Studio Dan & Elliot Sharp – In The Pelagic Zone

Elliot Sharp, seines Zeichens einer der wichtigsten Akteure der New Yorker Downtown Szene, und das von Daniel Riegler geleitete Jazzorchester Studio Dan kamen 2011 auf Bitte der Jeunesse zusammen, um gemeinsam ein Programm zu erarbeiten, in welchem vor allem das musikalische Grenzgängertum zelebriert werden sollte. Gesagt, getan, komponierte der Amerikaner eigens für das mit dem renommierten Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnete österreichische Großensemble auf dessen Leib geschneiderte Stücke, die musikalisch doch bewusst weit am traditionellen Jazzverständnis vorbeiführen. Auch weil vor allem der experimentelle Aspekt der gemeinsamen Klangarbeit weit in den Vordergrund gerückt ist. Vorgestellt wurde das Programm Ende 2011 im Rahmen eines Konzertabends im Wiener Porgy & Bess. Dieses Konzert findet sich nun verewigt auf der eben erschienenen CD „In The Pelagic Zone“ (Jazzwerkstatt Records), die am 15. Dezember am Ort ihres Entstehens, dem Porgy & Bess, präsentiert wird, wieder.

Der für das Projekt und die CD gewählte Titel gibt im Grunde genommen schon die Richtung vor, beschreibt „The Pelagic Zone“ nämlich jenen Ort in den Gewässern, welcher vom Meer- bzw. Seeboden, sowie von den Küsten, die größtmögliche Distanz aufweist. Es handelt sich also um jenen Bereich mittendrinnen, an dem das Geheimnisvolle und Unvorhersehbare passiert und in dem das einstrahlende Licht, je nach Tiefe, in seine verschiedensten farblichen Spektren gebrochen wird. So wie es sich an diesem Ort mit dem Licht verhält, so musikalisch uneinordenbar erklingen auch die vom sich um Daniel Riegler scharrenden MusikerInnenkollektiv dargebrachten Kompositionen des amerikanischen Gitarristen, Saxophonisten und Bandleaders.

Jedes einzelne Stück hat sein klangliches Eigenleben, das je nach Instrumentierung unterschiedlichste Formen, von stimmungsvoll und atmosphärisch leise bis bombastisch laut, von minimalistisch bis ausufernd, von betont melodisch und harmonisch bis exzessiv schräg und komplex, von kurz bis lang, annehmen kann. Was Eliott Sharp, der den beteiligten MusikerInnen zudem auch viel Raum für Improvisationen lässt, und Studio Dan auf wirklich allerhöchstem Niveau und in kunstvoller Art zu praktizieren wissen, ist die stete musikalische Wanderung zwischen den verschiedenen Stilen und Spielformen, das Schweben in einem von allen Genre-Dogmen befreiten Kontext, in dem alles passieren kann und es auch tut.

„In The Pelagic Zone“ ist eine sehr vielschichtiges und abwechslungsreiches Klangtheater geworden, eines, das seinen Reiz auch aus dem Umstand bezieht, dass man sich dem Jazz doch aus einer etwas anderen, nämlich nicht schon tausende Male wiederholten Position annähert. Genau das Richtige für Leute, die  auch die eigenwilligeren Ansätze in der Musik zu schätzen wissen. (mt)

 

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