Pencil&Cherries – „Odyssey“

Mit „Odyssey“ (X-1Recs; VÖ: 4.4.) legt Pencil&Cherries, ein Projekt des ehemaligen Porn-To-Hula-Sängers Phil Frech, ein Album vor, das sich bewusst abseits klassischer Songstrukturen bewegt. Die acht Stücke, die über einen Zeitraum von rund fünf Jahren entstanden sind, verbinden persönliche Erfahrungen mit einer insgesamt dunklen Grundstimmung. Statt auf unmittelbare Eingängigkeit zu setzen, entfaltet das Werk seine Wirkung über Atmosphäre, Klang und Spannung.

Inhaltlich kreisen die Stücke um Themen wie Verlust, Zweifel und Selbstreflexion. Die Entstehungsgeschichte des Albums – geprägt von Rückzug, Neuorientierung und einschneidenden persönlichen Ereignissen – spiegelt sich deutlich im Ton der Musik wider. „Odyssey“ ist kein Album, das Leichtigkeit oder Feierlaune vermittelt, sondern eines, das sich aus schwierigen Erfahrungen speist und daraus seine Intensität entwickelt.

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Musikalisch zeigt sich das Projekt dabei vielseitig, bleibt jedoch konsequent in einer eher düsteren Klangwelt verankert. Postrockartige Entwicklungen treffen auf trip-hop-nahe Grooves, bluesige Einschübe stehen neben elektronischen Elementen und industriell gefärbten Beats. Dissonante Klänge sorgen immer wieder für Reibung, während reduzierte akustische Momente eine ruhigere, introspektive Seite eröffnen. Diese unterschiedlichen Einflüsse fügen sich zu einem Gesamtbild, das weniger auf einzelne Songs als auf durchgehende Stimmungen setzt.

Auch strukturell wirken die Stücke eher szenisch aufgebaut als klassisch komponiert. Die Musik entwickelt sich langsam, baut Spannungsbögen auf und lässt den einzelnen Klangschichten Raum. Über allem steht eine markante Stimme, die den emotionalen Kern trägt und den düsteren Charakter der Stücke zusätzlich verstärkt.

Wie konsequent Pencil&Cherries diese Ästhetik verfolgen, zeigt sich auch in der Bearbeitung des Italo-Klassikers „Bella Ciao“, der hier seiner ursprünglichen Leichtigkeit vollkommen entzogen und in eine deutlich dunklere Atmosphäre überführt wird.

Erst im abschließenden „Purity in Chaos“ öffnet sich der Klang ein wenig. Ein tanzbarer Beat bringt Bewegung in das zuvor eher zurückgenommene Geschehen und wirkt wie ein vorsichtiges Gegenstück zur vorherrschenden Schwere. Insgesamt präsentiert sich „Odyssey“ als persönliches, vielschichtiges Album, das seine Stärke aus der Verbindung von musikalischer Vielfalt und konsequent dunkler Grundstimmung bezieht.

Michael Ternai

++++

Links:
Pencil&Cherries (bandcamp)
X-1Recs (bandcamp)