“Smogstar” ist das vierte Album der Wiener Post-Punk Band Culk, welches am 4.9.26 auf Siluh Records erschienen ist, und von Sophie Lindinger (My Ugly Clementine/Leyya) produziert wurde.
„Bin ich schon wer ich bin, oder noch Erzählerin?“ Eine ziemlich große Frage, die CULK auf ihrem vierten Studioalbum „smogstar“ (Silur Records) da eher beiläufig in den Raum stellen.
Und irgendwie hängt sie über der ganzen Platte. Diese Frage aus „im strom“ verdichtet eine Spannung, die sich durch die Texte zieht: die Sehnsucht, bei sich selbst anzukommen, und die Unsicherheit, wer dieses Selbst überhaupt ist. Das Wort „schon“ lässt Identität wie einen Zustand erscheinen, den man irgendwann erreichen könnte.
Sophie Löw und ihre Band Johannes Blindhofer, Jakob Herber und Christoph Kuhn beschäftigen sich mit diesem seltsamen Zwischenzustand, in dem man ziemlich genau weiß, wer man nicht mehr sein möchte, aber noch nicht ganz herausgefunden hat, wer stattdessen übrig bleibt.
Die Stadt bietet dafür die passende Kulisse. Neue Straßen, neue Leute, neue Möglichkeiten – viel Ablenkung und auch genügend Anonymität, um die eigenen Spuren gleich wieder zu verlieren oder sich immer wieder neu zu erfinden.
In „weiß nur wer ich nicht bin“ wird daraus sogar ein „Frankensteinskind“, das in Stücke gerissen und neu zusammengenäht wird. Identitätsfindung also weniger als Wellness-Retreat mit anschließendem neuen Ich, sondern eher als lebenslange Bastelarbeit mit sichtbaren Nähten. Mal passt das neue Selbst ganz gut, an anderen Tagen eher weniger. Persönlichkeitsentwicklungs-Coaches würden vermutlich empfehlen, öfter dem Sonnenkind zuzuhören. Auf „smogstar“ bekommt allerdings meistens das Schattenkind das Mikrofon in die Hand. Für die Hörer ist das in diesem Fall aber die eindeutig interessantere Besetzung.
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Musikalisch wird daraus auch keineswegs eine einzige graue Nebelwand. Im Gegenteil: Die Arrangements sind ausgesprochen raffiniert gebaut und markieren die unterschiedlichen Formteile so deutlich, dass die Songs trotz aller inneren Unruhe erstaunlich zielgerichtet wirken. Strophen ziehen sich zurück, Übergänge bauen Spannung auf – und wenn der Chorus kommt, schlägt er ziemlich genau dort ein, wo er soll. CULK verstehen es, komplexe Gedanken in sehr klare Rocksong-Dramaturgien zu übersetzen.
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Besonders schön gelingt das bei „Kaputte Speaker“. Ausgerechnet das Liebeslied der Platte gehört zu ihren herausstechenden Momenten. Zwischen all den Fragen nach Selbstbild, Veränderung und Zugehörigkeit darf plötzlich auch einfach jemand anderes wichtig werden – selbstverständlich nicht ohne ein paar Risse im Gehäuse. Doch hier verschwinden plötzlich alle Zweifel.
Und vielleicht liegt darin ohnehin eine mögliche Antwort auf die große Identitätsfrage des Albums. In „Das Schillern“ heißt es am Ende: „Ich bleibe mein Schillern.“ Man muss sich also möglicherweise gar nicht irgendwann auf eine endgültige Version seiner selbst einigen. Je nach Licht ein bisschen anders auszusehen, ist schließlich noch lange kein Defekt. „smogstar“ macht aus dieser Unsicherheit keine Schwäche, sondern ziemlich starke Rocksongs.
Dominik Beyer
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Live:
16.09.2026
DE – Jena, Trafo
17.09.2026
DE – Hamburg, Uebel & Gefährlich, Turmzimmer
Reeperbahn Festival
18.09.2026
DE – Münster, Gleis 22
19.09.2026
DE – Flensburg, Volksbad
21.09.2026
DE – Köln, Bumann & Sohn
22.09.2026
DE – Düsseldorf, Zakk
23.09.2026
DE – Nürnberg, MUZ
24.09.2026
DE – Karlsruhe, Kohi
25.09.2026
DE – Mainz, Schon Schön
26.09.2026
DE – Schorndorf, Manufaktur
01.10.2026
AT – Wien, Flex
Album Release Show
16.10.2026
AT – Salzburg, ARGEkultur
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Links:
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Siluh Records
