Parkwächter Harlekin (c) David Visnjic

PARKWÄCHTER HARLEKIN – “Zum Fleiss”

Obwohl der Name nach Zirkus klingt, assoziiert man die Musik eher mit Baggy Pants, Snapback Caps und Oversize-Hoodies. Sprich mit Oldschool-Hip-Hop. Okay, vielleicht ist das mit dem Outfit ein Klischee, aber auf dem neuen Album „Zum Fleiss“ (Problembär Records/VÖ 10.3) von PARKWAECHTER HARLEKIN kann man das Gefühl, in eine andere Ära des Rap einzutauchen, nicht ganz abschütteln.

Cover “Zum Fleiss”

Aber da ist noch was anderes, das die Musik von Parkwaechter Harlekin ganz besonders macht. Es sind die Soundeffekte, die Zusammenstellung der einzelnen Elemente und seine Art zu rappen. Denn die hat manchmal was von Fanta4 oder Die Absoluten Beginner, also von Bands, die in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren mit ihrem Deutschrap gepunktet haben. Gleichzeitig klingt sein Rap aber auch nach Spoken Word, also schon melodisch, aber nicht zu sehr, damit der Text immer noch im Vordergrund steht.

Diese Mischung macht „Zum Fleiss“ zu keinem Album, das sofort ins Ohr geht und wo man fröhlich bei den Songs mitsummt. Nein, hier ist schon Kopfarbeit gefragt. Denn manchmal sind die Lieder so unrund instrumentiert oder gehen die Vocals einen so unerwarteten Weg, dass man konstant aus den Gedanken schreckt. Fallen lassen kann man sich zwar nicht, aber anregen lassen allemal. Diesen Effekt kann man gut an dem Lied „Schweigen“ festmachen. Die Songstruktur scheint auf einer Hochschaubahn mit vielen Kurven daherzukommen. Sie schlängelt sich ins Ohr hinein und hat dabei was von einem traurigen Drehorgellied. Parkwaechter Harlekin fährt mit seiner Stimme die Melodie nach, was dazu führt, dass er ebenfalls in scheinbar unmelodische Passagen hineinfährt und dann auf unerwartetem Wege wieder herauskommt.

Auf der Single „Unterdessen Dann“ zeigt der Harlekin ebenfalls, wie verspielt Rap sein kann. Die Musik hat was von einem Zirkuslied, das von einem sehr alten, sehr langsamen Grammofon abgespielt wird. Das ist eine ungewöhnliche Herangehensweise, die für die Hörerinnen und Hörer sicherlich nicht ganz zugänglich ist. Doch mit ein bisschen „Fleiß“ beginnt man, die Welt von Parkwaechter Harlekin zu verstehen. Er hat ja auch vier Jahre an „Zum Fleiss“ gearbeitet, was zeigt, dass viel dahintersteckt. Viel Poesie, viel Kreativität und vor allem viel Individualität.

Denn selbst wenn man seine Art zu rappen oder seine Musikwahl mit anderen Bands, Interpretinnen und Interpreten vergleichen kann, zweifelt man nie daran, einen echten Harlekin zu hören. Er hat seine Eigenheiten perfektioniert, ohne aber komplett vom Boden der Zugänglichkeit abzuheben. Und ein bisschen Pop gibt es ja doch auf seinem Album. „Seifenblasen“ ist so ein Song, bei dem man dann doch nach ein paar Mal Hören mitrappen kann. Der Beat ist ein wenig gängiger und vermittelt Aufbruchsstimmung. „Zum Fleiss“ ist eine Platte mit zahlreichen Facetten. Rap wird dekonstruiert und Parkwaechter Harlekin weiß, wie man ihn so wieder zusammensetzt, dass er zu seiner ganz eigenen Kreation wird.

Anne-Marie Darok

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