Bild (c) Waelder
Waelder (c) Frank Rottmann

WAELDER – NON PLACES

WAELDER agieren zwischen Wien und Berlin, bestehen aus Jan Preißler und Moritz Nahold und haben ihr zweites Album „Non Places“ (Denovali Records) veröffentlicht. Das Zweitwerk des Duos wandelt zwischen experimenteller Klangcollage und Club-Soundtrack. Trotz vieler Soundfacetten ist den Kompositionen des Albums eines gemein: Man hört die Liebe zum Detail der beiden Soundtüftler an allen Ecken und Enden.

Im Vergleich zu ihrem Erstlingswerk „Anachronie“ sind WAELDER noch eine Spur düsterer, vertrackter und wider Erwarten weniger eingängig geworden. Der mutige Schritt weg vom pop-affinen Elektrosound, welcher derzeit so angesagt ist, in umso experimentellere Gefilde steht dem Duo gut. Bereits im Opener „Iolanta“ zeigt sich, dass man sich weitestgehend von Vocals und der etwas poppigeren Ausrichtung des Vorgängers verabschiedet hat. Gespenstische Gesangsfetzen haben es gerade eben so in die Komposition geschafft, stattdessen dominieren pumpende Bass-Synthesizer und allerlei Geräusche. Viele der Kompositionen auf „Non Places“ sind näher an Ambient-Sounds, Film-Soundtracks und Klangkunst als an songorientierter Populär-Musik. „Dybuk“ und „&Found“ etwa stellen klar, dass es sich hierbei um ein sogenanntes Kopfhörer-Album handelt: Viele der verspielten Sounds und akribischen Tüfteleien von Jan Preißler und Moritz Nahold kommen in konzentrierter Form am besten zur Geltung. Geflüsterte Sprechelemente, vereinzelte Klaviertöne, perkussive Elektronik-Sounds und strukturgebende Synthesizer-Sounds offenbaren bei jedem Mal Hören neue Einblicke. Der Mut zu experimentellen Sounds und unkonventionellen Songstrukturen ist jederzeit hörbar. Umso erfreulicher, dass sich WAELDER wachsender Beliebtheit erfreuen.

Zwischen Klangcollage und Club-Sound

Albumcover Non Places
Albumcover “Non Places”

Andere Songs offenbaren dann doch etwas mehr Zeitgeist und können aufgrund ihrer stärkeren Verwendung von Beats und Vocals in Zukunft wohl auch die Stimmung in so manch alternativen Klub anheizen. „Sdfs“ ist der heimliche Hit des Albums, wenn man das bei einem so experimentellen Werk überhaupt sagen kann. In einer traurigen Grundstimmung gesellen sich interessante Rhythmen und Vocal-Samples zueinander und verschmelzen zu einem wunderbaren Groove. „Ivory“ wartet mit schrägen und aufdringlichen Klängen auf. Neben dystopischen Beats und immer wieder anschwellenden Geräuschpegeln, findet man sich bald in seiner eigenen Gedankenwelt wieder – und eher nicht in den hellsten Stunden der Biographie. Gleichzeitig ist man allerdings verleitet sich zum Song zu bewegen. Alle Zutaten für eine intensive Nacht in einem Club sind also vorhanden. In eine ähnliche Kerbe schlägt der Closer des Albums „Loss“. Dunkle Rhythmen und Synthesizer-Flächen verbinden sich zu einer monotonen Noise-Wand, die nur verbrannte Erde hinterlässt und somit: „Non Places“.

WAELDER verfolgen ein mutiges Gesamtkonzept: Schicht für Schicht werden Sounds angehäuft, nur um sie dann wieder zu zerstäuben. Klare Botschaften finden sich selten, dafür ermuntert „Non Places“ umso mehr sich selber Gedanken zu machen. Mutig und hörenswert!

Sebastian J. Götzendorfer

Waelder – live:
28.02. – Elevate Festival, Graz (AT)
01.03. – Stadtwerkstatt, Linz (AT)
03.03. – Container 25, St. Michael (AT)
13.04. – Peterskirche, Leipzig (GER)

Links:
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Denovali Records