Die CD „Color“ der südsteirischen Band Refrain ist ein schönes Beispiel dafür, wie vielfältig und facettenreich Weltmusik, oder zumindest das, was unter diesem Begriff zusammengefasst ist, sein kann, orientiert man sich einmal nicht an den herkömmlichen musikalischen Definitionsmustern. Was in den Stücken der fünfköpfigen Formation nämlich zum übergeordneten Motto erhoben wird, ist die stilistische Vielfalt, die in diesem Fall jegliche Kategorisierungsversuche eigentlich schon von Beginn an obsolet macht. Refrain tänzeln mit betörender Leichtigkeit und instrumentalem Geschick durch die verschiedenen musikalischen Welten und erschaffen sich auf diesem Wege eine Klangsprache, die bunter und farbenfroher wohl kaum sein kann. Dass die Musik von Refrain vor allem live zu einem echten Erlebnis erwächst, davon kann man sich am 7. März im Zentrum Feldbach überzeugen. Eine Zugabe gibt die Band zwei Tage darauf, am 9. März, im Offenen Haus in Oberwart.
Nun, Genrepuristen werden bei dieser Band wohl eher nicht auf ihre Kosten kommen. Denn Refrain, das sind Stefan Weiß (Melodeon, Drehleier, Harfe, Stimme), Mecky Pilecky (Schlagzeug, Perkussion), Manfred Gutmann (Gitarre), Thomas Klauber (Bass) und Gerhard Schutti (Violine, Trompete, Akustikgitarre), verweigern sich hörbar jedem einschränkenden Denken und zelebrieren stattdessen die grenzenlose musikalische Freiheit. Die gleiche klangliche Vorstellung teilend, praktizieren die sich überaus experimentierfreudig zeigenden Steirer die hohe Kunst der ständigen Grenzüberschreitung, sie durchwandern die verschiedensten Spielformen- und -arten, welche rund um den Globus zu finden sind, und formen sich aus den unterschiedlichen Elementen, die sie so auf ihrem Weg aufsammeln, ihre eigene Klangsprache. Und diese findet vor allem in einer ungewöhnlich stilistischen Breite ihren Ausdruck.
Den musikalischen Bogen vom Jazz und Rock über den Funk und Elementen alpiner Volksmusik bis hin zum Tango und anderen Formen lateinamerikanischer Tanzmusik spannend, schlüpfen Mecky Pilecky und seine Kollegen quasi in die Rolle von Brückenbauern und lassen der eigenen Kreativität freien Lauf. Auf diesem Wege entstehen Stücke, die mit ihrer Lebendigkeit und Energie den Hörer vom ersten Moment an in Beschlag nehmen. Und das auch trotz der nicht von der Hand zu weisenden Komplexität der Kompositionen, die aber in diesem Fall durch den enormen Spielwitz der Beteiligten eine gefällige und leicht zugängliche Note annehmen. Die südsteirische Band vollführt einen überzeugenden kunstvollen musikalischen Spagat, dessen Ergebnis sowohl den Kopf, wie auch die Seele anspricht.(mt)