Ohn/Macht_Showing #4: Ein Einblick in Projekte von und aus dem minciospace_

Am 21. Oktober um 19 Uhr findet bereits das vierte minciospace_ Showing statt, das sich dieses Jahr dem Thema „Ohn/Macht“ widmet. Im Mittelpunkt des Konzertabends steht die Frage, wie Musik Erfahrungen von Ohnmacht sichtbar, Machtverhältnisse hörbar und neue Handlungsspielräume erfahrbar machen kann. In der gemütlichen Wohnzimmeratmosphäre des arashi movement centers versammeln sich Projekte, die im, mit oder rund um den minciospace_ entstanden sind.

Das Ensemble SOIL (Flora Geißelbrecht, Anna Koch, Ralph Mothwurf, David Six, Simon Zöchbauer), das sich in seinen Kompositionen mit dem Boden als Grundlage allen Lebens auseinandersetzt, präsentiert neue Stücke zum Thema Rechte der Natur. Max Zaloudeksetzt in „Kind. Krise. Kreise“ persönliche und kollektive Erfahrungen von Krise, Verletzlichkeit, Schutz und Selbstermächtigung miteinander in Beziehung. Die diesjährige Artist-in-Residence Elena Arbonies Jaureguipräsentiert ihr im minciospace_ weiterentwickeltes Projekt „SPEECHLESS“, das sich mit der Fragilität der Sprache und dem Wechselspiel von Menschlichkeit und Technologie auseinandersetzt.

Unterstützt wird das Projekt von der Kulturabteilung der Stadt Wien, dem BMWKMS, dem 15. Bezirk – Rudolfsheim-Fünfhaus, der SKE, dem arashi collective und GFÖM.


Ensemble SOIL

Flora Geißelbrecht – Bratsche, Stimme
Anna Koch – Bassklarinette
Ralph Mothwurf – Gitarre, Elektronik
David Six – Klavier, Percussion, Elektronik und Lichtinstallation
Simon Zöchbauer – Trompete

Das Ensemble SOIL versteht den Boden als komplexes, lebendiges System, das ökologische, kulturelle und gesellschaftliche Prozesse miteinander verbindet. Angesichts der zunehmenden Bedrohung dieses sensiblen Lebensraums – etwa durch intensive landwirtschaftliche Nutzung, Flächenversiegelung und den Einsatz von Pestiziden – macht SOIL den Boden als Fundament allen Lebens künstlerisch erfahrbar und übersetzt aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in zeitgenössische Musik, performative Formate und intermediale Inszenierungen.

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2026 wird das Programm um die Frage nach den „Rechten der Natur“ erweitert. Im Mittelpunkt steht die Vorstellung, natürliche Systeme wie Flüsse, Wälder, Seen oder Böden nicht ausschließlich als Ressourcen, sondern als eigenständige Subjekte mit Rechten auf Existenz, Regeneration und Schutz zu begreifen. Das Ensemble beleuchtet diese gesellschaftliche und rechtsphilosophische Debatte aus unterschiedlichen musikalischen Perspektiven.


Kind. Krise. Kreise.

Max Zaloudek– Gitarre, Stimme, Elektronik

„Kind. Krise. Kreise“ ist eine transmediale Musikperformance mit partizipativen Elementen. Ausgangspunkt ist eine autoethnografische Untersuchung persönlicher Ohnmachtserfahrungen. Das Projekt fragt danach, wie Zustände des Ausgeliefertseins, der Überforderung oder des Stillstands in Kraft, Handlungsspielräume und Resonanz verwandelt werden können.

Diese Transformation wird musikalisch, performativ und räumlich erfahrbar gemacht. Das Publikum kann eine Murmel durch eine eigens entwickelte Transformationsmaschine rollen lassen und damit symbolisch Ohnmacht in etwas Kraftspendendes überführen. Ergänzend erforscht Zaloudek den eigenen Schutzraum mithilfe von Sonic Meditations. Sicherheit, Abgrenzung, innerer Sammlung und

Resonanz werden dabei in elektroakustische Kompositionen übersetzt. Musik, Stimme, Text, Elektronik, Performance und partizipative Installation verbinden sich zu einem offenen künstlerischen Raum. Persönliche und kollektive Erfahrungen von Krise, Verletzlichkeit, Schutz und Selbstermächtigung treten miteinander in Beziehung. Ohnmacht wird dabei nicht nur als Verlust verstanden, sondern als möglicher Ausgangspunkt für ästhetische, soziale und transformative Prozesse.


SPECHLESS

Elena Arbonies Jauregui – Klarinette, Text, Elektronik (Artist in Residence 2026)

Bild der Musikerin Elena Arbonies Jaregui
Elena Arbonies Jaregui © NataliGlišić

Das als Musiktheater konzipierte Projekt SPEECHLESS setzt sich mit dem Zustand der Sprachlosigkeit auseinander: dem Gefühl, in einer von Information überfluteten und KI-geprägten Gesellschaft plötzlich ohne Worte, Begriffe oder Erklärungen dazustehen. Dem Versprechen technologischer Transparenz setzt die Performance das Unbegreifliche entgegen und erforscht die Fragilität der Sprache als menschliche Stärke. In Auseinandersetzung mit dem Jahresthema „Ohn/Macht“hinterfragt der im Rahmen der Residency im minciospace_ entstandene und beim Showing präsentierte Werkteil sowohl systemische Machtstrukturen als auch die transformative Kraft der eigenen Ohnmacht. Das gesamte Programm wird am 21. Dezember 2026 im Porgy & Bess (Strenge Kammer) uraufgeführt und beinhaltet weitere Werke junger österreichischer Komponist:innen.


OHN/MACHT – Wer darf? Wer schweigt? Wer spricht? (Jahresthema 2026)

Wer Macht hat, hat Einfluss. Auf Menschen, Institutionen, das Denken und Verhalten von Personen und Gruppen. Macht ist eine Fähigkeit, machen ist ein Tun-Wort. Ohne Macht zu sein hingegen, ist eine Emotion. Die Erfahrungen von Hilflosigkeit und fehlenden Einflussmöglichkeiten, von Machtlosigkeit, können bei Betroffenen Angst, Wut, Frustration und Scham auslösen.

Wer Macht hat, trägt Verantwortung. Gerade werden wir wieder Zeug:innen davon, was es bedeutet, wenn zu viel Macht in die falschen Hände gerät. Wenn Staatsoberhäupter narzisstische Charakterzüge und psychopathologische Symptome aufweisen – und welche Gefahr das weltweit darstellen kann. Hier wird Machtmissbrauch ganz offen gelebt, und wir alle müssen dabei zuschauen.

Viel weniger sichtbar ist hingegen das Fehlen von Macht. Menschen, die keinen Einfluss nehmen können, bleiben oft unsichtbar. Manche gesellschaftlichen Tätigkeiten, wie Care-Arbeit oder Arbeit in der Pflege, werden kaum anerkannt, wiederum andere Menschen erfahren Einschränkungen, die ihre Teilhabe verhindern, weil sie vielleicht eine (unsichtbare) Behinderung haben, keine eigene Wohnung oder keinen Pass besitzen. Ohne Teilhabe keine Demokratie, ohne Demokratie keine Freiheit. Wollen wir diese Ungleichverteilung von Macht in Angriff nehmen, müssen wir uns mit -ismen auseinandersetzen: Rassismus, Kapitalismus, Klassismus, Ableismus – und natürlich dem Patriarchat. Wir müssen Care-Arbeit sichtbar machen, die Rechte der Natur anerkennen, Biodiversität schützen und Räume schaffen, die demokratische Teilhabe, Selbstermächtigung und Freiheit für alle ermöglichen. Hier laut zu werden, für andere einzustehen und die eigenen Möglichkeiten zu nutzen, liegt an uns – an jenen, die das Privileg haben, über eine Stimme zu verfügen, die gehört wird.


Über minciospace_

minciospace_ ist ein Ort für Musik, Kunstentwicklung und kollektiven Austausch. Nach über 5 JahrenZwischennutzung in der Minciostraße im 15. Bezirk hat sich das Projekt als Fixpunkt und Arbeitsraum für die Freie Musikszene etabliert und ist nun weitergezogen, in die Hegelgasse 14, 1010 Wien. Für das diesjährige Showing bleibt minciospace_ jedoch in der ehemaligen Nachbarschaft. Im arashi movement center treffen weitläufige Räumlichkeiten mit urbanem Charakter auf eine gemütliche Wohnzimmeratmosphäre und bieten die Bühne für eine vielfältige Werkschau neuer Projekte, die im, mit oder rund um den minciospace_ entstanden sind.