Follow the Money! Musik als Spekulationsgut – Teil 3: Shamrock Capital Advisors

Shamrock Capital Advisors, eine Private-Equity-Gesellschaft mit Sitz in Los Angeles, sorgte im Oktober 2020 für Schlagzeilen mit dem Kauf der ersten sechs Alben von Taylor Swift um US $405 Millionen von Scooter Brauns Ithaca Holdings, der dem Entdecker von Justin Bieber und Ariana Grande einen erheblichen Gewinn einbrachte. Taylor Swift lehnte den Verkauf jedoch ab und plante, alle sechs Alben neu aufzunehmen, um den Wert der Original-Aufnahmen zu mindern. Shamrock Capital Advisors ist eine Tochtergesellschaft von Shamrock Holdings, die 1978 von Roy E. Disney, einem Neffen von Walt Disney, gegründet wurde. Das Unternehmen hat eine Geschichte bemerkenswerter Medienakquisitionen, die meist mit Gewinn wieder verkauft werden konnten, darunter die Blockbuster Entertainment Corporation und Shamrock Broadcasting.

Teil 3 der Serie beschäftigt sich nun mit der Rolle von Shamrock am Musikrechtemarkt und beleuchtet die Funktionsweise von Private-Equity-Projekten in diesem Bereich.

Shamrock steigt in der Musikrechtemarkt ein

Im Jahr 2010 verlagerte Shamrock Capital Advisors seinen Schwerpunkt auf die Musikindustrie und erwarb von der Universal Music Group eine Mehrheitsbeteiligung an der INgrooves Music Group, die später vom Musik-Major zurückgekauft wurde.1 2017 erwarb Shamrock die restlichen Anteile der Familie Disney und stieg mit dem Kauf des Songwriting-Katalogs des norwegischen Musikproduzententeams Stargate in den Musikrechte-Markt ein.2 Shamrock erwarb außerdem den Master-Katalog des OM Dance Labels und einen Anteil an den Tantiemen des Rappers Eminem.3

2020 startete Shamrock Capital seine Content-Strategie mit Schwerpunkt auf börsennotierte Unternehmen und aktienbezogenen Investitionen im globalen Unterhaltungsmarkt. Der Entertainment IP Fund wurde in Shamrock Capital Content Fund I (SCCF I) umbenannt und verfügte über ein verwaltetes Vermögen von US $250 Millionen.4 Der Fonds zielte auf verschiedene IP-Rechte im Unterhaltungsbereich ab, darunter Filmunterhaltung, TV-Programme, Musikverlagsrechte, Musikaufnahmen und Videospiele. Bis 2020 hielt SCCF I Anteile an über 800 Filmen, 1.000 TV-Episoden und 5.000 Musikkompositionen. Shamrock sammelte anschließend US $400 Millionen für den Content Fund II (SCCF II) ein, um weiterhin in IP-Rechte im Unterhaltungsbereich zu investieren, und zog dabei sowohl bestehende als auch neue Investoren an.5

Im Juni 2021 schloss Shamrock eine neue Finanzierungsrunde für seinen Growth Fund V (SCGF V) ab und sammelte US $1 Milliarde für Investments in den Bereichen Medien, Informationsdienste, Kommunikation und Online-Netzwerke ein. Zu den Anlegern gehörten Pensionsfonds, Stiftungen, Family Offices und Finanzinstitute.6 Ein Jahr später legte Shamrock den Debt Opportunities Fund I (SCDOF I) mit einem Volumen von US $196 Millionen auf, der sich auf die Vergabe von Krediten an Unterhaltungs-IP-Rechteinhaber konzentrierte. Dieser Fonds vergab auch Kredite an Urheberrechts- Leistungsschutzrechteinhaber, die diese mit Zinsen aus künftigen Lizenzentgelten zurückzahlten.7

Aufgrund der starken Investoren-Nachfrage legte Shamrock 2022 den Content Fund III (SCCF III) auf, für den bis Februar 2023 US $600 Millionen eingeworben werden konnten. Dieser Fonds setzte die Content-Strategie fort, indem er in Copyright-Portfolios aus verschiedenen Bereichen der Unterhaltungsbranche investierte.8 Die erste Investition des SCCF III war der Erwerb von 75 bis 90 Prozent der Copyrights von Dr. Dre, darunter Lizenzentgelte aus seinen Soloalben und denen der Rap-Formation N.W.A. Die restlichen 10 bis 25 Prozent der Rechte von Dr. Dre wurden von der Universal Music Group erworben, die auch die Masteraufnahmen von „The Chronic“ kaufte, die Death Row Entertainment aufgrund von Rückgabebestimmungen im US-Urheberrechtsgesetz im August 2022 an Dr. Dre retournierte. Der geschätzte Gesamtverkaufspreis für beide Anteile an den Copyrights von Dr. Dre lag zwischen US $200 und 250 Millionen.9 2023 kaufte SCCF III auch einen Teil des Musikverlagskatalogs von Metro Boomin und erwarb ein Portfolio an Film-, Fernseh- und Musikrechten von der Vine Alternative Investments Group, darunter mehr als 150 Songs des Songwriters und Musikproduzenten DJ Calvin Harris, die Vine im Jahr 2020 für US $105 Millionen gekauft hatte.10

Die Content Strategie von Shamrock

Eine Präsentation für den Shamrock’s Capital Content Fund III (SCCF III) vom Juni 2022 skizziert die Strategie, in unterbewertete Unterhaltungsrechte zu investieren, darunter Musik, Film, Fernsehen, Games und Sport. Ziel ist es, durch aktives Portfoliomanagement, Prozessverbesserungen und die Schaffung von Derivaten zusätzlichen Wert zu erschließen. Die Strategie konzentriert sich auf Inhalte mit einem langfristigen Ertragsprofil, das unabhängig von Konjunkturzyklen und globalen Marktschwankungen ist, und strebt eine Bruttorendite im mittleren Zehnerbereich an.11

Abbildung 1: Die Content Strategy von Shamrock Capital Advisors

Die früheren Fonds von Shamrock, SCCF I und SCCF II, erzielten unterschiedliche Rendite-Ergebnisse. SCCF I mit einem Volumen von US $249,7 Millionen wies eine interne Rendite (IRR) von 17 Prozent und einen Netto-Kapitalmultiplikator (MOIC) von 1,4x auf. Im Gegensatz dazu schnitt der SCCF II mit einer IRR von nur 2 Prozent und einem MOIC von 1,0x bei einem Kapitalvolumen von US $406,9 Millionen deutlich schlechter ab. Zu den Investitionen von SCCF II könnten die ersten sechs Studioalben von Taylor Swift gehören.12 Der SCCF III erhielt Finanzierungszusagen in der Höhe von insgesamt US $600 Millionen und investierte in ein Portfolio aus Film-, Fernseh- und Musikrechten, darunter mehr als 150 Songs von Calvin Harris. Wir können auch vermuten, dass SCCF III Anteile am Musikverlagskatalog von Metro Boomin und am Rechteportfolio von Dr. Dre erworben hat.13

Das Employees‘ Retirement System of Rhode Island (ERSRI) gehört zu den wichtigsten institutionellen Investoren in den Fonds. 2020 brachte ERSRI US $20 Millionen für den SCCF II auf und ein Jahr später weitere US $10 Millionen in ein Co-Investment-Vehikel namens SCCF Co-Invest, das keine Managementgebühren und keine Carried Interest berechnete. Im Jahr 2022 hat ERSRI US $30 Millionen für SCCF III zugesagt. Die Anlagestrategie von ERSRI umfasst ein diversifiziertes Portfolio mit erheblichen Investitionen in Private Equity und Hedgefonds zum Schutz vor Inflation und Volatilität. Im Bericht des General Treasurers des US-Bundesstaates Rhode Island für das Geschäftsjahr 2022 wurden für den SCCF I eine Netto-IRR von 0,45 Prozent und ein Netto-MOIC von 1,0x ausgewiesen. Der SCCF II Co-Invest-Fonds schnitt mit einer Netto-IRR von 12,2 Prozent und einem Netto-MOIC von 1,14x besser ab. Dennoch empfahl der General Treasurer, US $30 Millionen in den SCCF III zu investieren. Als Gründe für die Investition nannte er die Reputation von Shamrock im Medien- und Unterhaltungssektor, äußerte jedoch auch Bedenken hinsichtlich der langen Investitionsdauer. Als Ausstiegsstrategie könnte jedoch die Umwandlung des Fonds in ein Evergreen-Vehikel mit langfristiger Rendite oder die Verbriefung der Fondsvermögen in Frage kommen.14

Risiko und Ausstiegsszenarien

Shamrock Capital Advisors ist ein gutes Fallbeispiel, um die Hintergründe für den Musikrechte-Investitionsboom zu verstehen. Shamrock war von Anfang an eine Private-Equity-Gesellschaft mit Schwerpunkt auf der Unterhaltungsbranche. Mitte der 2010er Jahre erkannten die Entscheidungsträger von Shamrock, dass Musikrechte eine gute Investitionsmöglichkeit zu sein schienen. Shamrock ging davon aus, den Wert der Musikkataloge durch aktives Portfoliomanagement und Prozessverbesserungen in der Rechteverwaltung und Rechtelizenzierung steigern zu können.

Investitionen in Musikrechte versprechen stabile und vorhersehbare Einkommensströme mit geringer Korrelation zu allgemeinen Wirtschafts- und Markttrends. Daher eignen sie sich als Absicherungsinstrumente in diversifizierten Anlageportfolios. Die Hauptzielgruppe für diese Fonds sind Altersvorsorge- und Pensionskassen, Versicherungsgesellschaften, Stiftungen, Staatsfonds, vermögende Privatpersonen (HNWI) und andere Finanzinstitute. Diese erwarten eine jährliche Rendite im mittleren Zehnerbereich, wie im Fall des Employees‘ Retirement System of Rhode Island (ERSRI) gezeigt werden konnte.

Der ERSRI-Fall verdeutlicht jedoch auch das Risiko von Investitionen in Unterhaltungs-IP. ERSRI investierte jeweils US $30 Millionen in die SCCF I und SCCF II Fonds, erzielte jedoch sehr unterschiedliche Renditen. Ende Mai 2022 wies SCCF I eine interne Rendite (IRR) von 17 Prozent und einen Netto-Kapitalmultiplikator (MOIC) von 1,14x auf, während SCCF II eine IRR von nur 2 Prozent und einen MOIC von 1,0x erzielte. Wir wissen, dass SCCF I den Stargate-Katalog mit Hits von Rihanna, Katy Perry und Beyoncé beinhaltet, aber über die IP-Vermögenswerte im SCCF II Fonds können wir nur spekulieren. Vielleicht waren im Fonds die ersten sechs Studioalben von Taylor Swift dort geparkt. Wie dem auch sei, am 30. Mai 2025 ließ Taylor Swift in einem handgeschriebenen Brief ihre Fans wissen, dass sie alle Masteraufnahmen von Shamrock Capital zurückgekauft hatte, was sie weniger mit wirtschaftlichen, sondern emotionalen Motiven erklärt: „This was a business deal for them [Shamrock Capital], but I really felt like they saw it for what it was to me: My memories and my sweat and my handwriting and my decades of dreams. I am endlessly thankful.“15 Über den Kaufpreis schweigt sich die Künstlerin allerdings aus. In den Medien wird aber darüber spekuliert, dass Taylor Swift tief in die Tasche greifen musste, um die Kontrolle über die Masterrechte wiederzuerlangen. Mindestens US $600 Millionen musste sie nach Schätzung der Celebrity-Postille Page Six auf den Tisch legen.16

Jedenfalls hat sich der Deal für Shamrock gerechnet. Allerdings ist nicht jeder Exit aus einem Private Equity-Projekt so lukrativ. Folgende Exit-Strategien lassen sich jedenfalls feststellen:

  • Die Private Equity-Gesellschaft kann den Fonds verkaufen, wenn der Marktwert des Fonds gestiegen ist.
  • Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den Fonds im Rahmen eines Börsengangs (IPO) Anlegern an der Börse anzubieten.
  • Die Verbriefung der Vermögenswerte des Fonds, z. B. in Form der Emission von Asset-Backed Securities (ABS), die durch Musikkataloge besichert sind.
  • Der Private Equity-Fonds kann in einen Evergreen-Investmentfonds für die breite Öffentlichkeit übertragen werden.
  • NAV-Kredite (Net Asset Value), bei denen Kredite durch den Wert der Investitionen eines Private-Equity-Fonds besichert sind.
  • Der Transfer eines Fonds in einen anderen Fonds (fund-to-fund transfer).

Alle diese Ausstiegsstrategien sind mit einem erheblichen Risiko verbunden, insbesondere wenn das Private Equity-Unternehmen kleiner ist und nur über eine begrenzte Anzahl von Investitionen verfügt. Shamrock Capital Partner ist daher ein gutes Beispiel, da es „nur” über ein verwaltetes Vermögen von 4,4 Milliarden US-Dollar verfügt, von denen die Hälfte auf Unterhaltungs-IP-Fonds entfällt. Die Content-Strategie von Shamrock umfasst jedoch nicht nur die klassischen Private Equity-Fonds (SCCF I-III), sondern auch den Debt Opportunities Fund, der Kredite an Inhaber von Unterhaltungs-IP-Rechten vergibt. Damit hat Shamrock die Möglichkeit gewonnen, Musikrechteinhabern zwei Wege zur Verwertung ihrer Rechte anzubieten: (1) den Verkauf ihrer Kataloge und (2) einen Kredit gegen zukünftige Einnahmen.

Peter Tschmuck

Dieser Artikel erschien erstmal am 21. Juli 2025 auf der Seite https://musikwirtschaftsforschung.wordpress.com/2025/07/21/follow-the-money-musik-als-spekulationsgut-teil-3-shamrock-capital-advisors/

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Peter Tschmuck ist Professor am Institut für Popularmusik (ipop) der mdw.

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Follow the Money! Musik als Spekulationsgut – Teil 1: Ein kurzer historischer Abriss
Follow the Money! Musik als Spekulationsgut – Teil 2: Die Rolle der Finanzkonzerne

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Endnotes

  1. Music Business Worldwide, „Universal fully acquires Ingrooves Music Group“, 12. Februar 2019, Zugriff am 04.07.2025. ↩︎
  2. Billboard, „Shamrock Capital Acquires Stargate Publishing Catalog, Including Katy Perry, Rihanna & Beyonce Hits“, 16. Oktober 2018, Zugriff am 04.07.2025. ↩︎
  3. Ibid. ↩︎
  4. Shamrock Capital, „Content Fund“, o.D., Zugriff am 04.07.2025. ↩︎
  5. EDGAR, „Shamrock Capital Content Fund II, L.P.“, US Securities and Exchange Commission (SEC), Form D, 12. November 2019, Zugriff am 04.07.2025. ↩︎
  6. Pitchbook, „Shamrock Capital Growth Fund V, L.P.“, o.D., Zugriff am 04.07.2025. ↩︎
  7. Shamrock Capital Pressemitteilung, „Shamrock Capital Closes Inaugural Debt Opportunities Fund Targeting the Content Industries“, 7. Juli 2021, Zugriff am 04.07.2025. ↩︎
  8. Shamrock Capital Pressemitteilung, „Shamrock Capital Expands its Content Strategy with the Closing of Fund III“, 1. Februar, Zugriff am 04.07.2025. ↩︎
  9. Music Business Worldwide, „Dr. Dre selling music assets to Shamrock and Universal in $200m+ deal (report)“, 12. Januar 2023, Zugriff am 04.07.2025. ↩︎
  10. Music Business Worldwide, „Shamrock buys rights portfolio from Vine Alternative Investments – including 150+ Calvin Harris songs“, 18. Juli 2024, Zugriff am 04.07.2025. ↩︎
  11. Shamrock Capital presentation „Shamrock Capital Fund III, L.P., Juni 2022. ↩︎
  12. Ibid. ↩︎
  13. Music Business Worldwide, „Dr. Dre selling music assets to Shamrock and Universal in $200m+ deal (report)“, January 12, 2023, Zugriff am 04.07.2025. ↩︎
  14. Office of the General Treasurer of the State of Rhode Island, Shamrock Capital Content Fund III., L.P. – Staff Recommendation, Juni 2022. ↩︎
  15. Zititiert in Music Business Worldwide, „Taylor Swift buys back master rights to first six albums from Shamrock Capital“, 30. Mai, 2025, Zugriff am 04.07.2025. ↩︎
  16. Page Six, „Taylor Swift has chance to buy original recordings back — and one unlikely person is ‚encouraging‘ the deal: sources“, 21. Mai 2025, Zugriff am 04.07.2025. ↩︎