
Inhaltlich steht OUT OF CONTROL 2013 unter dem Titel „Haben oder Sein“, indem KünstlerInnen und Forschende verschiedener Kontinente, ausgehend von Erich Fromms Thesen von 1976, eine Anknüpfung an aktuelle Debatten und Themen suchen. Gerade in der heutigen Zeit der universellen Dominanz des „Habens“ ist es vordringlich, diese Vorherrschaft in ihren vielfältigen Formen und radikalen Konsequenzen künstlerisch zu hinterfragen.

Die beiden Österreichischen Erstaufführungen AMAZONAS: TILT! von Klaus Schedl und AMAZONAS: A QUEDA DO CEU!, mit Musik und Samples des brasilianischen Komponisten Tato Taborda, sind nun nach Aufführungen in München, Rotterdam und São Paulo auch in Wien zu sehen.
TILT! basiert auf Textfragmenten des „Entdeckerberichts“ Sir Walter Raleighs aus dem Jahr 1595, der aus der Perspektive der Europäer und Eroberer die im Amazonischen Regenwald beheimateten Menschen beschreibt. Klaus Schedl versetzt diese Texte, welche die Absicht der Ausbeutung und Vernichtung deutlich machen, in eine Klanglandschaft, in der die Ferne und Aktualität des historischen Berichts erfahrbar werden.
A QUEDA DO CEU! ist ein gemeinsam mit Yanomami-Schamanen in Brasilien entwickeltes Stück: es beschreibt aus der Perspektive der Indigenen die in den Amazonischen Regenwald eingedrungenen weißen Eroberer und vermittelt eine Ahnung eines anderen „Seins“, der Denkweisen, der Wahrnehmungs- und Gefühlswelt dieser Indianerkultur im Amazonischen Regenwald, die keinen Besitz kennt und in deren Sprache das „Haben“ nicht existiert.
Foto Franz Koglmann: Elfie Semotan
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