Souldja – Grown

Die vor 5 Jahren gegründete siebenköpfige Band, bestehend aus dem Sänger/Rhythmus-Gitarristen Markus Trappmair, Daniel „Dazo“ Zorn an den Vocals, dem Lead-Gitarristen Lukas Bräuer, Lukas Brandl am Bass, Florian Tavernier an den Keys, dem Perkussionisten Jakob Baumgartner und dem Drummer Georg Hinterberger, ließen sich vier Jahre Zeit um den Nachfolger  ihres selbstbetitelten Debüts zu veröffentlichen. Sie sind im Laufe der Zeit erwachsener und ruhiger geworden und verdeutlichen dies durch ihr neuestes Werk”Grown” (Root Train Records).

Im Pressetext heißt es: „In ihren Liedern erzählen sie unter anderem von Respekt, Mitgefühl und der Achtung des Lebens und der Natur. Neben der Kritik an Rassismus, Diskriminierung, sowie Menschenrechtsverletzungen und ihren Folgen will ihre Musik aber auch auf die positiven Seiten des Lebens verweisen und aufrufen, diese wertzuschätzen.“  Hier lässt es sich bereits ablesen, dass sich die Gruppe auf altbewährtes Textmaterial stützt. Diese Basis verwenden nicht nur die karibischen Künstler, sondern meist die große Menge an Reggae-Bands aus Europa die nur Genrefremden unbekannt sein sollten wie Mono & Nikitaman, Iriepathie, Jamaram und Raggabund, mit denen „Souldja“ bereits die Bühne geteilt haben . Weder die Songstruktur noch die Thematik der Lyrics hat sich nach über 30 Jahren seit der Existenz dieses Genres verändert: Peace, Love & Reggae Music.

Aber man hat es im Laufe der letzten Jahre beobachten können: das Genre Reggae ist mit seinen nicht minderbeliebten Offbeat-Begleitern „Ska“,  „Dub“ und dem kontroversen „Dancehall“ dank ihrer großen Anzahl von Anhängern dieser Szene  immer noch sehr aktuell und hält sich auch in Österreich konstant. Für „Grown“, dass in ihren hauseigenden Label „Root Train Records“ aufgenommen und produziert wurde, haben sie sich den Tonmeister Wolfgang Spanberger ins Boot geholt, der sich vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Hubert von Goisern einen Namen gemacht hat.

Das Intro des ersten Titels „Change“ beginnt eher  Reggae-untypisch,  als würde „Souldja“ damit  ihre Weiterentwicklung andeuten und sich neuerdings rockigeren Themen zu widmen. Das ändert sich nach knapp einer Minute schlagartig und verwandelt sich zu einem minimalistischen  Reggae-Tune. Klingt nicht neu, aber dennoch schafft es der Song, durch seine Lockerheit eine angenehme Atmosphäre zu schaffen.

Souldja – Thanks by mica

„Stehts auf“ ist der erste Songtitel auf Oberösterreichisch der CD und erinnert an eine Hommage an den ehemaligen „The Wailers“-Mitstreiter Peter Tosh, an gewissen Stellen sogar an seinem Hit „Johnny Be Good“ und das Lied weiß durchaus zu gefallen. Besonders positiv fällt der Gebrauch des oberösterreichischen Dialekts auf, der auf langer Sicht besser klingt, als Hochdeutsch. Das leuchtet auch ein, wenn man die authentischen Jamaikanischen Reggae Artists kennt, die auch nicht auf gepflegtem Englisch, sondern auf „Patois“ singen, einer jamaikanischen Kreol Sprache.

Auch die Songs „Voda“ oder „Waun I Ma“ profitieren maßgeblich von der Mundart, besonders Letzterer, der durch schnellen wiederholten Aussprechens des Songtitels, ein interessantes, innovatives und rhythmisches Konstrukt bildet. „Five Days“, einer Kritik an die monotone Arbeitswelt, fällt in dem ruhigeren Reggae Potpourri einem mehr auf, durch den schnelleren Rhythmus, der aber dennoch nichts von der konstanten Gelassenheit des Albumkonzepts ablässt.

Das Album „Grown“ hat einen ausgeglichenen und andächtigen Charakter, die Songs sind ruhig gehalten und laden zu einem gemütlichen Beisammen sein. Die Intention der Band war es, weniger mit stimmigen Tanzliedern zu Unterhalten, sondern mehr zum Nachdenken anzuregen. Die Lyrics stehen im Vordergrund, weniger komplexe musikalische Strukturen. Und das ist nämlich der Geist des „Roots-Reggae“ und so hat man den bekanntesten Vertreter dieses Genres, Bob Marley, lieben und schätzen gelernt.
Philipp Bonell

Foto SOULDJA: Barbara Aichinger

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