Wien Modern ist und bleibt eines der wichtigsten Festivals für Neue Musik. Von 29. Oktober bis 20. November wird Wien drei Wochen ganz im Zeichen der Musik der Gegenwart und der jüngsten Vergangenheit stehen. Die Hauptkomponisten gibt es auch noch immer. Heuer sind es Mark Andre, Morton Feldman, Roman Haubenstock-Ramati sowie Johannes Maria Staud, Thomas Wally, der noch rechtzeitig vor Wien Modern den ‚outstanding artist award’ überreicht bekommen wird, und Joanna Wozny, die Preisträgerin des heurigen Erste Bank Kompositionspreises. Das Eröffnungswochenende bestreiten das RSO, das Klangforum Wien sowie das SWR Orchester.
Dazu kommen spannende Sonderprojekte und Themen, etwa der geplante Workshop über Morton Feldman für die 11. und 12. Schulstufe (mit Axel Petri), den wir hier bereits angekündigt haben. Die Spielorte: Seit der Gründung des Festivals 1988 ist das Wiener Konzerthaus die Heimstätte von Wien Modern, aber auch der Musikverein Wien ist Mitveranstalter. Mit dabei auch die Kunsthalle Wien project space (Wien Modern Lounge), Semperdepot, Schönberg Center, Alte Schmiede, Schömer Haus, Odeon. Und heuer auch das Theater Petersplatz, das Casino Baumgarten und das mica in der Stiftgasse (ein mica-focus über das Neue in der Neuen Musik 2010.
Alle Konzerte und Projekte sind bereits auf der Homepage von Wien Modern abrufbar. Und natürlich wird auch heuer wieder der gedruckte Almanach im Oktober Pflichtlektüre sein. Oder doch nicht? Denn es gibt das im Zusammenhang mit dem 20-jährigen Bestehen des Festivals 2008 initiierte Projekt Wien Modern Galerie: „Im Verlauf des Nachdenkens über die Festivalgeschichte sowie im Zuge der Neukonzeption der Wien-Modern-Website entstand der Wunsch, die letzten zwei Jahrzehnte Festivalgeschichte in ausgewählten, wichtigen, in den meisten Fällen nicht oder kaum greifbaren Texten zu dokumentieren und dem interessierten Publikum zugänglich zu machen. Das bedeutet eine Vielzahl Porträts der wichtigsten Protagonisten der zeitgenössischen Musik, das bedeutet die Dokumentation virulenter Themen, die schwerpunktmäßig im Festival ihren Platz fanden, das bedeutet schließlich auch die Darstellung der Preisträger des Erste-Bank-Kompositionspreises und die auszugsweise Dokumentation der Wien-Modern-Symposien.
Die Wien Modern Galerie ist ein Langzeitprojekt: Sukzessiv soll hier ein Archiv entstehen, das keinen Anspruch auf umfassende Dokumentation eines Komponisten oder Themas erheben kann und will, sondern vielmehr die sehr subjektive Perspektive aus der Sicht der unterschiedlichen Kuratoren, die für dieses Festival verantwortlich gezeichnet haben, spiegelt. So ist auch die Auswahl der – in Form von PDFs – zur Verfügung gestellten Texte nach konzeptionellen Überlegungen erfolgt: Wo sind Desiderate bei einzelnen Komponisten erkennbar, welche Essays sind speziell im Auftrag des Festivals entstanden und (meistens) nicht an anderen Orten wieder abgedruckt worden, welche Texte sind heute eher schwer greifbar? Ergänzend zu den Texten finden sich auf dieser Wien Modern Galerie ausgewählte Fotos und Klangbeispiele, um so dem Benutzer einen über das geschriebene Wort hinausgehenden Zugang zu den einzelnen Komponisten zu ermöglichen.
Jede Galerieseite beginnt mit einem ausgewählten Essay, der auch als PDF zur Verfügung steht. Die Texte sind urheberrechtlich geschützt, das Copyright liegt bei den Autoren und beim Festival Wien Modern – dies ist auch der Grund, warum die Texte mit einem Kopierschutz versehen sind. 20 Jahre Wien Modern: Was von dem Festival nach dem Verklingen des letzten Tons übrig bleibt, findet sich in den Katalogen der vergangenen zwei Jahrzehnte und – mit Beginn dieser Wien Modern Galerie – nunmehr auch der Wien Modern Website.“ (Zitat aus dieser). Unter „KomponistInnen“ sind da jetzt schon etliche Essays zu lesen! Und zwar alphabetisch von Georges Aperghis, Luciano Berio, John Cage (…) bis zu Staud, Karlheinz Stockhausen, Germán Toro-Pérez, Gerhard E. Winkler, Adolf Wölfli. Und „Themenaufsätze“ gibt’s auch schon unter den Stichworten collective identities, Klangapparate, Labelnights, Meridiane.


Comédie / Play / Spiel. Anti-Oper in einem Akt nach dem gleichnamigen Werk von Samuel Beckett. Und so weiter … Das mica wird laufend berichten.


Auch der Dschungel Wien ist wieder mit von der Partie, er bietet „Überraschung / Tanztheater mit Musik“ für Kinder ab 2 Jahren ab 5.November sowie etwa das Muziektheater Transparant mit „Porzellan“ für Kinder ab acht. Die Alte Schmiede bietet wieder Vieles von (jungen) östereichischen Komponisten, u. a. auch Manuela Kererer, Peter Jakober, Thomas Wally … Das Ensemble Kontrapunkte bietet im Musikverein Kompositionen von Joanna Wozny, Julia Purgina, Johannes Kern, Thomas Bartosch. Weiters: Marino Formenti wird sowohl als Dirigent des Ensembles phace | contemporary music (Berio-Saal), als auch als Solist am Klavier zu erleben sein. In der gibt es das „Das siebente Siegel“ (Ingmar Bergmann) und Musik von Mark Andre. Wir werden auch über diese bei Wien Modern präsentierten Komponisten (nicht nur „Hauptkomponisten“) im Herbst laufend berichten (hr).