Die POPFEST WIEN SESSIONS, ein zweitägiges Diskussionsprogramm im Rahmen des Popfest Wien 2017, widmen sich den Rahmenbedingungen des aktuellen Popschaffens.
Das Popfest bietet in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Musikinformationszentrum mica – music austria seinen Besucher_innen alljährlich ein Forum, um Aspekte des Musiklebens zu beleuchten. So auch wieder in diesem, dem achten Jahr seines Bestehens: am Samstag den 29. Juli und am Sonntag den 30. Juli 2017 finden die Popfest Sessions bei freiem Eintritt wie bereits in den Vorjahren im Atrium des Wien Museums am Karlsplatz statt.
Diskursiv und konstruktiv-kritisch sollen die wirtschaftlichen Bedingungen, mit denen Musikschaffende zu kämpfen haben, ausgelotet werden. Wie gehen etwa Kreative mit neuen Technologien um, welchen internationalen Stellenwert hat die heimische Musikproduktion, welche Bedeutung kommt Texten zu? Vertreter_innen der österreichischen und internationalen Musikindustrie, Musikjournalist_innen und Musikschaffende selbst thematisieren die ästhetischen Dimensionen, die wirtschaftlichen Potenziale und Risiken einer sich rasant wandelnden Branche in Diskussionsrunden und Gesprächen.
Alle Talks und Konzerte sind frei zugänglich.
Popfest Wien 2017 >> Sessions PROGRAMM
| Samstag, 29. Juli | Wien Museum Karlsplatz | |
| 11.00 – 18.00 Plattenbörse: | WIENER LABEL- UND VINYLMARKT presented by Wirtschaftsagentur Wien |
| 14.00 – 15.00 Talk 1 | A&R – Algorithms & Robots? Gäste: Fiete Klatt (Universal Music, D), Christoph Muck (ForTunes), Elias Oldofredi (Good Life Music), Jack Shankly (Domino Records, UK) Moderation: Franz Hergovich |
| 15.00 – 16.00 Live: | ROBERT ROTIFER |
| 16.00 – 17.00 Talk 2: | ES GEHT IMMER UMS VOLLENDEN – Das Wort im Pop Keynote: Teresa Präauer Diskussion: Gäste: Markus Binder, Rana Farahani alias Fauna, Christopher Just, Tex Rubinowitz, Andreas Spechtl, Hubert Weinheimer Moderation: Teresa Präauer |
| 17.00 – 18.00 Live: | MARKUS BINDER liest und spielt Songs aus seinem Buch „Teilzeitrevue“ |
| Sonntag, 30. Juli | Wien Museum Karlsplatz | |
| 14.00 – 15.00 Talk 3: | POLITICS OF SOUND Gäste: Zebo Adam, Paul Gallister, Chrono Popp Moderation: Thomas Mießgang |
| 15.00 – 16.00 Live: | AL COOK |
| 16.00 – 17.30 Talk 4: | GANZ WIEN : Die Matrix der Szenen, die Magie der Orte, die Trugschlüsse der Erinnerung
Ausstellungspräsentation: |
| 17.30 – 18.30 Live: | RUCKI ZUCKI PALMENCOMBO |
| 18.30 – 19.30 Live: | GRAF HADIK & DIE FLUGHUNDE
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SAMSTAG, 30. JULI | WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
11.00 – 18.00 WIENER LABEL- UND VINYLMARKT
presented by Wirtschaftsagentur Wien
Passend zum ausschließlich aus österreichischen Acts bestehendem Programm des Popfest Wien findet im Foyer des Wien Museums auch heuer wieder eine Plattenbörse statt, die sich diesmal aber nicht nur Austro-Vinyl Seltenheiten widmet, sondern auch heimischen Labels und Wiener Stores Gelegenheit bietet, ihre Produkte zu präsentieren. Neben Schallplatten wird es diesmal also auch T-Shirts, Bücher, CDs uvm. aus allen Genres und Epochen geben.
14.00 – 15.00 A&R – Algorithms & Robots?
Spotify, Youtube, Facebook – wenn es um Musik geht, generieren digitale Plattformen heute Unmengen an Daten. Diese können Labels und Künstler_innen wertvolle Informationen über ihr Publikum liefern. Sie werden aber immer mehr auch Grundlage für essentielle künstlerische oder kuratorische Entscheidungen, wie etwa die Platzierung von Songs in Playlists. Welche Rolle spielen ästhetische Kriterien oder menschliche Erfahrung noch in der Arbeit von A&Rs und anderen Gatekeepern?
“If you let the data drive your A&R, you’re going to have a world full of things like Justin Bieber, very mainstream and easy. That’s not a world any of us want to live in. We want to live in a rich, creative and diverse world.” Simon Wheeler (Beggars Group)
Werden durch den Einsatz technischer Neuerungen künstlerische Brüche und Innovationen erschwert? Haben sich die Produktionsbedingungen durch das Fehlen eines geschützten Raums, also Aktivitäten, die noch nicht quantifizierbar sind, bereits verändert? Wie interpretieren selbständige Künstler_innen oder Independent-Labels die Datenmengen und wahren ihre künstlerische Autonomie?
Gäste: Fiete Klatt (A&R Universal Music, D), Christoph Muck (ForTunes), Elias Oldofredi (Good Life Music), Jack Shankly (A&R Domino Records, UK)
Moderation: Franz Hergovich
16.00 – 17.30 ES GEHT IMMER UMS VOLLENDEN – Das Wort im Pop
Wenn die Leute heute von einem Boom im österreichischen Pop sprechen, dann meinen sie nicht nur, ja vielleicht nicht einmal hauptsächlich die Musik, sondern mindestens genauso sehr das dazu gesungene oder gerappte Wort. Ein großer Teil der Qualitäten von Bands wie Bilderbuch, dem Nino aus Wien oder auch Ernst Molden liegt in ihren – mittlerweile wieder ganz selbstverständlich in Dialekt oder österreichisch gefärbtem Hochdeutsch abgefassten – Texten. Gleichzeitig ergeben sich direkte Verbindungen zwischen Charts, Literatur und Anti-Pop, siehe den roten Faden, der sich von Voodoo Jürgens über Stefanie Sargnagel bis hin zu Klitclique ziehen lässt. Die Grenzen zwischen Musik- und Literaturwelt lösen sich auf, sogar Leute, die einst wortlosen Techno produzierten, schreiben plötzlich ziegeldicke, experimentelle Kriminalromane. Höchste Zeit, dass die Wortschiene des Popfests sich auch einmal mit der Rolle des Wortes im Pop dieser Stadt befasst. Theresa Präuer, Schriftstellerin, Künstlerin, Illustratorin und Journalistin wird mit Leuten reden, die sowohl Songtexte als auch Prosa als auch Dinge dazwischen schreiben. Es wird also darum gehen, was es wie zu sagen gibt. Um die kommunikative Macht des Worts in der Musik, aber auch um methodische Unterschiede im Schreiben zu Tönen oder für schweigende Bücherseiten.
Keynote: Teresa Präauer
Gäste: Markus Binder, Rana Farahani alias Fauna, Christopher Just, Tex Rubinowitz, Andreas Spechtl, Hubert Weinheimer
Moderation: Teresa Präauer
SONNTAG, 31. JULI | WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
12.00 – 18.00 WIENER LABEL- UND VINYLMARKT
presented by Wirtschaftsagentur Wien
Passend zum ausschließlich aus österreichischen Acts bestehendem Programm des Popfest Wien findet im Foyer des Wien Museums auch heuer wieder eine Plattenbörse statt, die sich diesmal aber nicht nur Austro-Vinyl Seltenheiten widmet, sondern auch heimischen Labels und Wiener Stores Gelegenheit bietet, ihre Produkte zu präsentieren. Neben Schallplatten wird es diesmal also auch T-Shirts, Bücher, CDs uvm. aus allen Genres und Epochen geben.
14.00 – 15.00 POLITICS OF SOUND
Durch die flächendeckende Durchsetzung des Prinzips Elektronik in der Popmusik ist ein neues Innovationsparadigma entstanden, das sich im weitesten Sinne auf die Vorstellung von der einer Klangfarbenmelodie zurückführen lässt wie sie Arnold Schönberg 1911 in seiner Harmonielehre definiert hat: Als eine Folge von „Klangfarben, deren Beziehung untereinander mit einer Art Logik wirkt, ganz äquivalent jener Logik, die uns bei der Melodie der Klanghöhen genügt.“
Zeitgenössische Pop- resp. Hip Hop-Phänomene wie Actress, Kendrick Lamarr oder im nationalen Maßstab Bilderbuch sind strukturell meist noch einer Logik des Songs oder des Tracks verpflichtet und harmonisch-melodisch durchaus traditionell orientiert. In der Art und Weise jedoch, in der sie Soundvariationen, Filtereffekte, Wechselspiele zwischen Transparenz und Opazität durchführen, lassen sie sich nicht mehr in herkömmliche Produktions- und Rezeptionsdispositive einordnen. Broken Beats, Glitch und Clicks & Cuts machen aus apollinischen Formaten dionysische Exerzitien des Exzesses und der Entfesselung der Klänge. Die Rauheit der Stimme (Roland Barthes) wird zur Rauheit der Textur, die Spuren des Körpers – Herzklopfen, Angst und Glücksgefühl -, wandern in die Schaltkreise der Maschine.
Politics of Sound meint nicht mehr und nicht weniger, als dass das resiliente und widerständige Potential der Popmusik sich nicht mehr im Text oder in wilden, ekstatischen Gitarrensoli manifestiert, sondern in einer soundtechnisch implementierten Zelebration der strategisch eingesetzten Fehlfunktion, welche die glatten Oberflächen schöner, neuer digitaler Wunsch- und Konsumwelten perforiert. „Bring the Noise“ deklamierten Public Enemy schon 1987.
Heute ist der Lärm endlich da und die digitalen Intonarumori erzählen von einer Musik der Zukunft.
Gäste: Zebo Adam, Paul Gallister, Chrono Popp
Moderation: Thomas Mießgang
16.00 – 17.30 GANZ WIEN : Die Matrix der Szenen, die Magie der Orte, die Trugschlüsse der Erinnerung
Die Ausstellung „Ganz Wien. Eine Pop-Tour“ (Wienmuseum, 15.09.2017 bis 25.03.2018) ist die erste große Schau zur Historie der Pop-Szene der Stadt. Sie begibt sich auf die Suche nach signifikanten Schauplätzen der Populärkultur von den 1950er-Jahren bis in die Gegenwart. Es geht um Lokale, Szenetreffs, Diskotheken, Radiostationen, Plattenläden, Studios und andere Entstehungs- und Wirkungsstätten, die als kulturell-topographische Knotenpunkte eine annähernd stringente Geschichtsschreibung lokaler Musik-Produktion und –Rezeption ermöglichen.
Dass im U4 „die Goldfisch geigen“ und manche „Dirndln“ durch „schwarze Lippen und grüne Haare“ auffallen, wusste in den 1980er-Jahren wohl fast jeder, nicht nur in Österreich. Der Ruf der Wiener Disco war auch in den Nachbarländern legendär – nicht zuletzt dank des Radiosenders Ö3, der die Hits von Falco und STS auf Dauerrotation hatte. Einige aufgeschlossene Ö3- JournalistInnen trugen bereits ab 1967 zum gesellschaftlichen und kulturellen Aufbruch bei. Die „Musicbox“ um Punkt fünf nach drei Uhr nachmittags war ein Pflichttermin für alle Pop-Interessierte.
Doch nicht nur aus dem Funkhaus in der Argentinierstraße kam neue Musik. Schon davor gab es einige – wenn auch wenige – Szenetreffs, in denen man moderne Töne erleben konnte: „Fattys Saloon“ am Petersplatz oder die Diskothek „Atrium“ am Schwarzenbergplatz etwa. Lokale der 1960er- und 1970er-Jahre wie das „Voom Voom“ (Daungasse), das „Vanilla“ (an verschiedenen Orten im ersten Bezirk) oder die „Camera“ (Neubaugasse) wurden von Wolfgang Ambros noch Jahrzehnte nach ihrer großen Zeit in einem Song verewigt. Das legendäre „Atlantis“ ging ebenso unter wie lange zuvor existente Lokalitäten wie der „Club Exil“, die „Adebar“, der „Starclub Wien“ oder die eher kommerziell orientierte „Tenne“. Heute viel frequentierte Lokale wie das „Chelsea“, das „Flex“ und das „Fluc“ waren von Beginn an auch wichtige Treffpunkte des Wiener Undergrounds und der Gegenkultur. Ihrer Genese und Geschichte widmet sich die Ausstellung ebenso wie etwa den Entstehungsorten des weltweit einflussreichen „Downbeat“-Sounds, auf den sich die internationale Musikpresse in den 1990er-Jahren regelrecht stürzte (Stichwort: „The K+D Sessions“).
Nach dem Boom der Techno- und Elektronik-Szene in der Zeit vor 2000 kristallisiert sich gegenwärtig ein neuer, vielgestaltiger Wien-Hype heraus, der aktuell vom Erfolg von Bands wie Wanda oder Bilderbuch befeuert wird. Auf dem „popfest wien“ trat etwa der vorjährige Senkrechtstarter Voodoo Jürgens auf. Das Festival am Karlsplatz hat sich in den letzten Jahren als Werkschau der österreichischen Musikszene etablieren können – ohne Konsumzwang und bei freiem Eintritt.
Neben zahlreichen Fotos, Plakaten, Flyern, Plattencovers, Songtexten, Zeitungsausschnitten, Bühnenoutfits, Musikinstrumenten und Memorabilia einflussreicher, aber auch heute vergessener Wiener MusikerInnen werden in der Ausstellung popkulturell relevante Lifestyle- und Modeaccessoires zu sehen sein. Der Frage, ob Wien tatsächlich eine „tote Stadt“ war, wie auf einer Punk-Lederjacke der frühen 1980er-Jahre zu lesen stand, soll nachgespürt werden. Das zentrale Ausstellungsstück ist die Musik. Von Helmut Qualtinger und den Bambis über Marianne Mendt, Georg Danzer und Ostbahn-Kurti bis zu Soap&Skin, Gustav, Elektro Guzzi, Ernst Molden & Der Nino aus Wien u.v.a. In diesem Sinn: „Heite grob ma Tote aus“.
Gäste: Heinrich Deisl, Michaela Lindinger
Moderation: Walter Gröbchen
Popfest Wien 2017 >> Sessions
Die Popfest Sessions werden präsentiert von der Wirtschaftsagentur Wien.
Eine Kooperation von mica – music austria, Austrian Music Export, Wien Museum und Popfest Wien. Organisation: Tatjana Domany, Eberhard Forcher, Walter Gröbchen, Franz Hergovich, Christine Koblitz, Thomas Mießgang, Rainer Praschak, Robert Rotifer, Ana Threat.
Das österreichische Musikinformationszentrum mica – music austria ist die wichtigste Anlaufstelle für Information über zeitgenössische österreichische Musik aller Genres und darüber hinaus ein kompetenter Ansprechpartner und Berater für österreichische Musikschaffende und deren wirtschaftliches Umfeld.

