THECLOSING – „dents“

Das Wiener Experimental-Duo THECLOSING veröffentlichte am 23. Juni 2017 sein neues Album „dents“ (Wolkenvorhang/Filthy Broke). Seit 2004 schaffen die beiden Musik, die sich jeder Kategorisierung widersetzt und stets Analoges und Digitales vermischt.

Daniela Palma Caetano Auer und Alexander Hengl arbeiten seit 2004 gemeinsam unter dem Namen theclosing. „dents“ ist bereits das fünfte Album – und obwohl sie immer wieder Entwicklungen durchgemacht haben, bleiben sie ihrem unverwechselbaren Stil in jedem Werk treu. Mit spannungsvollen Klangteppichen und befremdenden Tonkombinationen, die sich jedoch im Kontext des Liedes harmonisch zusammenfügen, hat sich das Duo als besonderer Act der experimentellen Musik in Österreich hervorgetan.

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Wenn man das Weltall hören könnte

Die Grundstimmung der Kompositionen oszilliert zwischen Dystopie und Utopie: In einem Moment herrscht eine klangliche Apokalypse mit chaotischem Klanggewitter und im nächsten Moment lösen sich die Spannungen in einer beruhigenden Wolke auf, die so klingt, also schwebte sie im Weltall. Tatsächlich wären die Songs nicht nur perfekt für eine Dokumentation über das Weltall geeignet, sie klingen einfach so, wie man sich Geräusche in demselben vorstellt. Geisterhafte Beats, verhallende Synths, breitflächiger Bass – all das verschafft den Tracks eine überwältigende Wirkung, die beim Hören den gesamten Körper umhüllt.

Cover “dents”

Der rote Faden des Albums stellt sich erst nach dem vollständigen Hören der drei Tracks heraus: „CMB“, die erste Nummer, ist der dystopische, gefährliche Anfang, der mit seiner subtilen Energie das Album stark eröffnet. Darauffolgend kommt das Spannungsverhältnis der Stimmungen des Werks richtig zur Geltung: Im Titelsong „dents“ fließt alles ineinander, die Klänge verschwimmen und lösen sich auf. Wie Wellen prallen die tiefen, dunklen Synths auf repetitive, hohe Tonfolgen – und wenn die Tiefen nicht im Vordergrund mitspielen, donnern sie lauernd im Hintergrund. Der dritte und damit letzte Track des Albums ist heller, fast fröhlich und tanzbar. In den 21 Minuten, die der Song dauert, werden mehr Stimmungen und atmosphärische Elemente verarbeitet als in so manchen Gesamtwerken – von neutral schwebenden Klangteppichen über engelsgleiche Wolken bis hin zur großen Überraschung: Die letzten sechs Minuten des Tracks wirken wie eine Weiterentwicklung und Abstrahierung von „Zion“ von Fluke.

Man kann sagen, was man will, aber in eine Schublade kann man theclosing wirklich nicht stecken: Ihr neues Werk ist abwechslungsreich, spannend und voller unerwarteter Wendungen. Und obwohl das Album nur drei Tracks hat, wirkt es länger – immerhin sind alle drei Nummern fast oder über zehn Minuten lang. Ein absolut starkes Werk des Duos.

Antonia Seierl

Links:
theclosing
theclosing (Facebook)
theclosing (bandcamp)
theclosing (Soundcloed)
Wolkenvorhang – theclosing
FilthyBroke Recordings