Rock mal etwas anders: I WANNA BOOGIE WITH YOU

Die Wiener Band I WANNA BOOGIE WITH YOU liefert auf sehr spannende Weise den Beweis, dass Rock nicht zwangsläufig der immer gleichen Form folgen muss, sondern sehr wohl auch anders als gewohnt interpretiert werden kann. Ganz ohne Gitarre und Gesang, dafür mit stilistischer Erweiterung erklingt der Rocksound der dreiköpfigen Truppe in einer Art, die aus dem Rahmen fällt.

Schön, dass es sie immer noch gibt, die Bands, die nicht davor zurückschrecken, auch einmal aus der Reihe zu tanzen. I Wanna Boogie With You zählen definitiv zu diesen erfreulichen Ausnahmen. Die Wiener Combo kreiert sich ein musikalisches Universum, das seinen ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt. Für eine Rockband, wie schon erwähnt, mehr als ungewöhnlich instrumentiert, entwerfen Alex an der Haas (Schlagzeug), Stefan Geissler (E-Piano) und Ronald von den Sternen (Bass) Nummern, die vom Sound her doch eine andere Schiene fahren, als man es im Kontext des gängigen Rock sonst gewohnt ist. Stilistisch lässt sich die Musik des Dreiers noch am ehesten mit dem Begriff Postrock umschreiben, wiewohl nach näherem Hinhören auch dieser Kategorisierungsversuch nicht ganz zutrifft.

Eine Band, die es liebt, sich über Konventionen hinwegzusetzen

I Wanna Boogie With You
scheinen überhaupt kein Problem damit zu haben, sich über Konventionen hinwegzusetzen und die eigenen Vorstellungen kompromisslos zu verwirklichen. Mit Einflüssen aus allen möglichen Richtungen übt sich das 2009 gegründete Trio im musikalischen Experiment, in dem praktisch alles passieren kann und das auch tut. Mit den gängigen Songstrukturen wird genüsslich gebrochen, an Sounds unterschiedlichster Art mit erfrischend noisigen Absichten herumgebastelt und auch sonst halten sich die drei Musiker alle Möglichkeiten offen. Der irgendwo zwischen den Polen Punk, Rock, Funk, New Wave, Trip Hop und Jazz angesiedelte Klangentwurf zeigt sich als ein sehr vielschichtiger wie abwechslungsreicher und weiß auch immer wieder mit plötzlichen Wendungen zu überraschen.

Mal lassen es I Wanna Boogie With You in richtig schöner 60er Jahre-Manier lässig grooven, um dann im nächsten Moment sogleich druckvoll aufs Gaspedal zu steigen. An anderer Stelle wiederum üben sich die drei Freigeister in der atmosphärisch verdichteten Reduziertheit oder lassen es gar einige Takte lang auf schräge Weise swingen. So richtig weiß man nie, in welche Richtung ein nächstes Stück gehen wird. Aber genau diese Unvorhersehbarkeit ist es, die der Musik dieser Band den spannungsgeladenen Stempel aufdrückt. Man darf wirklich gespannt sein, was man von I Wanna Boogie With You noch in Zukunft so zu hören bekommt.

Michael Ternai

Foto I Wanna Boogie With You: Walter Seidl

http://iwannaboogiewithyou.com/