Naked Lunch präsentieren Amerika

In den vergangenen Jahren etwas ruhiger geworden ist es um Österreichs vielleicht bedeutendste und längstdienende Alternativ-Rock-Band Naked Lunch. Vergangenen Monat aber meldeten sich Oliver Welter und seine Mitstreiter eindrucksvoll zurück. Und zwar im von Regisseur Bernd Liepold-Mosser inszenierten und auf Franz Kafkas Romanfragment “Amerika” basierenden gleichnamigen Theaterstück (u.a. Mit Robert Stadlober in der Hauptrolle), für welches sie die Musik beisteuerten. Das Publikum zeigte sich auf jeden Fall begeistert begeistert. Am 11. April präsentieren naked Lunch dem zum Stück dazugehörenden Soundtrack (Monkey) im Wiener Stadtsaal.

Dass die Klagenfurter Formation Naked Lunch es vortrefflich versteht, filmische Bilder und Szenen durch ihre Musik atmosphärisch wie emotional aufzuladen und zu verdichten, weiß man spätestens seit Thomas Woschitzs von allen Seiten hochgelobten Film “Universalove”. Daher war die Arbeit an „Amerika“ – hierbei handelte es sich um ein Auftragswerk des Stadttheaters Klagenfurt anlässlich dessen 100-jährigen Jubiläums – für den Kärntner Vierer auch nicht wirklich etwas Neues.

Oliver Welter (Gesang, Gitarre), Stefan Deisenberger (Electronics, diverse Instrumente), Herwig Zamernik (Bass, Gitarre) und Alexander Jezdinsky (Schlagzeug). beschränkten sich in ihrer Arbeit auch diesmal nicht bloß alleine darauf, einfach Songs abzuliefern, mit denen der Regisseur nach eigenem Gutdünken verfahren konnte. Nein, vielmehr war es den vier Musikern tatsächlich ein Anliegen, sich intensivst mit der Materie auseinanderzusetzten, um auf diesem Wege einen bedeutenden Anteil am Entstehen des Gesamtkunstwerkes zu haben. Und genau das ist ihnen, wie es sich bei der Uraufführung des Stückes im Klagenfurter Stadttheater vergangenen Monat gezeigt hat, vortrefflich gelungen.Und irgendwie scheint ja Franz Kafkas Geschichte von „Amerika“, in der die Hauptfigur Karl Rossmann den „Traum der grenzenlosen Möglichkeiten“ zu Grabe tragen muss, auch ganz gut zu jener von Naked Lunch, deren Abenteuer „Übersee“ vor ein paar Jahren ebenfalls ernüchternd geendet hat, zu passen.

Naked Lunch – First There Was Desert by mica

Musikalisch atmen Naked Lunch in den insgesamt neun überaus vielschichtigen und ungemein abwechslungsreichen Stücken so richtig den Blues. Frontmann Oliver Welter und seine Kollegen geben sich mal melancholisch, manchmal sogar richtiggehend verzweifelt, um im nächsten Moment ihrer Wut einfach freien Lauf zu lassen. Auf allzu großen Pathos und Opulenz verzichten die vier Musiker vollends, vielmehr entwerfen sie eine sehr reduziert gehaltene und zugleich atmosphärisch stark verdichtete Version von kunstvoller Popmusik. Absolut hörenswert. (mt)

Foto Naked Lunch © Arnold Pöschl

 

http://www.nakedlunch.de/