PILOTS – Gravity, Oh

Dass die Jungs von PILOTS  es auf dem Kasten haben, wirklich klasse Songs aus den Ärmeln zu schütteln, hat schon die im Sommer erschienene Doppelsingle „Demilune/Firework“ gezeigt. Mit dem seit November erhältlichen „Gravity, Oh“ (House of Tigers) liegt nun das erste Full-Length Album der Wiener Band vor. Und wie man es erwarten durfte, wird man nicht enttäuscht. Was das Vierergespann Matthias Müller, Hannes Siengalewicz, Fabian Lorenz und Bernhard Raser aus dem Hut zaubert, sind zwölf  abwechslungsreiche und packende Indierock-Nummern, die sich erfreulicherweise nicht im Wiederholen des Altbekannten verlieren, sondern, ganz im Gegenteil, wirklich mit einer eigenständigen Note punkten können.

Es ist schön zu sehen, dass es doch auch anders geht. Man muss sich als Band nicht unbedingt immer all den erfolgsversprechenden Formeln und Trends unterwerfen, um gute Musik an den Start zu bringen. PILOTS haben genügend eigene Ideen und besitzen auch die Fähigkeiten und instrumentalen Fertigkeiten, diese auch in wirklich starke Nummern umzumünzen. Matthias Müller (Gesang, Gitarre), Hannes Siengalewicz (Gitarre), Fabian Lorenz (Bass) und Bernhard Raser (Schlagzeug) bezeichnen ihren Stil als „Post-Funk“, was der ganzen Geschichte auch schon sehr nahe kommt, wiewohl die Ingredienzen dann doch noch weiter gestreut sind. Immer schwingen auch ein wenig Elemente des New Wave und Rock mit, was aber im Ergebnis die ganze Sache musikalisch zu einer sehr feinen werden lässt.

Die wahre Stärke der vierköpfigen Truppe liegt zweifelsohne im Songwriting. Sich nicht den sonst bis zum Abwinken zelebrierten 08/15 Formaten entlang hantelnd, lassen PILOTS Nummern entstehen, die doch mehr Abwechslung bieten als vieles, was man sonst so im heutigen Indiepop zu hören bekommt. Warum sich bloß immer nur auf eine einfach Strophe-Refrain Struktur beschränken, wenn man einem Track mit einer Abkehr von einer solchen doch deutlich mehr Tiefe und auch spannende Momente verleihen kann. Matthias Müller und seine Kollegen zeigen, dass catchy  Ohrwurmmelodien  auf der einen Seite und durchdachter und variantenreicher Songaufbau auf der anderen keineswegs sich ausschließende Gegenpole darstellen müssen, sondern sehr wohl auch gemeinsam funktionieren. Und wenn dann am Ende auch noch Nummern mit echtem Hitpotential, wie etwa das bereits bekannte „Firework Drawn“, herauskommen, kann man auch nichts dagegen haben.

Zusammenfassend kann man sagen, dass PILOTS mit „Gravity, Oh“ ein wirklich starkes Erstlingswerk gelungen ist, an dem jeder Liebhaber des anspruchsvollen Indierock definitiv seine Freude haben wird. (mt)

http://wearepilotsyouarenot.com/
http://houseoftigers.bandcamp.com/