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Logo Proberaum Scheibbs ©Clemens Auer

„WIR WOLLEN, DASS SICH DAS MIT DER ZEIT ENTWICKELT, SO WIE SICH AUCH MUSIK UND KUNST STÄNDIG WEITERENTWICKELN“ – ALEXANDRA WOLLER UND TOBIAS PÖCKSTEINER [PROBERAUM SCHEIBBS] IM MICA-INTERVIEW

Der Verein Proberaum Scheibbs organisiert seit exakt zehn Jahren eine Reihe unterschiedlicher Kulturprojekte, wie Lesungen oder Konzerte in der gleichnamigen Bezirkshauptstadt im Mostviertel (NÖ). Als besonderer Verdienst des Vereins darf die Renovierung des ehemaligen Schülerheims gesehen werden, um dessen Räumlichkeiten kreativ Schaffenden jeglicher Herkunft zur Verfügung zu stellen. Der Speisesaal wurde somit als Proberaum für Bands aus der Umgebung zweckentfremdet. Daneben stehen auch Werkstätten für Holz- und Metallbearbeitung, eine Bibliothek und eine Dunkelkammer zur Verfügung. Im Rahmen der PROBERAUM AKTIONSTAGE bietet sich seit 2010 InteressentInnen die Möglichkeit, an einem mehrtätigen Workshop-Programm teilzunehmen. Unter kompetenter Anleitung darf dort auch heuer wieder vom 9. – 13.JULI gemeinsam geplant und experimentiert werden. Parallel dazu initiiert der Proberaum Scheibbs mit der INTERTONALE #3 vom 7. – 13.JULI ein Musikseminar von außergewöhnlicher Qualität. Bereits letztes Jahr ist es gelungen, u.a. mit MIRA LU KOVACS (Schmieds Puls, 5KHD), LUKAS KÖNIG (Kœnig, Koenig Leopold, Kompost 3, 5KHD), MARCO KLEEBAUER (Leyya), MARTIN SCHISKE (Johann Sebastian Bass)  und CEREN ORAN, bekannte VertreterInnen der österreichischen Musikszene als Mitwirkende zu gewinnen. Diesmal reiht sich neben Kleebauer mit SOPHIE LINDINGER, ihres Zeichens ebenfalls Teil des Duos Leyya, eine weitere bekannte Persönlichkeit ein. Ceren Oran, BERNHARD HAMMER (Electro Guzzi), ANNA KOHLWEIS (Squalloscope), ROBERT „Robo“ ZIMMERMANN und Klassikpianist MARINO FORMENTI sind ebenso vertreten. Tobias Pöcksteiner und Alexandra Woller haben im Gespräch mit Maximilian Weissensteiner einen Rückblick auf die ersten Gehversuche des Proberaums gegeben. Dabei erzählten sie von ihren bisherigen Erfahrungen in der Kulturarbeit und der nunmehr dritten Auflage der Intertonale.

Alle Mitwirkenden waren bereits vor Ihrer Gründung an verschiedenen Kulturprojekten beteiligt. Welche Umstände haben damals dazu geführt, dass der Verein Proberaum Scheibbs in der aktuellen Besetzung überhaupt zusammengefunden hat?

Alexandra Woller: Begonnen hat alles mit einem sehr kleinen Grüppchen, das hauptsächlich aus lokalen MusikerInnen bestand. Im Laufe der Zeit sind dann immer mehr dazu gekommen, auch jüngere Leute. Wie das Projekt dann gewachsen ist, haben sich langsam die Rollen herauskristallisiert. Wer sich mehr verantwortlich fühlt, wer weniger. Wenn ich da so zurückdenke, ist das relativ natürlich passiert. Vieles hat sich einfach so ergeben.

Tobias Pöcksteiner: Ich war am Anfang bei den OrganisatorInnen nicht dabei. Die Ursprungsidee war ganz klar: Einen Proberaum für die Bands aus der Region machen zu wollen. Ich war damals in so einer Band. Bei den Veranstaltungen hat sich das so ergeben, dass da schon Junge, wie ich, eingebunden wurden. Gerald (Zagler) hat immer wieder gefragt. Man hat versucht, Leute für dieses und jenes zu gewinnen.

Alexandra Woller: Das hat sich trotzdem natürlich ergeben. Eine Zeit lang gab es ein Kernteam von drei Personen. Das waren: Gerald (Zagler), Schorsch (Feierfeil) und ich. Wir, jene die für die Hauptorganisation der Veranstaltungen verantwortlich waren und um uns herum ein Helferteam bzw. die MusikerInnen. Daraus haben sich verschiedene Formate ergeben. Zuerst das Proberaumkonzert, dann sind die Aktionstage inkl. der Workshop –Reihe dazu gekommen. Uns war wichtig, dass die Proberaum-Bands selber eine Plattform kriegen, um zu spielen. Zudem wurden auch Bands aus Wien geholt, um das Programm zu ergänzen.

KOMPOST 3 zum Beispiel damals!               

 Alexandra Woller: Zum Beispiel, oder BulBul! Leute, wie Fabian Ressl, sind an uns herangetreten, wodurch das Beatlab entstanden ist. Das war eine Reihe für elektronische Musik, die ein bis zweimal über drei Jahre gelaufen ist. Das war dann alles schon sehr dicht und uns war es ein Bedürfnis, das wieder schlanker zu machen. Da der Aufwand recht groß war und wir alle nebenbei schon gearbeitet haben, ging das nicht mehr so einfach. Dabei kam uns die Idee, wieder auf kleinere Formate zu zählen, also kleine Konzerte unterm Jahr. Das Beatlab hat sich auch später verabschiedet. Das war immer eine ziemliche Lärmbelästigung für die Anrainer [lacht]. Somit wurden die Aktionstage und diverse Kleinformate für die Proberaumbands zu Hauptpunkten. Die Idee, ein Musikseminar ins Leben rufen zu wollen, war bei uns irgendwann im Hinterstübchen.

Tobias Pöcksteiner: Eigentlich hat sich vieles vom jetzt aktiven Team vor allem über die Intertonale gebildet. Das hat alles eine eigene Dynamik angenommen, so dass sich Andere davon angesprochen gefühlt haben. Bei mir war es eben so. Ich war davor schon sehr involviert und hatte unabhängig davon selbst die Idee, für die Aktionstage einen Musikworkshop zu etablieren. Gleichzeitig hatten Gerald (Zagler) und Schorsch (Feierfeil) auch die Idee, ein Seminar machen zu wollen. Das war für mich so der Punkt, an dem ich angefangen habe, mich voll reinzuhängen. Das ist langsam immer mehr geworden. Für mich war klar, dass ich eine offiziellere Rolle annehmen kann, wodurch ich immer weiter in diese Struktur hinein gewachsen bin. Man kennt Leute von der Gemeinde und weiß, wen man anrufen muss. Da war es naheliegend, dass ich bei Veranstaltungen der Ansprechpartner bin.

Haben Sie von der Bandseite her schon viel gekannt?

Tobias Pöcksteiner: Ja, das kommt auch dazu! Wenn man so Bühnen kuratiert, wie am Stadtfest und Leute kennt, ist das natürlich leichter. Es war für mich irgendwie klar, dass ich das mache.

Alexandra Woller: Für die Intertonale war es wichtig, im Vorfeld bei Konzerten immer wieder MusikerInnen dabei zu haben, die sehr stark in der neuen Jazzszene verankert sind. So z.B. die Jazzwerkstatt Wien. Über die Jahre wurde ein Netzwerk aufgebaut und Kontakte gepflegt. Gerald hat Arnold Zamarin ins Boot dazu geholt, der eben selber Musiker und Komponist ist. Er war für ihn einer der ersten Ansprechpartner. Dadurch hat sich relativ bald diese Arbeitsgruppe rundherum entwickelt. Ich war im ersten Jahr gar nicht so involviert. Nach der ersten Intertonale waren alle wieder Feuer und Flamme. Wir hatten eine Nachbesprechung im frühen Herbst und waren noch so im Drive drinnen. Somit war uns klar: Das Ding muss weiter gehen!

Da hat wahrscheinlich auch wieder die Planungsarbeit beginnen müssen. War das also genau der richtige Zeitpunkt?

Tobias Pöcksteiner:  Am Anfang war nicht sicher, wie oft wir das machen, ob ein- oder zweijährlich. Nach der ersten Auflage war aber klar, dass wir das ab jetzt fix jedes Jahr machen [lacht].

Alexandra Woller: Zum Starten war das super, weil genau in diesem Jahr das Viertelfestival im Mostviertel stattfand. Unser Projekt ist eingereicht und angenommen worden. Wenn man in so einem Netz, wie dem Viertelfestival, eingebunden ist, funktioniert die Werbung viel besser.

Tobias Pöcksteiner: Mittlerweile sind wir selber in der Kulturjury für das Viertelfestival [lacht]. Ist schon cool eigentlich.

„WENN JEMAND VON AUßEN KOMMT UND ETWAS VORSCHREIBT, KOMMT MAN WEDER IN DEN GENUSS NOCH IN DEN ZWANG, SELBER VERANTWORTUNG ZU ÜBERNEHMEN.“

Bild Proberaum Scheibbs
Bild © Schorsch Feierfeil

Der Proberaum selbst stellt ja einen Ort der Kooperation dar und bietet die Möglichkeit der freien Gestaltung. Was waren für Sie ausschlaggebende Motive, einen derartigen Kulturverein ins Leben rufen zu wollen?

Tobias Pöcksteiner: Aus MusikerInnensicht ist es oftmals schwierig irgendwo proben zu können. In Wien gibt es schon viele Proberäume, die man aber mieten muss. Am Land hast du eigentlich nur Musikschulen, die so etwas anbieten. Diese sind aber oft nicht gut ausgestattet und vor allem kann man nicht rund um die Uhr hinein. Das ist ganz etwas anderes, wenn du dir das selber organisierst. Wenn man einen Freiraum hat, lernt man dabei sehr viel. Sowohl im Kreativ- als auch im Organisationsbereich, wenn man das auch für Andere öffnet.

Alexandra Woller: Wir haben alle vorher in anderen Organisationen dieselben Rollen gespielt, die wir jetzt auch spielen. Wie wir den Proberaum gekriegt und dieses leerstehende Gebäude gesehen haben, war relativ schnell klar, dass da etwas passieren muss. Gerade weil das Angebot am Land nicht immer so groß ist.

Tobias Pöcksteiner: Generell am Land und auch in Scheibbs ist die Leerstandsnutzung immer noch ein großes Thema. Oft passiert nichts mit leerstehenden Gebäuden, weil einzelne Personen auch kein Interesse haben, etwas zu tun. In diesem Fall war es super, dass wir den Raum gekriegt haben. Sowohl den Raum selbst, als auch einen Ort, um Sachen zu organisieren. So entwickelt sich dann etwas wie z.B. die Intertonale. Ein Seminar, das weit über regionale Grenzen hinaus bekannt ist. Wir haben jetzt auch den Kulturpreis gewonnen. Man sieht, was da passieren kann, wenn man den Raum freigibt. Das finde ich extrem wichtig, vor allem, dass man das selbstverwaltet macht. Wenn jemand von außen kommt und etwas vorschreibt, kommt man weder in den Genuss noch in den Zwang, selber Verantwortung zu übernehmen.

Alexandra Woller: Wir haben uns relativ schnell positioniert dass, das politisch nicht gefärbt sein soll. Natürlich hat es am Anfang Skepsis gegeben, weil es fürs Ohr hin-und wieder durchaus gewöhnungsbedürftig war. Trotzdem haben wir immer die Freiheit gehabt zu arbeiten. Wir haben ihnen ganz gut bewiesen, dass da tolle Sachen entstehen können. Wir sind kaum eingeschränkt worden, von der Gemeinde Scheibbs aus war eine wirklich große Hilfsbereitschaft da. Das Kulturamt hat für uns immer ein offenes Ohr.

Ein Projekt dieser Größenordnung zu betreuen ist angesichts der räumlichen Distanz zu Wien, Ihrem derzeitigen Wohnsitz und Schaffensort ein intensives Unterfangen. Mit welchen administrativen Herausforderungen oder Hindernissen haben Sie sich bisher konfrontiert sehen müssen?

Tobias Pöcksteiner: In dem Fall ist es insofern okay, weil man nach Scheibbs öffentlich noch immer ganz gut kommt. Schwieriger wird es bei Sachen, die man persönlich erledigen muss, z.B. Veranstaltungen anmelden. Das muss man sich freischaufeln, obwohl man eigentlich gerade nicht Zeit hätte. Im Sommer ist man dann eh zuhause.

Alexandra Woller: Als schwierig stellt sich das Werbung machen am Land heraus. Wen man den Umkreis abfährt und Plakate aufhängt, muss man das auf die Wochenenden konzentrieren. Mittlerweile hat sich eine ganz gute Lösung gefunden.

Hilft es wirklich noch plakatieren zu gehen und Leute direkt face-to-face anzureden? 

Alexandra Woller: Ja, vor allem in Scheibbs selbst. Man ist schon so betriebsblind. Wenn man selber bei der Veranstaltung mitorganisiert, weiß man, wann es stattfindet [lacht]. Wir kriegen dann das feedback: Aha, da ist etwas, wir haben nichts hängen gesehen! Darum ist es speziell in Scheibbs wichtig, dass man plakatiert. Klar passiert mittlerweile viel über‘s Internet, Facebook oder sonstigen modernen Medien. Ich finde es aber auch verkehrt, jene, die bewusst sagen, sie wollen mit diesen Medien nichts zu tun haben, von der Information auszuschließen. Da ist Flyern und Plakatieren immer noch eine gute Alternative.

Tobias Pöcksteiner: Du weißt auf Facebook nie, wenn du überhaupt erreichst. Eh noch voll aktuell, dass man etwas hinhängt und die Leute es sehen.

Alexandra Woller: Auch beim Programm für die Intertonale. Das ist jedes Jahr ein ziemlich großer Aufwand ein nettes Prospekt zusammen zu stellen. Uns ist die Ästhetik sehr wichtig. Ich kenne das von mir selber. Ich habe gerne etwas in der Hand und blättere das durch. Das ist schon wichtig, dass die Leute eben etwas in die Hand nehmen und in Ruhe durchlesen können. Es sticht mehr heraus.

Tobias Pöcksteiner: Im Internet ist man so überladen mit sämtlichen Veranstaltungen. Der persönliche Kontakt ist doch noch etwas ganz anderes.

Alexandra Woller: Wenn es um organisatorische Besprechungen geht, finden die dann eh in Wien statt.

„ÜBER DIE ARBEIT DER LETZTEN JAHRE HABEN WIR ES GANZ GUT GESCHAFFT, ZU TRANSPORTIEREN, DASS DA MEHR DAHINTERSTECKT UND DIE IDEE GRÖßER IST, ALS EINFACH NUR EIN PROBERAUM.“

Der Proberaum genießt nicht zuletzt auch aufgrund des Erfolgs der Intertonale über Scheibbs hinaus mittlerweile einen besonderen Status. Wie aber wird der Kulturverein aus Ihrer Sicht momentan innerhalb der Stadtgemeinde wahrgenommen?

Alexandra Woller: Ich glaube, am Anfang waren wir so die jungen Wilden [lacht]. Über die Arbeit der letzten Jahre haben wir es ganz gut geschafft zu transportieren, dass da mehr dahintersteckt und die Idee größer ist, als einfach nur ein Proberaum. Die Intertonale hat dabei eine große Rolle gespielt, weil die Jazzwochen davor ein Fixpunkt waren. Somit war da ein Loch, das wir mit einem neuen Konzept gefüllt haben. So entstand schneller das Bewusstsein, dass wieder etwas in die Richtung passiert.

Tobias Pöcksteiner: Die Leute bewerten, je nachdem, was sie sehen. Die Intertonale war eine Art Hinaustreten des Vereins. Das Eröffnungskonzert letztes Jahr war in Scheibbs das bisher größte Konzert. Auch deshalb, weil innerhalb einer Woche 30-40 Leute da sind, die nicht in das Stadtbild hineingehören. Das kriegen die Leute einfach mit. Das hat sich schon sehr verändert. Letztes Jahr haben wir versucht, bei den Konzerten das Kammerorchester und heuer die Stadtmusik einzubinden. Das stößt auf große Resonanz und hilft, ernster genommen zu werden. Das wiederum führte dazu, dass wir von Seiten der Gemeinde die offizielle Anerkennung über den Kulturpreis 2017 gekriegt haben.

Alexandra Woller: Man erkennt dadurch den Mehrwert für alle. Wir haben mit diversen GastronomInnen in Scheibbs eine gute Zusammenarbeit. Genauso wie es uns wichtig ist, MusikerInnen aus der Umgebung beim Eröffnungskonzert einzubinden, so ist es auch wichtig, die Gastronomien daran zu beteiligen. Die Belebung ist spürbar und die Leute kriegen mit, dass da was Cooles passiert.

Tobias Pöcksteiner: Das führt dazu, dass über diese Ecken auch andere Veranstaltungen vom Proberaum oft besser wahrgenommen werden. Generell wird da mehr darüber gesprochen. Bei den letzten Veranstaltungen im Proberaum waren dann auch ganz viele Leute da, die vorher noch nie da gewesen sind. Es wirkt sich eigentlich auf alles aus, was wir machen.

Alexandra Woller: Das Abschlusskonzert im ersten Jahr war fast eher eine interne Geschichte. Voriges Jahr war das schon im Scheibbser Kulturportal und da sind total viele Leute gekommen. Das war toll. Genauso wie wir beim Eröffnungskonzert darauf schauen müssen, was bei Schlechtwetter zu tun ist. So müssen wir viel mehr Platz einberechnen, weil die Publikumszahlen jetzt viel höher sind. Eben weil wir auch heimische MusikerInnen einbinden, das ist innerhalb der Region breitenwirksamer.

Bild Probrraum Scheibbs
Bild © Schorsch Feierfeil

Die Außendarstellung ist ein wesentlicher Faktor beim Erreichen weiterer potentiell Interessierter. Welchen Weg haben Sie gefunden, den Proberaum inkl. aller Projekte bestmöglich nach außen hin zu präsentieren, um so Aufmerksamkeit zu generieren?

Tobias Pöcksteiner: Das ist definitiv auch für uns eines der schwierigsten Themen, weil das wieder die räumliche Distanz zu Wien doch sehr schwierig macht. Wir wollen z.B. gerne den Proberaum für jüngere MusikerInnen und Kunstschaffende öffnen und auch mit Schulen in Verbindung treten. Das steht aber noch mehr auf der Agenda, als dass es offiziell passiert. Einfach weil dafür die Ressourcen nicht ausreichen, aber grundsätzlich schauen wir schon, dass wir die Veranstaltungen früh genug flächendeckend bewerben. Sowohl über das Internet, als auch mittels Mundpropaganda. Das funktioniert überregional schon recht gut. Ich weiß aus MusikerInnenkreisen, dass die Intertonale und der Proberaum Scheibbs schon ein Begriff sind. Nur innerhalb Region an die ganz jungen Leute zu kommen ist das Schwierigste.

Wie schaut da aktuell die Kommunikation mit dem BORG Scheibbs aus?

Tobias Pöcksteiner: Wir versuchen das zu bewerben, aber das ist schwierig. Man müsste sich in Wahrheit mit den LehrerInnen konkret zusammenreden und in den Unterricht vorbeikommen. Das sind so organisatorische Maßnahmen, für die wir momentan nicht die Ressourcen haben.

Alexandra Woller: Grundsätzlich ist es schon unser Anliegen, dass das Ganze auch fresh und abwechslungsreich wirkt, wenn wir das Programm für die Intertonale zusammenstellen. Auch wenn es darum geht, welche EnsembleleiterInnen holen wir oder welches Programm machen wir bei den Aktionstagen. Dann gibt es da schon immer Fixstarter, trotzdem soll da Abwechslung drinnen sein. Die Intertonale soll kein Seminar werden, bei dem jedes Jahr dasselbe passiert.

Tobias Pöcksteiner: Wir wollen, dass der Proberaum so wahrgenommen wird, dass er offen für alle jene ist, die sich kreativ oder organisatorisch beteiligen wollen. Natürlich ist das nicht so einfach zu kommunizieren. Aber seit den letzten Monaten funktioniert das über die Zeitungen recht gut.

Ihr derzeitiges Prestige-Projekt, die Intertonale, kann als Nachfolger der Scheibbser Jazzwochen betrachtet werden. Welche Idee stand ursprünglich dahinter, ein Event wie dieses überhaupt initiieren zu wollen? 

Tobias Pöcksteiner: Um sowohl das Potential zu sehen, dass man als Kulturverein hat, als auch die räumlichen Möglichkeiten zu nützen, die wir mit dem Proberaum als Eventlocation haben. Ich weiß noch genau, wie sich das angefühlt hat mit 16-17 bei den Jazzwochen dabei zu sein. Wo international bekannte und junge MusikerInnen zusammenkommen und gemeinsam arbeiten. So ein Klima hast du ja sonst nicht und das ist so inspirierend! Das war für mich die Motivation, so etwas gerne wieder machen zu wollen. Jedoch in einer anderen Form und Größe, weil das räumliche Potential momentan nicht da ist.

Alexandra Woller: Um eine Plattform zu bieten, wo sich etwas tut und kreativ Schaffende sich austauschen können. Klar kommen Leute zusammen die sich kennen, aber auch welche, die sich nicht kennen. Dadurch sind schon auch neue Projekte entstanden. Das ist schön zu sehen, wenn das Ganze noch nachwirkt.

Tobias Pöcksteiner: Es gibt noch sehr viele MusikerInnen, die Scheibbs wegen der Jazzwochen kennen. Das ist einfach cool für so eine kleine Stadt am Land, die sonst mit der Musikszene nichts zu tun hat. Das fände  ich leiwand, wenn sich so etwas wieder etabliert. Ich denke, dass ist eh auf einem gutem Weg.

„WIR WOLLEN, DASS SICH DAS MIT DER ZEIT ENTWICKELT, SO WIE SICH AUCH MUSIK UND KUNST STÄNDIG WEITERENTWICKELN.“

Letztes Jahr ist es Ihnen gelungen, u.a. mit Mira Lu Kovacs, Lukas König und Marco Kleebauer aktuelle Größen der nationalen Musikszene für Ihr Programm zu gewinnen. Welchen Anspruch haben Sie sich dadurch für 2018 gestellt bzw. wie hat sich in den letzten Monaten die Suche nach passenden EnsembleleiterInnen für die INTERTONALE #3 gestaltet?

Alexandra Woller: Einige der EnsembleleiterInnen gehören schon fast dazu, weil in der Woche so eine familiäre Atmosphäre herrscht [lacht]. Trotzdem haben wir den Anspruch Abwechslung beizubehalten. Somit war es eine spannende Suche.

Tobias Pöcksteiner: Wie Alex schon gesagt hat, geht es uns darum, dass das Programm jedes Jahr etwas anders ist. Wir wollen eben kein festgefahrenes Seminar haben, wo immer das Gleiche passiert. Wir wollen, dass sich das mit der Zeit entwickelt, so wie sich auch Musik und Kunst ständig weiterentwickeln. Gleichzeitig wollen wir aber auch auf bewährte Größen zählen. Wenn du jedes Jahr ein komplett neues Programm machst, ist es schwer zu sagen, ob und wie das funktioniert. Da muss man immer ein bisschen die Waage finden. Wir versuchen am Puls der Zeit zu sein, aber auch MusikerInnen zu organisieren, die vielleicht schon ein bisschen bekannter sind.

Alexandra Woller: Abwechslung ist schon ziemlich wichtig. Jede/r im Organisationsteam hat einen gewissen Kreis an Leuten, die er/sie kennt. Können die sich vorstellen einen Workshop zu leiten? Das ist nicht immer der Fall, da Vielen die Erfahrung fehlt, so etwas zu machen. Wenn es darum geht gewisse Workshops neu zu besetzen, stellt es sich als sehr schwierig heraus, auf die Frauenquote zu achten. Voriges Jahr hat das mit Mira Lu Kovacs super funktioniert. Uns war klar, dass wir so etwas in die Richtung auch heuer wieder machen wollen. Terminlich hat es diesmal für Mira und auch Lukas (König) nicht gepasst. Das war nicht so einfach, da wieder wen zu finden. Das hat eigentlich am längsten gebraucht. Alles andere hat sich wieder relativ schnell zusammengefügt. Uns war es wirklich wichtig, von der weiblichen Besetzung her, gut aufgestellt zu sein. Heuer ist es Squalloscope geworden, das passt sicher sehr gut.

Die TeilnehmerInnen arbeiten jeweils in unterschiedlichen Ensembles gemeinsam an Konzepten und stellen das erarbeitete Material beim Abschlusskonzert vor. Wie genau haben sich die sechs einzelnen Workshops, Producing, Soundpainting, Songwriting, Silent Workshop, Rhythm & Sound  und DIY Electronics, herausgebildet?

Alexandra Woller: Ceren Oran, mit ihrem Soundpainting-Workshop, war von Anfang an dabei. Uns war wichtig, dass sie auch heuer wieder dabei ist.

Tobias Pöcksteiner: Wir schauen, was genau von den alten Sachen funktioniert hat und übernehmen das. Wir suchen immer spannende Leute, die coole Sachen machen und vielleicht auch etwas Neues sind. Es muss zeitlich passen und pädagogisch Sinn machen. Es gibt viele coole MusikerInnen, die mit dem was sie machen aber leider nichts Konkretes für ein Ensemble weitergeben können. Man schaut, wen es so gibt und fragt dann. Wir stimmen gemeinsam ab und suchen uns das aus, von dem wir glauben, dass es cool ist.

Alexandra Woller: Marco [Kleebauer; Anm.] war z.B. voriges Jahr schon dabei und macht heuer mit Sophie (Lindinger) gemeinsam als Leyya die Producing-Richtung. Auch sehr spannend, da einen Einblick zu kriegen, wie die das angehen. Einen ganz neuen Bereich übernimmt Marino Formenti, der aus der Klassik kommt und sich ein ganz eigenes Konzept überlegt hat. Bernhard Hammer von Elektro Guzzi macht auch extrem starkes Zeug.

Sie haben erst vor kurzem Ihr offiziell 10 jähriges Bestehen gebührend zelebriert. Wie waren die Feierlichkeiten aus Ihrer Sicht?

Alexandra Woller: Es war herrlich [lacht]!

Tobias Pöcksteiner: Unabhängig von der gesamten Organisation davor waren das drei Tage durchgehend hackeln und Party machen! Durchgehend, die ganze Zeit. Jeden Tag zeitig aufstehen, vielleicht noch Duschen und schnell etwas Essen. Dann den ganzen Tag hackeln, währenddessen mit irgendwem schon ein Bier trinken und am Abend schließlich total Feiern. Besonders cool war, dass wir so viele Außenstehende an jedem Tag in den Proberaum selbst holen und uns so nach außen präsentieren konnten. Wir haben am ersten Tag mit nicht all zu vielen Menschen gerechnet, weil es eher eine Proberaumsession war. Trotzdem waren dann auch sauviele Leute.

Alexandra Woller: Freitag hat die Lesung von Stefanie Sargnagel gut gepasst. Das war auch eine Riesenparty. Samstag haben wir die Bühne am Stadtfest bespielt. Das war durch den Feiertag eine aufgelegte Angelegenheit. Cool war, dass wir alle am Samstag dann organisatorisch nicht mehr so viel zu tun hatten. So konnten wir am Samstag richtig Party machen. Es war gebührend, sagen wir mal so [lacht]!

Tobias Pöcksteiner: Ich war dann schon froh, wie es vorbei war. In dem Fall ist so viel zusammen gekommen. Da war die Kulturpreisverleihung, wo wir auch das Programm gestaltet haben. Dann eben das Event und jetzt auch noch die Intertonale.

Alexandra Woller: Auf der einen Seite ist man dann im Drive drinnen. Diese 10-Jahres-Feier war sicherlich so etwas wie die Warm-up für die Intertonale. Da sind es halt nicht drei Tage, sondern eine ganze Woche [lacht]. Wo es aber auch genauso dahingeht und man so zu nicht allzu viel Schlaf kommt. Es hat sich viel ineinander gefügt mit der Kulturpreisverleihung und der 10-Jahres-Feier. Im Hinblick auf die Intertonale hat man da gewisse Sachen auch schon mit abarbeiten können. Insofern hat das gut gepasst.

Tobias Pöcksteiner: Natürlich ist es leiwand, wenn man so etwas organisiert und das geht dann voll auf. Wenn ich dann irgendwo, wie vor der Stadtbühne bin und mitbekomme, wie sehr es einfach allen Leuten taugt, die da herumlaufen. Das ist eigentlich das leiwandste Gefühl überhaupt und warum man diese Sachen macht.

Alexandra Woller: Mir geht es auch so. Ich habe einfach mal nur so geschaut, wie die Leute abgehen und hatte eine Riesenfreude. Mir ist es bei den Proberaumkonzerten auch immer schon so ergangen. Das war immer ein Riesenaufwand für einen Abend Heckmeck. Wenn man aber da an einem Abend durch die Leute gegangen ist und gemerkt hat, was da für eine leiwande Stimmung ist, hat einen das total mitgerissen.

Herzlichen Dank für das Gespräch! 

Maximilian Weissensteiner

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