Das anspruchsvolle und poetische Wiener Liedermachertum erfreut sich aktuell einer immer einer größer werdenden Beliebtheit. Was natürlich auch daran liegt, dass sich die Protagonisten der Szene, wie etwa ein Ernst Molden, sich von einer wirklich kreativen und niveauvollen Seite zeigen. Die Leute schätzen den authentischen und sich nicht an irgendwelchen modischen Strömungen anbiedernden Sound ihrer Heimatstadt, hat dieser doch dieses gewisse Etwas, diese Note, die auch verstanden wird. Einer der sich ebenfalls in diesem Metier versteht, ist Martin Spengler. Gemeinsam mit seiner Band „Die foischn Wiener“ spielt er, wie auch auf dem im Frühsommer erschienenen Debütalbum „Die Liebe, da Dod und de aundan Gfrasta“ zu hören, Lieder, die das Lebensgefühl, die Seele dieser Stadt so richtig einfangen. Am 27. Oktober gastieren Martin Spengler & die foischn Wiener im Rahmen von Wien im Rosenstolz im Theater am Spittelberg. Gesellschaft und musikalische Unterstützung bekommen sie von niemand geringerem als Willi Resetarits.
Wie sich zeigt, funktioniert die Wiener Musik auch ohne all die althergebrachten Klischees, mit welchen sie lange, lange Zeit assoziiert wurde. Was Martin Spengler & die foischn Wiener vollziehen, ist der Spagat zwischen einer respektvollen Verbeugung vor dem traditionellen Wiener Sound und dem Versuch einer niveauvollen und poetischen Neudeutung dieses. Natürlich wird geraunzt, geschimpft, gejammert und gelitten, das aber immer charmant und mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen.
Die von schönen und sanften Melodien getragenen, sehr stimmungsvollen Lieder atmen allesamt richtiggehend die Melancholie des Blues, die von Martin Spengler gemeinsam mit Marie-Theres Stickler (Knopfharmonika), Manuela Diem (Gesang) und Manuel Brunner (Bass) in die typisch Wiener Sprache übersetzt, eine ganz eigene Note verliehen bekommen. Der Sänger und Gitarrist bekundet in seiner Musik die große, manchmal auch ambivalente Liebe zu seiner Heimatstadt, zu deren schönen und dunklen Seiten, zu deren Menschen, deren Schrägheit und Eigenwilligkeit, einfach zu diesem mannigfaltigen Lebensgefühl, welche sie alltäglich vermittelt.
Die Zeichen für einen musikalisch besonderen und intimen Konzertabend stehen also nicht so schlecht. Auf jeden Fall dürften Liebhaber des modernen und niveauvollen Wiener Sounds ohne Zweifel auf ihre Kosten kommen. (mt)