Die Tiroler Saxofonistin Yvonne Moriel zeigt mit ihrem Sweetlife Quartet auf „Sweetlife III“ (Minor Seven Records // VÖ: 21.11.) eindrucksvoll, wie sich klare melodische Ideen und komplexe musikalische Prozesse gegenseitig beflügeln können – und dass Offenheit im Klang nicht im Widerspruch zu prägnanten Formen stehen muss.
„Sweetlife III“ präsentiert ein Quartett, das Klang als offenen Raum begreift. Bandleaderin Yvonne Moriel, geprägt von Jazz- und Klassikausbildung, verfolgt seit Jahren einen Ansatz, der traditionelle Formen nicht verwirft, sondern als Ausgangspunkt nutzt. Grenzen versteht sie weniger als feste Linien denn als Passagen, durch die sich musikalische Gedanken in neue Richtungen verlängern lassen. Aus dieser Haltung entsteht ein Sound, der einen eigenen Charakter entwickelt, ständig in Bewegung bleibt, Verbindungen sucht statt Kategorien zu bestätigen und sich dadurch immer wieder auf spannende Weise verzweigt.
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Auf ihrem Debütalbum bündelt die 2024 mit dem Österreichischen Jazzpreis als Best Newcomer ausgezeichnete Yvonne Moriel gemeinsam mit ihren Mitmusiker:innen Lorenz Widauer (Trompete), Stephanie Weninger (Keys/Moog) und Raphael Vorraber (Drums) diese Perspektive zu einem gemeinsamen Klangverständnis. Zusammengehalten werden die Stücke nicht von einem festgelegten Stil, sondern von einer Haltung: Offenheit im Umgang mit Improvisation, ein präziser Blick für Form und eine Neugier, die unterschiedliche ästhetische Ansätze miteinander in Beziehung setzt. In diesem Rahmen fließen Einflüsse aus Jazz, Klassik, Dub, Elektronik, freier Improvisation und urbanen Grooves ein – nicht als bloße Mischung, sondern als Impulse, die das Material auf atmosphärische Weise in neue musikalische Räume tragen. Gastauftritte von Tobias Meissl (Vibrafon) und Vincent Pongrácz (Bassklarinette) setzen feine Akzente und erweitern die Textur um zusätzliche Farbnuancen.
Die Musik lebt vom Gleichgewicht aus unmittelbarer Zugänglichkeit und experimentierfreudigem Spiel. Motive treten klar hervor, lösen sich wieder, verschieben sich rhythmisch oder verzweigen sich in Nebenlinien, die den Verlauf subtil verändern. Formteile öffnen sich, geben Raum für spontane Variationen und bleiben dennoch in einem dichten Dialog miteinander verbunden.
Aus all dem entsteht ein Album, das sich einfachen Zuschreibungen entzieht. „Sweetlife III“ entfaltet einen Klang, der experimentell, sehr vielschichtig und verspielt wirkt, aber letztlich dennoch zugänglich bleibt. Was man präsentiert bekommt, ist Musik, die ihre Energie aus dem gemeinsamen Prozess bezieht und ihre Stärke daraus gewinnt, sich stets weiterzuentwickeln.
Michael Ternai
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Yvonne Moriel Sweetlife Quartet live
25.11.25 Porgy & Bess, Vienna AUT
28.11.25 JazzIt Salzburg AUT
29.11.25 Kulturverein Grammophon, Wattens AUT
11.12.25 Opus Jazzclub, Budapest HU
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