Sie war eine virtuose Geigerin, Komponistin und tolle Sängerin und stammte aus einer slowakischen MusikerInnen-Dynastie. Noch zur großen Feier „90 Jahre Burgenland“, die aus Oberwart gesendet wurde, konnte man sie im Fernsehen bewundern: Willie Resetaris geleitete die Romni Eva Samer vor laufender Kamera vorsichtig die Stufen hinab. Wegen ihres pompösen hellorangenen Kleides und der Stöckelschuhe hatte die schöne Frau Unterstützung nötig. Sie sang auf Romanes. Eva Samer war großes Publikum gewöhnt, denn sie spielte in der „Hans Samer-Band“ ihres Schwagers mit und trat auch in Harry Stojkas Band auf. Samer wanderte aus der Slowakei ein und heiratete einen burgenländischen Rom.
Wie viele Romni versuchte sie mit großem Herzen für ihre Volksgruppe Verantwortung zu übernehmen, war für das „Romano Centro“ für den 1. und 3. Wiener Gemeindebezirk zuständig und arbeitete als Lehrerin, aber auch nebenberuflich unternahm sie alle möglichen Aufgaben, um besonders die Roma-Kinder zu unterstützen und einen möglichen Weg in die Sonderschule zu vereiteln. So schrieb und arrangierte sie die Musik für das Kinder-Theaterstück „Chavorengo Drom/Die Kinderreise“, das in der Volksschule Johnstraße zum Internationalen Tag des Kindes am 1. Juni aufgeführt wurde. In der Johnstraße gehen 30 bis 40 kleine Roma aus verschiedenen Ländern in die Schule. Die Aufführung fiel besonders durch einen Rap auf, dessen Text die Lehrerin Rabie Peric für einen Jungen schrieb, dessen Mutter nach Serbien abgeschoben wurde. Refrain: „Jung und alt und groß und klein. Macht die Herzen weit. Wann kommt die schöne Zeit?“
Am Freitag vor ihrem Tod am 7. Dezember spielte sie noch in einem Konzert an ihrer Schule und am 3. Dezember hatte sie noch einen großen Auftritt im Burgenland. Die österreichische Musik-Landschaft trauert um eine hervorragende Roma-Musikerin und die neue „Vienna Gibsy Music School“ des Romano Centro um eine bedeutende Unterstützerin.
Kerstin Kellermann