Mathias Ruppnig Quintet – „FOAM“

Mit „FOAM“ legt der aus Österreich stammende und seit vielen Jahren in Berlin lebende Schlagzeuger und Komponist Mathias Ruppnig sein drittes Studioalbum vor. Gemeinsam mit einer hochkarätig besetzten Formation – bestehend aus Kurt Rosenwinkel, Musina Ebobissé, Joandèr Cruz, Tony Tixier und Lorenz Heigenhuber sowie den Gästen Matilda Abraham und Roland Hanslmeier – entfaltet er eine Musik, die ihre Wirkung weniger aus spektakulären Einzelmomenten als aus der Qualität des gemeinsamen Spiels bezieht.

Ruppnigs Kompositionen setzen auf Offenheit und Entwicklung. Die Stücke folgen keinen geradlinigen Mustern, sondern entfalten sich in erzählerischen Bögen, in denen sich ruhige Passagen, rhythmisch anspruchsvollere Abschnitte und improvisatorische Freiräume organisch ergänzen. Der warme, weiche Gesamtklang lädt dazu ein, sich auf diese musikalischen Verläufe einzulassen, ohne dass dabei die innere Spannung verloren geht.

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Auffällig ist die stilistische Bandbreite des Albums. Moderner Jazz bildet zwar den Ausgangspunkt, doch immer wieder öffnen sich die Arrangements in andere Richtungen. Anklänge an den Progressive Rock der 1970er-Jahre treten ebenso hervor wie kraftvoll swingende Passagen, fein ausgearbeitete Grooves oder dezent eingesetzte elektronische Klangfarben. Trotz der komplexen Strukturen wirken die Stücke nie überfrachtet. Vielmehr gelingt es der Band, vielschichtige Arrangements mit einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit umzusetzen.

Besonders reizvoll sind jene Momente, in denen die Musik das Tempo zurücknimmt und Raum für feine Nuancen schafft. Diese ruhigen, beinahe schwebenden Abschnitte stehen in einem aufregenden Gegensatz zu den rhythmisch bewegteren Passagen, in denen raffinierte rhythmische Akzente das Geschehen prägen. Auch die Gastbeiträge – Matilda Abrahams Gesang in „Ivy“ und Roland Hanslmeiers Percussion in „Jimbo“ – fügen sich schlüssig in das Gesamtbild ein.

„FOAM“ lebt von seiner Ausgewogenheit. Das Album verbindet kompositorische Sorgfalt mit improvisatorischer Offenheit, stilistische Vielfalt mit einer klar erkennbaren musikalischen Handschrift. Dabei trifft eine gewisse Gefälligkeit im besten Sinne – eine Musik, die den Zugang leicht macht – auf eine Tiefgründigkeit, die sich erst im genauen Hinhören vollständig erschließt. Gerade weil Ruppnig und sein Ensemble auf vordergründige Effekte verzichten und stattdessen den kontinuierlichen Fluss der Musik in den Mittelpunkt stellen, entsteht ein Werk, das mit jedem Hördurchgang neue Facetten offenbart.

Michael Ternai

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