Die ehemalige jüdische Synagoge in St. Pölten ist heuer zum zweiten Mal ein Aufführungsort der „Serenadenkonzerte des Landes Niederösterreich – Musik am Ursprung“. Die Reihe gibt es 2026 in ihrer 66. Ausgabe: sie ist die am längst stattfindende Konzertserie in Niederösterreich und steht seit dem Jahr 2011 unter der künstlerischen Leitung von Michael Linsbauer. Ein Schwerpunkt der Serenadenkonzerte ist schon am Titel erkennbar: Musik am Ursprung. Das bedeutet konkret, dass musikhistorisch besondere Orte in Niederösterreich bespielt werden. Von Wohn- und Geburtsorten bis zu Sommerresidenzen von Komponisten wie Hugo Wolf, Gottfried von Einem oder Benedict Randhartinger. Los geht es am 30. August 2026 mit der Carl Zeller-Serenade in St. Peter an der Au: dort wurde Carl Zeller am 19. Juni 1842 geboren.
„Bekannte Werke treffen auf selten zu hörende Stücke, Liedkunst verbindet sich mit Kammermusik und literarischer Rezitation“, sagt der künstlerische Leiter Michael Linsbauer über die Serenadenkonzerte 2026. Die Querverbindung zu einer anderen von Linsbauer kuratierten Konzertreihe in Niederösterreich ist gegeben: denn der Salzburger Bariton Benjamin Sattlecker war einer der Gewinner beim 4. Internationalen Haydn-Gesangswettbewerbs 2022, der alljährlich im Rahmen des Festivals „Haydn-Region Niederösterreich“ stattfindet.

„Von Arnold Schönberg habe ich bisher nicht viel im Repertoire, aber einige wenige Lieder und das großartige Werk ‘Friede auf Erden’“, sagt Benjamin Sattlecker, der sich schon auf die Serenade am 16. Oktober 2026 im Schönberg-Haus in Mödling freut: „Wir haben ein wunderbares Programm von Schönberg- und Beethoven- Liedern zusammengestellt, kombiniert mit Beethovens Streichtrio op. 9 und Schönbergs Streichtrio op. 45.“ Arnold Schönberg hat zwischen 1918 und 1925 in Mödling gelebt, sein Wohnhaus kann man heute noch besichtigen, es wird wegen der dort entwickelten Kompositionsmethode als Geburtsstätte der Zwölftonmusik bezeichnet.
Neben etablierten Künstler:innen wie Camilla Nylund, Rebecca Nelsen oder Rafael Fingerlos treten bei den Serenadenkonzerten auch Nachwuchstalente wie eben Benjamin Sattlecker, das Trio Delyria oder Kieran Carrel auf.
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Längst etabliert, und mit 35 Jahren dennoch vergleichsweise jung, ist der Bariton Daniel Gutmann. Er ist seit dem Jahr 2019 Ensemblemitglied am Staatstheater am Gärtnerplatz in München und dort heuer unter anderem als Don Giovanni oder Papageno zu hören. Liederabende und Konzertreisen haben ihn bereits nach New York und Singapur geführt. Mit Niederösterreich ist Gutmann auf vielfältige Weise verbunden: er stammt aus der Region und hat seine musikalische Ausbildung in Herzogenburg, St. Pölten und Wien absolviert. Am 19. September 2026 ist er im Rahmen der Gottfried von Einem-Serenade in der Kirche in Oberdürnbach bei Maissau zu hören: „Auf diesen Abend freue ich mich aus mehreren Gründen sehr. Ich bin selbst im Waldviertel, in Zwettl, geboren und beinahe meine gesamte Verwandtschaft lebt bis heute dort“, erzählt Daniel Gutmann und ergänzt: „Diese Landschaft und Region begleiten mich also seit meiner Kindheit und sind für mich mit sehr vielen persönlichen Erinnerungen verbunden. Gerade deshalb sind mir Gottfried von EinemsWaldviertler Lieder nach Texten von Lotte Ingrisch besonders nahe. Es ist schön und spannend, eine Landschaft, die man selbst so gut kennt, plötzlich durch die musikalische und poetische Perspektive zweier Künstler zu betrachten.“ Die bekannte Schauspielerin Gerti Drassel (u.a. „Vorstadtweiber“) wird an diesem Abend Texte von Lotte Ingrisch lesen.
Interessant: Neben seiner klassischen Karriere tritt Daniel Gutmann regelmäßig als Frontman mit seiner Countryband The Groovecake Factory auf, mit der er bereits zahlreiche Preise im In- und Ausland gewonnen und zwei CDs aufgenommen hat. In diesem Fall verknüpft Daniel Gutmann Poesie und Musik gleich selbst, denn er schreibt für die Band auch Songs, wie etwa „Show me your smile“:
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Dass Daniel Gutmann gerne den Perspektivenwechsel betreibt, zeigt sich auch daran, dass er einen Abschluss in Sportwissenschaft an der Universität Wien gemacht und während des Studiums Zehnkampf als Leistungssportler betrieben hat.
Serenade des Exils in St. Pölten
Ein besonderer Abend verspricht die so genannte Serenade des Exils am 25. Oktober 2026 in der ehemaligen Synagoge in St. Pölten zu werden: Das Trio Delyria ist ein im Jahr 2020 gegründetes Klaviertrio, das aus drei in Deutschland lebenden, israelischen Musikern besteht: David Strongin (Violine), Uriah Tutter (Violoncello) und Elisha Kravitz (Klavier). Die drei Musiker gestalten diesen Abend gemeinsam mit der aus Tel Aviv stammenden Mezzosopranistin Hagar Sharvit. Es wird ein für das Trio Delyria geschriebenes Werk des australischen Komponisten Lee Bradshaw zu hören sein, ebenso „Panta rhei“ von Ursula Mamlok, die 1939 im Alter von 16 Jahren vor den Nazis aus Deutschland geflohen ist und heute eine der bekanntesten Komponistinnen der USA ist. Schon ein Jahr vor Mamloks Flucht wurde die Synagoge in St. Pölten von den Nationalsozialisten verwüstet, sie ist heute ein Ort des Gedenkens, der Geschichtsvermittlung und ein Kulturzentrum. Dort findet übrigens auch das von Johann Kneihs kuratierte Musik- und Kulturfestival Jewish Weekends statt.
Bariton Benjamin Sattlecker blickt nach der Beschäftigung mit Arnold Schönberg und der Erweiterung seines Schönberg-Repertoires dank der Serenadenkonzerte 2026 bereits in die Zukunft: „Ich freue mich sehr auf meine erste Magelone von Brahms nächstes Jahr. Dann gibt es noch ein paar Opernpartien die ich wahnsinnig gerne einmal auf der Bühne verkörpern würde: Onegin, Conte in Mozarts Figaro. Und um bei Schönberg zu bleiben: vielleicht auch einmal den Bariton-Part in seinen Gurre-Liedern.“
Jürgen Plank
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30. August – 1. November 2026
Serenadenkonzerte 2026, u.a. in St. Pölten, Rohrau, Mödling, Laxenburg, Programm und Karten siehe:
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