
Nein, in irgendeine stilistische Schublade oder Kategorie lässt sich das, was die sechs Herren abliefern, nicht stecken. Dafür räumt das Boris Hauf Sextet zu sehr mit allem auf, was nur im Entferntesten mit herkömmlichen und gewohnten Formaten zu tun hat. Es sind das Spiel der freien Kräfte, die avantgardistische Auslotung des klanglich und musikalisch Möglichen sowie der Versuch, etwas ganz Neues zu erschaffen, was von den ungemein experimentierfreudigen Protagonisten zelebriert wird. Die faszinierend leichtfüßige Art, mit welcher die drei Saxophonisten Boris Hauf, Keefe Jackson und Jason Stein und die drei Schlagzeuger Frank Rosaly, Steven Hess und Michael Hartman mit den Begriffen Free Impro, Jazz, Klangkunst und Elektronik umzugehen wissen, diese nach eigenen Klangvorstellungen umzumodeln verstehen und in einem höchst eigenwilligen, manchmal sehr schrägen und an Nuancen umso reicheren Gesamtsound aufgehen lassen, offenbart sich schlicht als die allerhöchste Kunst des freien Spiels.
Boris Hauf Sextet – Eighteen Ghost Roads by mica
Das wirklich Schöne am Musikentwurf dieser außergewöhnlichen Band ist, dass eine wirkliche Vorhersage darüber zu treffen, in welche Richtung sich ein Stück tatsächlich entwickeln wird, zu keinem Zeitpunkt möglich ist. Bewusst werden von den sechs virtuos agierenden Instrumentalisten immer wieder falsche Fährten gelegt, um dann im nächsten Moment mit spontanen und aberwitzigen Wendungen zu überraschen. Zugegeben, die wirklich leichte Kost ist es nicht, welche der Sechser anbietet. Aber dennoch, man fühlt sich trotz aller nicht bestreitbaren Komplexität und Sperrigkeit auf eine faszinierende Art und Weise gezwungen, sich der Herausforderung zu stellen, die CD vom Anfang bis zum Ende durchzuhören. Was eigentlich den eigentlichen Beweis für die herausragende Qualität dieses Musikexperiments liefert.
„Next Delusion“ ist ein Stück Musik geworden, das eindrucksvoll unterstreicht, welch faszinierendes Klangerlebnis man von allen Scheuklappen befreit und mit dem Mut zum Experiment erschaffen kann. Aufgeschlossene Musikliebhaber, die sich auch gerne auch einmal auf neue Sachen einlassen, sollten diese CD daher auf jeden Fall einer intensiven Gehörprobe unterziehen. (mt)