenröster
Cover Zwetschkenröster

… sind nicht nur wollerne Männerunterhosen unpeinlich. Es leben das Selbstgemachte, wie „Söwa gstrickte Seckln“, „Supperln“, das Heimelige, das Gemütliche, soziale Wärme inklusive. Viel Verständnis bringt der von draußt vom Waldviertel herkommende David Stellner auch für das natürlich erwachsende Gefühl des „Jedem-eine-reinhaun-Können“ auf und huldigt Automatismen wie Abgestumpftheit und Gewöhnungseffekt, die ein Leben in diesem Ballungszentrum an der Donau überhaupt erst möglich machen, nicht nur bezüglich Bezirksämtern.

Wos hot da Alk aus dir gmocht, du schaust so grauslich aus?!

Zwischen Lieg‘n reservieren und Bademeisterschickskandalgeschichten, wie im neuen YouTube-Video, wird sich kein Blatt vor den Mund genommen. Das auch im umliegenden Ausland sehr aktive Duo scheut sich zudem nicht, teils berührende, teils brutal direkte zwischenmenschliche Sager aufs Tapet zu bringen, denn was wäre der Alltag ohne Freundschaft und Liebe?

Kana was, wos drin is in dem Tisch

Als Könner zeigen sich die Künstler auch im letzten Titel skurril und wortverspielt, was der Scheibe einen reizvollen Abschluss verleiht. Der Song widmet sich den wirklich wichtigen Fragen des Lebens. Sehr geschmeidig fügt sich dort wie im gesamten Album das Spiel der Geige Widmanns ein und trägt zum ganzheitlichen Wiener Sound bei.

Die Instrumente bescheiden sich professionell auf das Dienlichste und die oft zweistimmig geführten Gesänge harmonieren in Selbstverständlichkeit. Dem nicht genug, basiert dieser Charme auf einem kräftigen Spritzer Selbstironie. Somit ist den Grundpfeilern des Wienerliedes mehr als gedient: immer spitzzüngig, immer augenzwinkernd, aus Liebe, versteht sich – ehrlich und darum herzlich.

Alexandra Leitner

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