We Walk Walls scharren in den Starlöchern

Aufmerksamen HörerInnen von FM4 dürfte diese vierköpfige Band aus Wien bereits ein Begriff sein, allen anderen sei gesagt, dass es sich bei We Walk Walls ganz ohne Zweifel um eine der interessantesten heimischen Popneuentdeckungen des vergangenen Jahres handelt. Mit der Wahl zum FM4 Artist Of The Week quasi bereits den ersten Ritterschlag erhalten, hat es das Vierergespann binnen kurzer Zeit geschafft, seinen Bekanntheitsgrad auch über Grenzen Wiens hinaus zu erweitern. Und das gerade einmal ein Jahr nachdem es sich überhaupt gegründet hat. Einen Aufschluss darüber, warum es schnell gegangen ist, gibt das Durchhören des Ende 2013 bei Wohnzimmer Records erschienenen Erstlingswerks „Ceremonies“. Was We Walk Walls musikalisch auf den Weg bringen, hat nämlich wirklich Hand und Fuss und zeugt von einer hohen Qualität. Die Melodien gehen sofort ins Ohr, das Songwriting offenbart doch ein Mehr an musikalischem Verständnis, als man es in üblichen Popkontext geboten bekommt, und der Sound ist einer, der so richtig schön erfrischend anders, weil eben nicht wie üblich glattpoliert, und vor allem auch sehr eigenständig aus den Boxen schallt.

Musikalisch folgen Patricia Ziegler (Synthesizer, Keyboard, Gesang), Silvio Haselhof (Gitarre, Keyboard, Gesang), Stefan Elsing (Schlagzeug) und Maze Matik (Bass), die vier Köpfe hinter We Walk Walls, einem Pfad, der, grob gezeichnet, quer durch der Popmusikgeschichte der letzten 20 Jahren führt, wobei es besonders Elemente aus dem Post-Punk, New Wave, Synthie- und Indiepop sind, die die Grundlage für den Gesamtsound bilden. Es ist jetzt nicht so, dass nicht auch schon andere Bands im selben musikalischen Teich fischen würden, aber bei der Wiener Combo gewinnt man den Eindruck, dass dann doch irgendwie ein etwas Mehr vom allem da ist. Auch deswegen, weil es We Walk Walls auf schöne Weise gelingt, eigene Akzente zu setzen und aus dem Viel an Einflüssen etwas Einheitliches und Rundes zu formen, das eben nicht als reine Zitatensammlung durchgeht.

Der Vierer hat genügend eigene Ideen und weiß diese auch auf wirklich charmante und lässige Art in funktionierende Popsongs zu übersetzen. Sich zwischen leichter melancholischer Verträumtheit auf der einen, und einer durchgängigen Tanzbarkeit auf der anderen Seite hin und her bewegend, bringen We Walk Walls dieser Art Nummern auf den Weg, die erfreulicherweise ihr Pulver nicht schon nachdem ersten Mal Anhören verschießen, sondern, ganz im Gegenteil, auch nachhaltig wirken. Ein weiterer Aspekt, der viel zum durchwegs positiven Gesamtbild beiträgt, ist die immer zwischen Patricia Ziegler und Silvio Haselhof wechselnde Gesangarbeit, die zusätzlich für eine eigene Note sorgt.

Einen gelungenen Start haben We Walk Walls auf jeden Fall schon einmal hingelegt. Bleibt daher nur noch zu hoffen, dass man von der Wiener Band auch in Zukunft noch so einiges zu hören bekommen wird.

Foto We Walk Walls: wienkind

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