Seine Musik steht schlicht für die kulturelle Vielfalt, für die kunstvolle Zusammenführung der unterschiedlichsten Klangtraditionen zu einem homogenen Ganzen, für einen zeitgenössischen urbanen Weltmusiksound, wie er vielschichtiger und facettenreicher wohl kaum erklingen kann. Alp Bora offenbart sich in seinem Schaffen als ein bewusst zwischen den Stühlen Sitzender, dem es mehr darum geht, die eigene musikalische Freiheit zu verwirklichen, denn sich in irgendeiner Form einschränken zu lassen. Der in Istanbul aufgewachsene und seit vielen Jahren in Wien lebende Sänger und Gitarrist ist jemand, der von jeglichem Scheuklappendenken befreit nach Möglichkeit immer versucht, Brücken zu schlagen und Verbindungen herzustellen, zwischen den verschiedenen kulturellen Musiktraditionen (seiner alten und neuen Heimat), lokalen Spielformen und Musikepochen. Immer den Blick auf das Moderne gerichtet, verliert er sich dabei niemals im einfachen Wiedergeben oder Zitieren des bereits Bekannten und tausend Mal Gehörten, vielmehr betreibt er die liebe- und respektvolle Neudeutung des Alten, die er wie nur wenige andere auf diese kunstvolle Weise beherrscht.
Alp Bora ist in seinem Leben schon viel herumgekommen. In der europäisch geprägten Metropole Istanbul geboren, verbringt er die ersten Jahre seiner Kindheit in der türkischen Hauptstadt Ankara mitten in Anatolien, bevor er mit seiner Familie in Richtung Bagdad weiterzieht, wo er mit der orientalischen, einer wiederum gänzlich anderen Kultur konfrontiert wird. Schon immer in enger Liebe mit der Musik verbunden, lässt sich der junge Mann natürlich von den Klängen und verschiedenen Traditionen der jeweiligen Regionen mitreißen und beeinflussen. Er verinnerlicht diese und formt aus all dem vermeintlich Gegensätzlichen seine ganz eigene musikalische Sprache, die immer auch für andere Einflüsse offen bleibt.
Genauso wenig, wie die Zeiten in Ankara und Bagdad spurlos an Alp Bora vorbeigehen, tun dies natürlich auch die Jahre in Wien, wohin es ihn 1998 hinzieht, nicht. In der österreichischen Hauptstadt erneut mit einer gänzlich anderen und neuen Welt konfrontiert, ist es abermals die Musik, welche ihn vom ersten Moment an vollends vereinnahmt. Auf die Frage, warum es ihn ausgerechnet nach Wien verschlagen hat, antwortet er: „ Weil du nirgendwo sonst in Europa Orient und Okzident in so kultivierter Dichte finden und genießen kannst wie hier“. Er fühlt sich von Beginn an wohl und macht sich auch sogleich daran, die ersten musikalischen Schritte in seiner neuen Heimat zu tätigen. Schnell schließt Alp Bora Bekanntschaft mit MusikerInnen der Wiener Weltmusikszene und bringt seine ersten Projekte auf den Weg, von denen im Besonderen sein nach ihm benanntes Trio, mit dem er vor allem mit dem Album „Amber“ 2007 großes und auch internationales Aufsehen erregen kann, und die Formation Nim Sofyan, welche 2004 auch mit dem Austrian World Music Award ausgezeichnet wird, darauffolgend zu großer Bedeutung gelangen sollten.
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Alp Boras Musik ist eine mit Tiefgang und hoher Authentizität, eine, die sich nicht im Erfüllen vermeintlicher Klischees verliert. Mit der Fähigkeit, sein eigenes Schaffen immer wieder auf die nächsthöhere Ebene zu heben, darf angenommen werden, dass man von diesem außergewöhnlichen Künstler auch in Zukunft noch einiges zu hören bekommen wird. (mt)
Die neue CD wird am 14. September 2012 im Porgy & Bess, 1010 Wien, Riemergasse 11, präsentiert. Beginn: 20:30