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Musikkultur in der Corona-Krise

Drei SKUG-Serien gewähren Einblicke in die enormen Schwierigkeiten, die durch die Ausgangsbeschränkungen entstehen, aber auch die Bewältigungsstrategien, mit denen z. B. Venue-Betreiber*innen, Künstler*innen und skug-Autor*innen auf die Krise reagieren.

Die Eindämmungsmaßnahmen gegen die Ausbreitung der COVID-19-Pandemie haben auch das Musikkultur-Magazin skug hart getroffen. Dass Musik- und Kulturjournalismus keine Möglichkeit ist, um Geld zu verdienen, dürfte allgemein bekannt sein und deswegen wandelt unser Online-Journalismus auf der denkbar dünnsten Kruste. skug veröffentlicht im Jahr mehr als 400 Artikel zu Musik, Kunst, Politik und sonstigem. Wir halten seit dreißig Jahren einen Redaktionsbetrieb aufrecht, der sich somit wohl »erfahren« nennen darf, aber leider lediglich Aufwandsentschädigungen zahlen kann. Unseren gut 60 Autor*innen, die regelmäßig Beiträge beisteuern, können wir leider kein Honorar zahlen. Mit Beginn der Corona-Krise fielen all unsere Anzeigen weg, weil diese meist Festivals bewerben, die abgesagt werden mussten. Wir beziehen gewisse Förderungen, die sind aber zum überwiegenden Teil an unseren eigenen Veranstaltungsbetrieb gebunden. Auf diese können wir nun nicht zurückgreifen und müssten sie – schlimmstenfalls, sollten die Veranstaltungssperren nicht gelockert werden – am Ende des Jahres zurückzahlen. 

Interviews und Selbstreflexion

In derart fröhlich-verzweifelter Lage saß die skug-Redaktion daheim an ihren Computern (hier hat die Krise übrigens wenig geändert) und beschloss, die hoffentlich einmalige und zutiefst seltsame Lage in drei Artikelserien zu bannen. Die drei Gruppen, die den skug-Kosmos ausmachen, sollten darin zu Wort kommen. Zunächst die Autor*innen in der Serie »Beschäftigungstherapie«. Hier können die Autor*innen ihren Lese-, Denk- und Betrachtungsalltag, der durch die äußeren Einschränkungen sehr »konzentriert« wurde, in hilfreiche Gebrauchstexte verwandeln. Rezensionen über bereits vor längerer Zeit erschienene Werke wechseln sich ab mit Reflexionen über die eigene Quarantäne-Lage. Einige der Krisen-Essays wurden so umfangreich, dass sie als eigene Artikel außerhalb der Serie erschienen (Stichwort: Coronavirus).

Selbstverständlich fragen wir auch die Künstler*innen nach ihrem Alltag. In der Serie »Quarantänetalk« kann anhand launiger Fragen Einblick gewonnen werden auf Maßnahmen »künstlerischen Durchhaltens«. Weil die Situation ohnehin schon schwierig genug ist, wollten wir den Künstler*innen die tiefschürfenden philosophischen Erwägungen ersparen, um die die meisten unserer Autor*innen nicht umhinkommen. Das Corona-Eingesperrtsein trifft die verschiedenen Kunstgattungen unterschiedlich schwer. Nicht, dass nicht alle unter den Einschränkungen leiden würden, aber die klassischen Heimarbeiter*innen (Schriftsteller*innen, Maler*innen etc.) haben es naturgemäß leichter als jene, die die Performance und die wie auch immer geartete Bühne brauchen. Wir waren in der Redaktion überrascht, wie viele Künstler*innen sehr schnell und bereitwillig auf unsere Fragen eingingen. Hieran mag die Schwere der Krise erblickt werden: Die Leute darben nach Abwechslung.

»Podium« für Kulturarbeiter*innen

Die dritte Personengruppe des skug-Kosmos tut sich am schwersten damit, den Einschränkungen gewisse heitere Aspekte abzugewinnen. Die Betreiber*innen von Venues, Veranstalter*innen und andere Kulturschaffende stehen schlicht vor der Gefahr, dass ihnen ihr Lebenswerk und ihr Einkommen zerfallen. Viele in der Subkultur »nähen ständig auf Kante«. Die Unternehmungen haben keine Rücklagen und seit Mitte März sind alle Einnahmemöglichkeiten weg. Wer möchte, kann sich durch das Transkript der Pressekonferenz von Vizekanzler und Kunststaatssekretärin durchquälen, das die IG-Kultur dankenswerterweise zur Verfügung stellt, unter dem schönen Titel »Aktuelles und Lockerungen im Bereich Kunst und Kultur und Veranstaltungen« (Die Kurzversion dieser wenig befriedigenden Lektüre: Die Politik weiß auch noch nicht so recht. Weder wann wieder in welcher Form genau aufgesperrt werden kann noch welche Form von Unterstützung es für die Betreiber*innen und Bereitsteller*innen von Kunstinfrastruktur geben wird.) Dass es für alle Beteiligten sehr schwierig ist, die weitere Entwicklung abzuschätzen, ist wohl eindeutig. Wir wollten bei skug nun denjenigen die Gelegenheit geben, ihre aktuelle und konkrete Situation zu beschreiben. Durch die Serie »Subkultur in der Corona-Krise« soll sowohl den Beteiligten als auch sonstigen Interessierten ein Überblick gegeben werden und idealerweise könnte damit zugleich ausgelotet werden, welche Möglichkeiten nun bestehen, gemeinsam für die Subkultur zu kämpfen.

Bei skug sind wir enthusiastisch, aber niemals naiv. Wir wissen, dass die »Big Player« in allen Branchen bereits Tag und Nacht daran arbeiten, die unübersichtliche Situation für sich und ihre Interessen zu suchen. In der Politik finden sie hierbei nicht selten willfährige Erfüllungsgehilfen. Der Underground wird aufstehen müssen und kämpfen, um seinen wichtigen Platz in der sich erst abzeichnenden Nach-Corona-Gesellschaft zu behalten. Das Magazin skug möchte hier mit Debatte, Interviews und Information mithelfen, die nötigen intellektuellen Instrumente zu schärfen, denn die Diskussionen der nächsten Jahre versprechen, anspruchsvoll zu werden. Mit unseren Artikelserien zur Corona-Krise (es sind bislang knapp zwanzig Beiträge erschienen und noch mindestens ebenso viele sind in Vorbereitung) möchten wir Werkzeuge der Selbstvergewisserung und der eigenen Standortbestimmung für die Subkultur bieten und versuchen, dabei zugleich auch kurzweilig zu sein.

Frank Jödicke (Chefredakteur), Mio Michaela Obernosterer (Stellv. Chefredakteurin/Lektorat) und Alfred Pranzl (Herausgeber)

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