„Und dann haben auf einmal alle unsere Lieder mitgesungen“ – LOVEHEAD im mica-Interview

Der Sommer ist bereit für Erdbeereis in der Dusche und Vodka mit Kirschsaft. Der Sommer ist bereit für LOVEHEAD – die neuen Indierock-Aufsteigerinnen aus Österreich. Mit charmant hingerotzten Texten über alte Lieben, Legosteine und unliebsame Nüsse, eingebettet in quirlig-grungige Low-Fi-Sounds, haben ANNA (Bass, Gesang), ELENA (Schlagzeug, Gesang) und MARA (Gitarre, Gesang) innerhalb kürzester Zeit einen Hype erzeugt – die Singles „denkst du an mich?“ und „erdnussallergie“ werden bereits vielerorts textsicher mitgegrölt und sorgten für virales Geschehen auf den Streaming-Plattformen. Am 18.7. erschien die neue Single „Lieder für mich“. Am 25.7. waren lovehead live beim Popfest in Wien zu erleben. Im mica-Interview sprechen die drei burgenländischen Musikerinnen über Backstage-Fan-Momente mit ihren Idolen, die allgegenwärtige Cringe-Gefahr bei Lyrics und wie es so ist, unerwartet Rockstar zu werden.

Ihr habt euch als Band über Instagram zusammengefunden – mögt ihr uns ein bisschen mehr über dieses Kennenlernen erzählen?

Mara: Das ist so entstanden, dass Anna irgendwann 2021 auf Instagram ein Cover hochgeladen hat, wo sie gesungen und Gitarre gespielt hat und ich habe ihr einfach in die Kommentare geschrieben, ob wir vielleicht eine Band gründen wollen. Daraufhin haben wir uns wirklich getroffen und gemerkt, dass wir einen Schlagzeuger oder eine Schlagzeugerin brauchen. Da ist Leni dazugekommen: Anna und Leni lernten sich auf einer Party kennen, ich hatte sie eigentlich schon von der Schule gekannt. Dort waren wir aber keine Freundinnen, wir sind uns nur begegnet und waren so, „Hallo“. Ich glaube, wir waren schon zumindest auf einem Level, wo man sich gegrüßt hat. (lacht)

Leni: Wir hatten ein Fach zusammen, redeten aber nicht. Jetzt würde ich schon sagen, dass wir uns ganz gut verstehen. (lacht)

Anna: Das wäre jetzt urspannend, zu wissen, wie ihr da so wart in der Schule. Ich kann mir euch irgendwie gar nicht vorstellen (lacht). Wir waren zwar in der Band zusammen, aber ich hatte oft das Gefühl, dass wir nicht wie komplett enge Freunde gewirkt haben, also eigentlich nur so semi-gute Freunde, irgendwie waren wir halt auch so am Existieren parallel voneinander.

„Wir haben kurz geprobt und dann haben wir Sims gespielt“

Habt ihr dann gleich mal gemerkt, dass ihr ähnliche musikalische Interessen oder Geschmäcker habt? Wie ist es dann weitergegangen?

Anna: Ich glaube, bei Mara und mir hat es eigentlich ganz gut funktioniert von der Musik her. Jetzt hören wir schon irgendwie ähnliche Musik, aber alle ein bisschen in andere Richtungen. Wir haben auch viel gecovert am Anfang. Eigentlich haben wir gar nicht so viel gespielt, ich glaube, wir haben kurz geprobt und dann Sims gespielt.

Wir haben eigentlich erst vor eineinhalb Jahren begonnen, Lieder wirklich komplett fertig zu schreiben. Es hat auch ein bisschen die freundschaftliche Entwicklung gebraucht, dass wir uns auf das Musikalische einigen können. Deswegen: Es hat schon gematcht, aber beim Schreiben hat es ein bisschen gebraucht.

„Jetzt, wo wir viel unterwegs sind, ist es so, dass jede ihre Grenzen gut äußern kann“

Leni: Es hat einfach lange gebraucht, bis wir so weit waren, das gemeinsam zu machen, weil zusammen Schreiben auch etwas voll Intimes ist. Dafür war diese Freundschaft nötig, die sich über die Jahre aufgebaut hat.

Anna: Auch, dass man mit negativeren Sachen umgehen kann. Ich glaube, dass wir vor allem im Songwriting-Prozess, vor allem am Anfang, beim Kommunizieren noch Schwierigkeiten hatten, damit wir alle gut ausdrücken können, was wir mögen und was nicht. Ich glaube, jetzt wissen wir das ganz gut. Jetzt, wo wir viel unterwegs sind, ist es so, dass jede ihre Grenzen gut äußern kann, das ist schon ziemlich geil, weil wir uns jetzt schon sehr, sehr gut kennen. Das hat schon alles seinen Sinn gehabt, dass wir so lang gebraucht haben.

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Wie war der Songwriting-Prozess zum Beispiel bei euren beiden Singles „erdnussallergie“ und „denkst du an mich?“

Mara: Bei „erdnussallergie“ war es wirklich so, dass wir das komplett zu dritt geschrieben haben. Da haben wir auch wirklich nicht darüber nachgedacht, was wir eigentlich schreiben wollen. Wir haben einfach mal angefangen und sind erst im Nachhinein draufgekommen, was das eigentlich sein könnte. Keine Ahnung, was man da so reininterpretieren kann.

Bei „denkst du an mich?“ habe ich die erste Strophe alleine geschrieben. Ich weiß gar nicht mehr, warum mich das in dem Moment so beschäftigt hat. Ich bin da einfach gesessen und so, „Hm. Na gut, schreibe ich mal“. Den Rest haben wir gemeinsam geschrieben.

Anna: In London. Die zweite Strophe haben wir in London in dieser Bar geschrieben.

„Mein Ziel waren 1000 Streams“

Die Songs haben sofort extrem viele Listeners bekommen. Der Major-Label-Vertrag war dann auch nicht mehr weit. Habt ihr mit dem Erfolg gerechnet?

Anna: Mein Ziel waren so 1000 Streams, sodass es von Spotify quasi „anerkannt“ wird. Da dachte ich mir, das wäre ganz gut, wenn das passiert (lacht). Beim Label habe ich das gar nicht gecheckt, als sie uns eingeladen haben. Ich dachte mir so, hä, wieso macht ihr das? Das war schon cool.

Mara: Es war auch crazy, weil das eine TikTok, das wir hochgeladen haben bei „denkst du an mich?“ ging ja so semi-viral. Also ich dachte zumindest, es wäre viral gegangen.

Anna: Ich auch (lacht). Ich glaube, es hat mittlerweile schon 10.000 Likes. Aber damals hatte es 8000. Da haben wir auch die ganze Zeit in die Gruppe geschrieben, so: „Oh mein Gott, es hat schon 2000 Likes.“ (schaut nach) Ah, es hat jetzt schon 11.000, Leute. Schon gut.

Leni: Wir sind berühmt (lacht).

Mara: Ich dachte mir niemals, dass die Leute das hören werden.

Bild der Band lovehead
lovehead © Nikolas Rode

Was, glaubt ihr, ist es in euren Songs, das so viele Menschen instantly angesprochen hat? Waren es bestimmte Emotionen, worin sich andere wiederfinden?

Elena: Ich glaube, dass es viel damit zusammenhängt, dass die Songs aus drei Perspektiven entstehen. Auch wenn zum Beispiel die ersten Strophen von einer von uns sind, kommt ja das Musikalische immer von uns dreien. Ich glaube einfach, dass das Leute anspricht, weil du nicht das Gefühl hast, es ist personalisiert und extrem individuell, sondern es ist so eine Mischung. Und ich glaube, diese Mischung spricht Leute an, weil es niederschwelliger ist und man das gut verstehen kann.

Anna: Mir ist das am Anfang gar nicht so aufgefallen, aber ich glaube, es klingt vielleicht ein bisschen anders als das, was es gerade so gibt. Weil es nicht so perfekt ist. Das war eh ein harter Weg, weil ich bin sehr perfektionistisch. Und dann klingt das halt teilweise ein bisschen schief (lacht). Auch bei den Liedern, wo ich gesungen habe, war ich so: „Oh Gott, das kann man nicht veröffentlichen.“ Aber ich glaube, das ist das, was auch ganz cool ist. Weil es sich sehr echt anhört. Und dann klingt es halt auch live, glaube ich, schneller gut, also vielleicht ist das eh besser so für uns (lacht).

„Embrace the Cringe“

War für euch immer klar, dass ihr die Texte auf Deutsch schreibt?

Elena: Ich war von Anfang an so, Leute, schreiben wir auf Deutsch. Und dann waren die anderen beiden so, hm, mal schauen.

Mara: Es gibt ur die cringen englischen Texte.

Anna: Ja, man kann halt auf Englisch viel Cringe schreiben. Ich glaube, es wirkt auch viel echter, dass wir auf Deutsch schreiben. Deswegen glaube ich, ist es ein Vorteil. Wenn man nicht Native Speaker ist in der Language…(lacht)….man kann halt viel besser schreiben wie man denkt, ich glaube, es geht einfach viel direkter von der Seele. Wobei es manchmal auch schwierig ist, auf Deutsch zu schreiben. Weil es sich auch schneller cringe anhört, bei emotionalen Sachen zum Beispiel. Aber so ist es halt auch manchmal.

Mara: Embrace the Cringe.

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Wenn ihr ein Highlight aus eurer bisherigen Karriere nennen könntet – ein Schlüsselmoment, der sich irgendwie magisch für euch anfühlte, welcher wäre das?

Leni: Ich habe zwei Sachen: Einerseits durften wir uns so eine Catering-Liste zusammenstellen, was ganz komisch ist. Und das zweite ist für mich, dass wir Kraftklub beim Christopher Street Day getroffen haben. Ich höre die schon ewig. Das war auch ein bisschen so, wow, die sind einfach Riesenkünstler und wir haben die einfach so getroffen. Das war schon komisch im Fan-Kontext, einfach so „Hey…wie geht‘s dir?“ (lacht).

Anna: Generell solche Treffen mit anderen Artists, vor allem bei Kraftklub, da war ich so, oh mein Gott. Ich war nach unserem Auftritt kurz im Backstage, Felix ist an mir vorbeigegangen und hat „denkst du an mich?“ gesungen. Das war krass. Beim Spielen war ich so, oh mein Gott, da steht er ja. Er hat uns zugeschaut und gefilmt. Das war schon insane.

Ich glaube auch, was richtig cool war für mich, war der Auftritt im Loft. Eigentlich war es das erste Mal, nachdem „denkst du an mich?“ rausgekommen ist und dann haben auf einmal Leute unsere Lieder mitgesungen. Da waren lauter glückliche Gesichter, die „denkst du an mich?“ gesungen haben. Das waren schon krasse Momente, finde ich.

Generell einfach, dass auch dieser unbewusste Traum aufgeht. Ich habe nie daran gedacht, dass ich vielleicht mal hauptberuflich Musik machen würde. Ich dachte mir halt, nee, safe nicht, das passiert ja nicht. Insgeheim würde man es ja schon cool finden. Aber ich habe mich ja gar nicht getraut, das zu träumen. Dass es dann doch passiert ist, das war der Plot-Twist des Todes.

„Jetzt bin ich Rockstar. Ist auch okay.“

War das bei euch allen so, dass ihr nicht damit gerechnet habt?

Leni: Absolut, ja. Also eigentlich war das mit Musik nebensächlich. Ich studiere noch Soziale Arbeit und mir macht das eigentlich voll Spaß. Ich bin eigentlich voll ready, eine Sozialarbeiterin zu sein. Aber jetzt bin ich Rockstar. Ist auch okay.

Mara: Ich wollte dieses Jahr eigentlich wieder den Medizin-Aufnahmetest machen. Ich dachte mir, wenn es mit der Medizin nichts wird, dann probiere ich Lebensmittel- und Biotechnologie an der BOKU und schaue nebenbei voll auf die Band – egal was kommt, Auftritte gehen vor und ich möchte mich darauf fokussieren. Jetzt ist es halt wirklich so, dass das was geworden ist, das finde ich irgendwie krass. Jetzt mache ich den Test erstmal nicht und schauen wir mal, wie das wird.

Leni: Ich glaube, da sind wir auch alle extrem dankbar. Man kriegt das, während das alles passiert, gar nicht so stark mit und manchmal sitze ich da und bin so: Hä? Warte mal, das kann ja nicht wahr sein. Ich bin in einem Fiebertraum, das ist alles nicht echt, wie kann das sein? Es ist schon echt krass, wenn man realisiert, was da so abgeht, weil es so schnell geht. Da hat man oft gar nicht den Moment, zu checken, dass das echt Wahnsinn ist.

Bild der Band lovehead
lovehead © Nikolas Rode

Arbeitet ihr gerade an einem Album? Und wenn ja, wie erlebt ihr diese Arbeit?

Also einen Arbeitsprozess in dem Sinn gibt es irgendwie noch gar nicht, weil viele von den Songs, die wahrscheinlich mal auf eine EP kommen werden, haben wir schon vor einem Jahr geschrieben. Da haben wir auch sehr viel geschrieben und deswegen brennen wir schon ein bisschen darauf, dass die endlich rauskommen, weil wir die jetzt schon so lange hören. Ich glaube, wenn man wirklich ein Album macht, wo man sich wirklich darauf konzentriert, dass man bewusst Songs für ein Album schreibt, ist das ein ganz anderer Prozess, als er es jetzt bei uns war.

Welche Musiker:innen und Bands inspirieren euch?

Mara: Soll ich anfangen? Ich habe ja meine Lieblingsband, das ist Peach Pit aus Kanada, die finde ich ganz toll. Dann sind es noch MJ Lenderman und auch die Serie Twin Peaks.

Leni: Ich glaube, eine Band, die uns alle drei inspiriert, gibt es nicht wirklich, weil wir schon unterschiedliche Musik hören. Aber individuell, glaube ich, gibt es das schon. Bei mir ist es vor allem deutsche Musik, AnnenMayKantereit, Provinz etc.

Anna: Ich höre natürlich schon gerne Musik, aber ich habe nicht so konkrete Bands, die mich beim Musik machen beeinflussen.

Was ist der nächste Meilenstein, auf den ihr euch freut?

Leni: Festmachen kann ich es gerade nicht an irgendetwas, weil ich glaube, ich muss erst mal die Meilensteine bis jetzt checken.

Anna: Es ist alles so krass, da gibt’s gar nichts, auf das ich mich am meisten freue.

Mara: Auf eine erste Tour freue ich mich richtig, wenn wir selber eine Headline-Show-Tour machen, das ist der nächste Meilenstein für mich.

Leni: Ok, stimmt, ja, da hänge ich mich dran.

Danke euch für das Interview!

Florentina Finder

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Live Ö-Dates:
25.07. Popfest, Wien
01.+02.8. Arena, Wien (Support Provinz)
08.08. picture on festival, Bildein (Burgenland)
30.08. Ashtival, Hollabrunn

01.-04.10. Waves Vienna

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Links:
lovehead (Instagram)