Binder & Krieglstein live im Röda

Nun, über Rainer Binder-Krieglstein lässt sich vielleicht vieles sagen, nur nicht, dass er jener Gattung von MusikerInnen angehört, die sich einzig in der ständigen Wiederholung üben. Kennt man das bisherige Schaffen des Grazers, weiß man, dass er stets versucht, sich im Stil von Album zu Album neu zu erfinden und mit Vorliebe auch schon mal die bereits betretenen Pfade verlässt. Nicht anders verhält es sich mit seinem im vergangenen Jahr erschienenen fünften Album „Jugend“, auf dem er musikalisch einmal mehr die radikale Abkehr von allen funktionierenden Erfolgsmodellen vorexerziert. Was der Schlagzeuger in seinen neuen Stücken vollzieht, ist eine Art Rückkehr zu den eigenen Wurzeln, zum Elektropop alter Prägung, welcher durch die stileübergreifende und moderne Interpretation eine zeitgemäße Deutung erfährt. Die nächste Gelegenheit, Binder & Krieglstein live zu erleben, gibt es am 22. Feber im Röda in Steyr.

Das Schöne an den Alben von Binder & Krieglstein ist, dass man nie wirklich vorhersagen kann, in welche Richtung es einen als Hörer musikalisch tatsächlich verschlagen wird. Verfolgte Rainer Binder-Krieglstein auf seinem 2010er Werk „New Weird Austria“ noch das Ziel, die Volksmusik in einem popmusikalischen Kontext neu aufgehen zu lassen, wendet sich der Grazer, dem am Mikrophon wie schon in der Vergangenheit Sängerin Makki zur Seite steht, auf seinem nunmehr fünften Album jenen Sounds zu, die ihn einst in hohem Maße geprägt haben.

Elektronische Popmusik ist angesagt. Diese aber erfährt, wie sollte es bei diesem Künstler auch anders sein, eine ganz eigene und sehr abwechslungsreiche Interpretation. Irgendwie erklingen die neuen Stücke, welche man quasi auch als eine Zusammenfassung des bisherigen musikalischen Schaffens des Grazers verstehen kann, wie ein stilistischer Spagat zwischen dem Sound der 90er und jenem der Jetztzeit.

Sich irgendwo zwischen Techno, Reggae, melodiösem Synthie-Pop, der Neuen Deutsche Welle  und Volksmusik bewegend, bringt Rainer Binder-Krieglstein einmal mehr Songs auf den Weg, die ihren Ausdruck vor allem in einer für den Pop ungewohnten stilistischen Breite findet. Keine seiner neuen Nummern klingt auch nur annähernd wie eine andere, was auch Raum für manche musikalische Überraschungen schafft.

der musizierende Schlagzeuger präsentiert sich heute also genauso wie noch zu Beginn zu seiner Karriere als ein sehr eigenständiger und in seinem Stil unverwechselbarer Künstler abseits des hierzulande doch sehr ausgeprägten musikalischen Pop-Mainstreams. Ein schönes Zeichen dafür, dass der Grazer seinen kreativen Zenit erfreulicherweise noch lange nicht überschritten hat. (mt)

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