Nationalratswahl 2008: Die Stellungnahme der ÖVP (Franz Morak) zum mica-Fragenkatalog zu den musikpolitischen Zielen der Kultursprecher der Parteien

Nationalratswahl 2008: Die Stellungnahme der ÖVP (Franz Morak) zum mica-Fragenkatalog zu den musikpolitischen Zielen der Kultursprecher der ParteienWir geben hier – wie angekündigt, in der Reihenfolge des Eintreffens bei uns, die jeweilige Stellungnahme des angefragten Kultursprechers im vollen Wortlaut (allenfalls mit Verbesserungen von Tipp- oder Flüchtigkeitsfehlern) kommentarlos wieder. Die einzelnen Fragen und das Procedere dieser Untersuchung finden sich unter dieser Rubrik in einem eigenen redaktionellen Artikel, der soeben erschienen ist (hr). Was ist musikpolitisch zu tun und anzustreben?
 
Schon anlässlich der Musikenquete habe ich gesagt, dass für mich Musik Lebensbegleitung bedeutet und einen ganz wesentlichen Teil des persönlichen Werdeganges ist. Ich beschäftige mich bekanntlich schon seit langer Zeit mit der Situation der Musikschaffenden, insbesondere mit der Rezeption österreichischen Musikschaffens im österreichischen Rundfunk.
 
Auch in meiner Funktion als Staatssekretär habe ich versucht, hier ganz konkrete Impulse gemeinsam mit der Musikwirtschaft vor allem im U-Musikbereich zu setzen. Ich erinnere an die österreichische Beteiligung bei der Midem anlässlich des Mozartjahres oder an die Einrichtung des Musikfonds, den wir in vielen Gesprächen mit der Musikwirtschaft gründen konnten, um ganz konkret den Anteil österreichischer Musik auf Basis einer funktionierenden geförderten Produktionswirtschaft insbesondere im ORF zu steigern. Noch im Herbst 2006 habe ich zu einem Runden Tisch geladen, damals noch mit Intendant Rammerstorfer, um das Anliegen, für das auch ich schon als Musiker mit Ö 3 und seit 1994 auf politischer Ebene kämpfe, fortzusetzen. Schlussendlich hat auch dies in den zweiten Teil der parlamentarischen Musikenquete gemündet, die dieses Thema auf Initiative der ÖVP behandelt und damit wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt hat.
 
Dies war auch der Grund  für den ORF,  einen neuen Anlauf zu nehmen, und wieder mit der Musikbranche in Gespräche zu treten. Hier laufen gerade die Verhandlungen. Wie Sie wissen, ist der Anteil des österreichischen Musikschaffens von 14 Prozent über alle Programme des ORF hinweg (vgl. Europa 40 %) einzigartig in Europa und meiner Meinung nach nicht hinnehmbar! So wichtig es ist, in der Schule anzusetzen, so wichtig ist es, diese Menschen, die sich für diesen Beruf entscheiden, nicht alleine zu lassen, sondern Möglichkeiten der Arbeit zu schaffen – Arbeit in Studios für Komponisten und Komponistinnen, in der Filmwirtschaft, im ORF, wie dies unter anderem auch im ORF-Gesetz festgehalten ist (“Auftraggeber für die österreichische Kreativwirtschaft”). Das sollte unsere vordringliche Aufgabe sein.

 

Das Internet hat die Content- und Kreativwirtschaft und die damit verbundene Ausweitung von Möglichkeiten auf Produktions-, Distributions- und Rezeptionsseite revolutioniert. Die Contentindustrie ist damit einerseits eine riesige Chance für das kreative Schaffen, daher auch für  Musikerinnen und Musiker, da die Informationsgesellschaft und ihre Plattformen vor  allem Inhalte brauchen. Andererseits hat mit der Digitalisierung ein intensives Nachdenken begonnen, da die Contentindustrie uns alle zunehmend vor große urheberrechtliche Probleme stellt (siehe die Debatten um das freie Download von Musikfiles und auch die aktuelle Diskussion bei der Ars Electronica). Einerseits ist es wichtig, dass der Content frei fließen kann, andererseits können die Menschen, die diesen Content geschaffen haben, nicht vom virtuellen Geld leben. Daher wird das Urheberrecht hier nicht ganz aus den Augen zu verlieren sein. Letztendlich wird es auch eine Frage sein, wie die Prüfung und Verteilung nicht zuordenbarer Tantiemen zu erfolgen hat bzw. die mögliche Widmung für Nachwuchsförderung durch eine entsprechende Änderung der Tantiemenverteilung. Jedenfalls werden wir uns einer neuen und kulturgerechten Umsetzung des Urheberrechts für die digitale Welt widmen müssen.
 
Dem Thema Ausbildung wurde bei der parlamentarischen Enquete breiter Raum gewidmet. Frau Bundesminister Schmied hat das Thema der Kulturvermittlung zu ihrem Schwerpunkt ausgerufen. Ich denke, dass im Rahmen der Lehrerausbildung hier neue Akzente gesetzt werden sollten. Dennoch haben ja bereits jetzt Schulen im Rahmen ihrer Autonomie die Möglichkeit, Schwerpunkte zu setzen. Ein Thema, das in der Ausbildungsdebatte manchmal unterzugehen droht, ist die große Frage der Musikschulen. Die Problematik, dass in den Bundesländern die Situationen extrem unterschiedlich sind, ist leider bekannt. Es gilt einen Appell an die Bundesländer zu richten, vor allem an Wien, wo diesbezüglich katastrophale Umstände herrschen. Oberösterreich, Vorarlberg und Niederösterreich sind  beispielsweise vorbildlich.  Die ÖVP legt traditionell besonderen Wert darauf, Kinder und Jugendliche mit Musik und Musikunterricht in Kontakt zu bringen. Was die Frage der Internationalisierung betrifft, sollten die bereits vorhandenen und im Lauf der letzten Jahre gegründeten Plattformen noch aktiver werden. Auch die bildende Kunst war vor einigen Jahren in einer ähnlichen Situation, die jetzt viel internationaler agiert. Insofern ist für mich hier die Galerienszene beispielhaft.
 
Was den Bereich der Vermittlung betrifft, haben wir großen Aufholbedarf, insbesondere allerdings was elektronische Plattformen wie ORF und Andere betrifft. Auch hier müssen wir ernsthafter die Verantwortung des ORF und der privaten Sender einfordern. In diesem Zusammenhang darf ich auch darauf hinweisen, dass eine Popularbeschwerde beim Bundeskommunikationssenat eingebracht wurde! Ich halte das für ein ganz wichtiges Zeichen im Sinne der jahrzehntelangen Forderung  der Musikschaffenden in Österreich. Besonderes Augenmerk muss in den nächsten Jahren auf die Theater gelegt werden. Auch Opern, Musical und Theaterbühnen sind Plattformen für zeitgenössische Komponistinnen und Komponisten, Musiker und Sänger. Vermehrte Förderung von Auftragswerken sowie die Unterstützung der Distribution von aktueller Musik – also Verlagslegung, Vertrieb etc. – sollten ebenfalls forciert werden.

Im Anhang lege ich auch meine OTS anlässlich der Musikenquete bei.
 
Abg.z.NR Franz Morak


Anmerkung:
Der von Franz Morak angefügte Anhang ist bei den music austria – Musiknachrichten bereits am 3. Juni erschienen (siehe: verwandte Artikel. Titel und Untertitel dieser OTS-Aussendung lauteten auch im Original 
Morak: Musik ist Lebensbegleitung und allgegenwärtig
Utl.: ÖVP-Kultursprecher: Im ORF hat österreichische Musik Heimnachteil”, Wien (ÖVP-PK).

 

 

 

http://www.oevp.at/index.aspx?pageid=30183