Uni Wien: ÖH fordert Maßnahmen gegen rückschrittliche Kleidungsvorschriften und sexistische Aussagen der Chorleitung

(OTS) „militant“ und „neues Phänomen“ nannte die musikalische Leitung der Universitären Chöre jene Sänger_innen, die die strengen Kleidungsvorschriften bei Chorkonzerten kritisieren.

Der Umgang in der Philharmonie und die sexistischen Aussagen sind mit den Werten der Uni Wien nicht zu vereinbaren. Die Universität bekennt sich zur Frauenförderung sowie zu einem respektvollen Umgang mit Trans-, intergeschlechtlichen und nichtbinären Personen. Beim musikalischen Leiter des Innovationszentrums ist davon keine Spur. Die Universität darf solch einen Umgang nicht tolerieren

(Toma Khandour – Vorsitzteam der ÖH Uni Wien )

Die Machtstrukturen, unter denen die Chöre und Orchester im Innovationszentrum der Uni geleitet werden, erlauben den Sänger_innen kaum Mitspracherecht. Es braucht dringend mehr Transparenz und eine Vertretung der Musiker_innen gegenüber der Leitung, dem Innovationszentrum und der Universität

(Fridolin Tagwerker – Vorsitzteam der ÖH Uni Wien )

(Wien/OTS) – Die 9 Chöre und 2 Orchester der Universität Wien sind Teil des sogenannten „Innovationszentrums“, einer 100%igen Tochter der Uni Wien. Schon länger gibt es seitens der Musiker_innen Beschwerden gegen den musikalischen Leiter des Innovationszentrums.

Zuletzt kam es in mehreren Chören zu Diskussionen bezüglich zu strenger Kleidungsvorschriften bei Konzerten. Weibliche Stimmen müssten demnach lange Röcke tragen, eine Option auf Hosen sei nicht möglich. Für die Konzerte des „Voice Club Beginners“ im Juni wird nach Einschalten der Geschäftsführerin des Innovationszentrums und des universitätseigenen Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen eine Ausnahme gemacht: die weiblichen Stimmen dürfen ausnahmsweise weite Hosen anziehen, da die Kleidungsvorschriften in diesem Fall zu spät bekannt gegeben wurden. Wem die Vorschriften jedoch nicht passen, die solle sich im nächsten Semester nicht mehr für den Chor anmelden, so der musikalische Leiter.  Auch für besondere Projekt-Chöre, sollen sich nur jene Sänger_innen melden, die bereit sind, lange Röcke zu tragen.

Ein Teil des symphonischen Frauenchors der Uni Wien verfasste bereits einen offenen Brief, welcher an das Innovationszentrum, den Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen und an das Rektorat der Uni Wien gerichtet war. In diesem werden Schreiereien, Kränkungen, Drohungen und sexistischen Bemerkungen des Leiters geschildert. Der Leiter selbst verwies laut Brief darauf, man könne sich bei der Gleichbehandlungsstelle melden. Diese Aktion würde jedoch keinen Erfolg mit sich bringen, denn wer mitsingen möchte, müsse an dem Leiter persönlich vorbei, denn er sei die Philharmonie.

„Der Umgang in der Philharmonie und die sexistischen Aussagen sind mit den Werten der Uni Wien nicht zu vereinbaren. Die Universität bekennt sich zur Frauenförderung sowie zu einem respektvollen Umgang mit Trans-, intergeschlechtlichen und nichtbinären Personen. Beim musikalischen Leiter des Innovationszentrums ist davon keine Spur. Die Universität darf solch einen Umgang nicht tolerieren“, fordert Toma Khandour aus dem Vorsitzteam der ÖH Uni Wien.

Sänger_innen des symphonischen Frauenchors schildern in ihrem offenen Brief auch eine Szene, in welcher der Chorleiter zu ihnen meinte, er organisiere eine Dating-Party, in welcher jede Sängerin einen männlichen platonischen Freund mitbringe und dann mit einem anderen Mann nach Hause gehen solle.

Unabhängig von der Veröffentlichung des offenen Briefes wurde von mehreren Sänger_innen eine Petition ins Leben gerufen, um auf die Forderungen nach freier Wahl der Konzertkleidung für alle Stimmen, mehr Transparenz, Antidiskriminierung und einer Musiker_innenvertretung aufmerksam zu machen.

“’unermüdlich neugierig‘ – mit diesem Slogan schmückt sich die Universität Wien immer wieder öffentlich. Wir sind vor allem eines: unermüdlich und wütend. Die Universität Wien profiliert sich durch eine Philharmonie, die ihre Mitglieder, durch eine irrationale Machstruktur sowie veraltete und sexistische Vorschriften diskriminiert. Wir fordern Transparenz und Antidiskriminierung in allen Unistrukturen und somit innerhalb der gesamten Philharmonie der Universität Wien und wir hören nicht auf wütend zu sein, bis unsere Forderungen umgesetzt worden sind“, so einige Mitglieder der Philharmonie Universität Wien. 

In einer Stellungnahme seitens des Innovationszentrums gegenüber des Offenen Briefs des Symphonischen Frauenchors heißt es, dass es innerhalb der Frauenstimmen jetzt die Wahl zwischen Röcken oder weiten Hosen gibt – in Proben wurde Frauen von der musikalischen Leitung aber ausdrücklich empfohlen Röcke zu tragen. Personen in den Männerstimmen haben hier keine Möglichkeit sich frei zwischen Rock und Hose zu entscheiden. Zudem wurde darauf verwiesen, dass die Konzertkleidung teilweise vom Auftraggeber abhängig sei – ein Argument, welches einigen Sänger_innen der Philharmonie laut ihren Schilderungen völlig neu war. In Bezug auf den nicht tragbaren Umgangston, bedaure der Leiter sehr, dass sich Personen dadurch gekränkt fühlten und entschuldige sich. 

Nach schriftlichem Austausch zwischen ÖH und Rektorat, versichert das Referat das Verhalten nicht entschuldigen zu wollen und das Gespräch mit dem musikalischen Leiter und der Geschäftsführerin des Innovationszentrums zu suchen. Die ÖH erwartet eine Aufarbeitung der problematischen Vorfälle und drängt auf konkrete Maßnahmen. 

„Die Machtstrukturen, unter denen die Chöre und Orchester im Innovationszentrum der Uni geleitet werden, erlauben den Sänger_innen kaum Mitspracherecht. Es braucht dringend mehr Transparenz und eine Vertretung der Musiker_innen gegenüber der Leitung, dem Innovationszentrum und der Universität“, kritisiert Fridolin Tagwerker aus dem Vorsitzteam der ÖH Uni Wien.

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ÖH Uni Wien