Uraufführung von Thomas Larchers neuem Violinkonzert im Musikverein

Die Qual der Wahl hat man heute vielleicht ein wenig – wohin sollen denn Fans der Neuen Musik am Abend in Wien hingehen? Zum Klangforum-Konzert unter Emilio Pomarico im Konzerthaus (überhaupt, wenn man doch das Abo hat), oder doch lieber in den Musikverein zum RSO Wien unter Chef Bertrand, dem Billy, der die Uraufführung des berühmten österreichischen Urhebers Thomas Larcher leiten wird (mit der Geigerin Isabelle Faust als Solistin), na ja, vielleicht für den Teil vor der Pause auf jeden Fall in die Bösendorferstraße, hernach dann halt schnell hinüber zum Schwarzenbergplatz (Vorsicht viele Ampeln, Autos und querende Straßenbahnen der Linien D und 71).

Oder doch nicht, es kommt noch Henri Duttileux und vor allem Ravels “Tzigane”- Rhapsodie für Violine und Orchester (1924) und unter de Billy noch die “Rhapsodie espagnole” (1907). Die beiden Sätze von Larchers Violinkonzert  beruhen auf ganz unterschiedlichen Konzepten: “Im ersten Satz, der von rumänischer Volksmusik, Béla Bartók und György Ligeti geprägt ist, geht es um die Entfesselung archaischer rhythmischer Energie, angeregt durch ein Soloinstrument. Das relativ klein besetzte Orchester gewährleistet rhythmische Mobilität, ist aber zugleich mit seiner Masse imstande, den Rhythmen und Ausbrüchen Gewicht zu verleihen, so Thomas Larcher:

 

Der zweite Satz ist ein ausgeschriebener Quintenzirkel im Dreivierteltakt. Die Töne des Quintenzirkels schrauben sich in einer langen Kette chromatisch nach oben. Ausgehend von der leeren C-Saite eines Cellos erscheinen alle Töne, dann wiederholt sich das Ganze von Cis aus etc. Jeder Takt beginnt dabei mit einem neuen (Grund-)ton.

 

In der Mitte auf dem Fis angelangt, der (katastrophischen und orgiastischen) Mitternacht, bei deren Eintreten alle Uhren zwölf schlagen, musste ich diese Entwicklung stoppen. Es war, als hätte der Eintritt der Mitternacht ein Loch in die Erdkruste gerissen, ein Loch der Verwirrung, in das alle und vor allem das Soloinstrument, hineingezogen werden. Der Quintenzirkel erscheint danach nur mehr schemenhaft, als eine fahle Erinnerung, die Instrumente entfernen sich gänzlich voneinander, jeder spielt für sich, am Ende bleiben ein paar Tonfäden.” (Website Schott-Verlag, News).

 

Komponieren ist für Thomas Larcher immer ein “Rückzug ins eigene Ich”, ein “beständiges Erforschen”, liest man auf der ORF-SO-Website. “Mit seinen zwischen neuer Tonalität und experimentellen Aktionen changierenden Werken hat sich der Tiroler Pianist auch als Komponist international bestens positioniert. Isabelle Faust, die Widmungsträgerin seines Violinkonzerts, ist wie Larcher an historischen Verbindungslinien interessiert. Mit Ravels “Tzigane” schlägt sie den Bogen zu einem modernen “all’ungarese”, das indirekt auch Henri Dutilleux inspirierte: Sein dem Mäzen und Dirigenten Paul Sacher zugeeignetes, suggestives Orchesterstück “Mystère de l’instant” greift Elemente von Béla Bartòks “Musik für Saiteninstrumente” auf, die 1936 ebenfalls im Auftrag Sachers entstanden war.

 

Bio Larcher

 

Wir erlauben uns, den Text des Schott-Verlags zu kopieren: “Thomas Larcher wurde am 16. September 1963 in Innsbruck geboren und wuchs in Tirol auf. Nach Klavier- und Kompositionsstudien an der Musikhochschule Wien begann er seine künstlerische Karriere. Diese ist wesentlich von einer lustvollen Erforschung der heutigen Moderne geprägt. Die Zusammenarbeit mit Komponisten und Komponistinnen wie Friedrich Cerha, Heinz Holliger, Isabel Mundry, Johannes Maria Staud und vielen anderen ist daher ein wesentliches Anliegen des Pianisten Larcher.

Das Suchen von Verbindungslinien und Verwandtschaften zeichnet auch die Aufnahmetätigkeit des Pianisten aus. So verknüpft er bei einer Produktion Klavierstücke von Schubert und Schönberg. Seine CDs erhielten unter anderem den “Preis der Deutschen Schallplattenkritik” und den “Choc de la Musique”.

 

Eine exemplarische Plattform für die Vermittlung von Gegenwartsmusik konnte Larcher mit dem Festival Klangspuren schaffen, das er 1994 gründete. Das Festival zeichnet sich durch sein höchstes musikalisches Niveau und vor allem durch seine starke Verankerung in der Region Tirol aus. Seit 2006 leitet Thomas Larcher das Festival der Swarovski Kristallwelten “Musik im Riesen” in Wattens.

 

Zunächst trat der Komponist  Larcher gegenüber dem Interpreten, Festivalleiter und Pädagogen (er leitete von 2001-04 eine Klavierklasse an der Musikhochschule Basel) in den Hintergrund. In den letzten Jahren aber widmet er sich vornehmlich und mit großem Erfolg dem Komponieren. Er erhielt Kompositionsaufträge etwa von Till Fellner, der Mozartwoche Salzburg und dem Lucerne Festival. Ferner folgte er als Composer in Residence Einladungen zu den Festivals in Davos (CH), Heimbach (D), Risör (NO) und auf Einladung von Heinrich Schiff nach Mondsee (A).

 

Unter seinen jüngsten Projekten finden sich weitere CD-Produktionen eigener Werke bei ECM (bei dem 2002 auch das Album “Naunz” erschien), das Anfang 2006 uraufgeführte Heute für Sopran und Orchester im Auftrag der Tonhalle Düsseldorf und Böse Zellen für Klavier und Kammerorchester (Juli 2006, Klavierfestival Ruhr). Für den Bariton Matthias Goerne komponierte Larcher Die Nacht der Verlorenen, das im Herbst 2008 mit der London Sinfonietta in der Queen Elizabeth Hall London uraufgeführt wurde.

 

Larchers Kompositionen wurden vielfach ausgezeichnet. Seine Werke werden exklusiv bei  Schott Music verlegt.
(Schott-Verlag / ORF-SO / hr )

 

Donnerstag, 26. März 2009, Musikverein Wien, Großer Saal, 19.30 Uhr
Bösendorferstrasse 12
1010 Wien

Thomas Larcher: Konzert für Violine und Orchester (2008/2009), Uraufführung Auftragswerk des RSO Wien, des RSO Saarbrücken und des Radio Filharmonisch Orkest Amsterdam

RSO Wien
Dirigent: Bertrand de Billy
Violine: Isabelle Faust

 

Sonst auch nicht schlecht, das Programm, wird noch recht französisch . Es beginnt mit
Richard Strauss – “Don Juan”. Tondichtung nach Nikolaus Lenau für großes Orchester, op. 20
dann Larcher
Pause
Henri Dutilleux – “Mystere de l´instant”
Maurice Ravel – “Tzigane”. Rhapsodie de concert für Violine und Orchester
“Rhapsodie espagñole”

Weitere Aufführungen:
Eine weitere Aufführung des Konzerts mit Isabelle Faust spielt am 27. März in Saarbrücken die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern unter Christoph Poppen. Die niederländische Erstaufführung ist für den 23. Januar 2010 in Amsterdam mit dem Radio Filharmonisch Orkest unter der Leitung von Ed Spanjaard vorgesehen.

In Kürze:
Thomas Larcher Böse Zellen
Dirigent: Dennis Russell Davies
01.05.2009 | Carnegie Hall, Zankel Hall – New York, NY – Vereinigte Staaten von Amerika

 

“Thomas Larcher hat nicht nur für eine Rehabilitation des Klavierkonzertes gesorgt. Böse Zellen ist für die Möglichkeiten dieser Gattung zweifelsohne der zukünftige Wegweiser.”  (Frankfurter Rundschau)

 

Donnerstag, 26.3., Wiener Konzerthaus, Mozart-Saal, 19.30 Uhr
Lothringer Strasse 20
1030 Wien

 

Klangforum Wien / Pomárico «Luxuria – Die Prasser»

 

Brice Pauset – Vita Nova (EA)
Sebastian Claren – Krieg2: Lost Friend (EA)
Emmanuel Nunes – Épures du serpent vert II
Chaya Czernowin – Afatsim (1996)

Klangforum Wien
Sophie Schafleitner, Violine
Emilio Pomárico, Dirigent

(na ja, auch sehr französisch . und sehr gute österreichische Solistin vom Klangforum Wien).

 

de Billy © RSO Wien
Thomas Larcher ©  Homepage Larcher
Isabella Faust © www.impresariat-simmenauer.de