Mit „Lebenslügenlieder“ legt Markus Tripolt – bildender Künstler und Musiker – das Debüt seines Bandprojekts MÄNNER OHNE WERK vor. Der Titel kündigt bereits an, worum es hier geht: um das fragile Gleichgewicht zwischen Selbsttäuschung und Selbsterkenntnis, um innere Abgründe, leise Sehnsüchte und das ständige Ringen mit sich selbst.
Die Musik bewegt sich in einem Spannungsfeld aus Nachdenklichkeit und expressiver Dichte, ohne je in einen selbstmitleidigen Ton zu kippen. Das Klangbild ist warm, lebendig und zugleich klar konturiert. Man hört die Erfahrung, aber auch das Wagnis. Jeder Song wirkt wie ein aufgeschlagenes Kapitel – intim, aber nicht exhibitionistisch, poetisch, ohne abgehoben zu sein.
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Die Texte zeichnen sich durch eine unaufdringliche Direktheit aus, sie umkreisen Beziehungsdynamiken, Selbstbilder, innere Umbrüche. Dabei bleibt der Ton stets reflektiert, gelegentlich auch ein wenig trotzig, nie aber zynisch oder belehrend. Es ist ein Blick, der Nähe schafft – nicht zuletzt durch Tripolts markant rauchige Stimme, die den Liedern eine raue, glaubwürdige Erdung verleiht.
Musikalisch entfaltet sich das Album in fein abgestuften Arrangements: Zwischen klassischer Liedermachertradition, kunstvollem Pop und subtilen Wien-Referenzen entsteht ein offenes, organisches Klangfeld. Dafür sorgt auch die prominente Begleitung: Produzent Andy Baum bringt stilistische Klarheit und Tiefe ein, Polio Brezina setzt pointierte Keyboardakzente, während der leider kürzlich verstorbene Walther Soyka mit seinem Knopferlspiel da und dort für zusätzliche Farbtupfer sorgt.
„Lebenslügenlieder“ ist ein Album, das sich nicht aufdrängt, aber nachwirkt. Es erzählt von Brüchen und Versäumnissen, von kleinen Wahrheiten und großen Fragen – und findet dafür eine musikalische Sprache, die berührt, ohne zu beschwichtigen.
Michael Ternai
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